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Kultur in Neuburg

06.08.2020

Thai-Tanz trifft Bach beim Konzert der Sommerakademie

Traditionelle thailändische Tänze von Sasipan Srivilailuck gab es im Stadttheater zu bestaunen.
Bild: Julia Abspacher

Plus Thai Dancing und Bach – dass diese Kombination funktionieren kann, beweisen Jesús Antonio Clavijo und Thai-Tänzerin Sasipan Srivilailuck bei der Sommerakademie in Neuburg. Was war genau geboten?

„Thai Dancing and Bach“, wie es an diesem Abend im Rahmen der Sommerakademie im Neuburger Stadttheater geboten wurde, klingt im ersten Augenblick nach einer wilden Kombination. Auf der einen Seite die streng durchdachten, intellektuell zugänglichen Kompositionen des deutschen Barockmusikers, auf der anderen Seite das freie Medium des Tanzes in seiner thailändischen Ausgestaltung. Eine fremde Kultur, mit der Bach vermutlich Zeit seines Lebens eher selten aneinandergeriet. Dass diese Kombination aber durchaus harmonisch gelingen kann, zeigten Jesús Antonio Clavijo am Violoncello und Thai-Tänzerin Sasipan Srivilailuck.

Sommerakademie in Neuburg: Thai-Dance und Bach an einem Abend

Wenn man beide nebeneinander sah, Clavijo auf der linken Bühnenhälfte wie er den Bach aus seinem Cello hervorlockte, und Srivilailuck rechts daneben mit ihren kontrollierten ruhigen Bewegungen, dann schien diese Diskrepanz der beiden Kulturwelten auf einmal überwunden.

Eine Liebeserklärung an das Cello spielte Jesús Antonio Clavijo im Stadttheater.
Bild: Julia Abspacher

Dann wirkte auf einmal Bach wie der junge Stürmer und der Thai Dance als ausgleichende, beruhigende Komponente. Mit kunstvoll gebogenen Händen und Füßen, kleinen Trippelschritten und grazilem, fließenden Ausdruck tanzte Srivilailuck über die Bühne des Neuburger Stadttheaters und wirkte manches Mal fast so, als würde sie sich in Zeitlupe bewegen.

Ein wenig täuschte der Titel des Konzerts aber auch über dessen tatsächliche Gestaltung hinweg: Gerade einmal zwei der sieben Stücke waren tatsächlich von Bach und nur zu diesen wurde auch getanzt. Sonst saß Clavijo alleine auf der Bühne und nahm mit auf eine cellistische Zeitreise vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis ins Jetzt. Da erklangen temperamentvolle Tänze von Rogelio Huguet y Tagell oder Astor Piazzolla genau wie moderne Kompositionen zeitgenössischer Künstler, bei denen in ausgedehnten Pizzicato auch mal für längere Passagen ganz auf den Bogen verzichtet wurde und es so mehr rhythmisch als melodisch zugeht. Oft mutet es fast wie Hochleistungssport an, in welcher Geschwindigkeit Clavijos Finger über die Saiten und zwischen den Lagen hin und her springen.

Szenenapplaus verdient er sich bei dieser Veranstaltung mit der Fantastischen Suite „Aus dem Leben des Waldschrat“ von Hugo Becker – ein ungewöhnlicher Name für ein ungewöhnliches Stück. Immer weiter klettern seine Finger in Flageolett-Tönen das Griffbrett hinab und die Tonleiter hinauf, während der Bogen nur noch auf der Stelle zu wippen schien, um nur die kürzesten Töne zu erzeugen.

Dabei kann er wahrhaft mit seinem Facettenreichtum glänzen: Von warmem, schmeichelndem Klang über bedrohliche Passagen bis hin zu kreischend hohen Klängen am Rande des Aushaltbaren. Es ist eine wahre Höchstleistung, die Clavijo, der fast den gesamten Abend alleine bestreitet, hier vollbringt.

Eine Liebeserklärung bringt der Abend der Sommerakademie hervor

Und so ist das Konzert nicht eigentlich eine Liebeserklärung an Bach oder den Thai Dance, sondern vielmehr eine Liebeserklärung an ein Instrument, das viel zu oft nur im Hintergrund spielt und doch zu den schönsten unter seinesgleichen zählt: das Cello.

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