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Wagenhofen

12.11.2019

Theater: Überzeugende Welturaufführung

Opa Johannes (Christian Karmann) will mit Zimmernachbar Rudi (Josef Hermann) abhauen. Tante Eva (Marina Kraus) will lieber Fenster putzen.

Die Wagenhofener Theatergruppe bringt das Stück „Der Kuhstall-Adonis“ von Lukas Bühler auf die Bühne. Es ist zum allerersten Mal zu sehen.

Das Theater in Wagenhofen, also das Martinsheim, ist wieder einmal restlos ausverkauft. Wie in den vergangenen Jahren schon sind die Karten für die fünf Aufführungen begehrt und das Publikum ist gespannt darauf, was sich die zwanzig Akteure und ihre ausgefuchsten Techniker in diesem Jahr haben einfallen lassen. Wie immer spielen sie zwei Einakter, denn die vielen Akteure brauchen Rollen und die Spielfreude ist seit über zwanzig Jahren offensichtlich ungebremst groß.

„Einmal New York“ heißt der erste Einakter, den Spielleiter Alfons Felbermeir mit seiner Truppe auf die Bühne bringt. Zu Anfang ein Déjà-vu-Effekt: In diesem Schaukelstuhl ist „Opa“ Christian Karmann schon einmal gefährlich nah an den Bühnenrand geschaukelt, so nah, dass die Zuschauer die Luft anhielten. Dieses Mal jedoch träumt der Opa nur – von New York, der Stadt seiner Sehnsucht, die er nie gesehen hat. An seinem Geburtstag im Altenheim bringt die bucklige Verwandtschaft nur den billigen Wein von der Tankstelle vorbei und der Tag wäre langweilig, wenn da nicht eine prall gefüllte Aldi-Tüte auftauchen würde. Der Tag scheint interessant zu werden, doch Komplikationen in Form der resoluten Heimleiterin (Nadine Stadler) und einer aufgedonnerten Sirene namens Viviane (Nadine Braun) bremsen die Pläne von Opa Johannes und seinem Freund Rudi (Josef Hermann), der in den Klamotten aus der Wundertüte von Aldi selbst Charlys Tante blass aussehen lässt. Dass der New-York-Traum von Opa Johannes wahr werden kann, dafür sorgt wieder einmal mehr das von Sven Klemmer und Marco Wallesch verstärkte Technikteam Vollnhals/Stadler/Rehm, das ins Martinsheim eine bunte Revue zaubert. Udo Jürgens und Frank Sinatra begleiten die bunten Bilder mit den passenden Liedern und das Publikum singt begeistert mit.

Die Magd Berti (Ottilie Rehm) hat nur Spott für den Bauern (Helmut Hartmann) übrig.
Foto: Annemarie Meilinger

Die Wagenhofener Theatergruppe legt sich jedes Jahr kräftig ins Zeug

„Der Kuhstall-Adonis“ ist ein Stück des Schweizer Autors Lukas Bühler, dem Lieblingsautor der Wagenhofener. Peter und Beatrice Humbold hatten die Ehre, die Welturaufführung mit ihrer Truppe einzustudieren – bei Anwesenheit des Schweizer Autors. In der klassischen Besetzung Bauer, Bäuerin, Knecht, Magd mit den üblichen Attributen naiv, bauernschlau, zupackend und rotzfrech spielen Helmut Hartmann, Emilie Vollnhals, Andreas Fuhrmann und Ottilie Rehm die Rollen auf dem Hof. Die Bäuerin scheint in ihren Zuchtstier verliebt zu sein und als sich ein Fotograf ankündigt, um das Tier für ein Magazin abzulichten, ist sie ganz aus dem Häuschen. Der Bauer hat da allerdings etwas missverstanden und bereitet sich mit Hilfe seines Knechts auf seine Rolle als Fotomodell vor. Dass der Anblick von nackter Haut dazu geeignet ist, die nervige Nachbarin (Johanna Hermann) mundtot zu machen, ist ein überraschender aber erwünschter Nebeneffekt. Helmut Hartmann spielt ziemlich unverkrampft die etwas schlüpfrige Rolle, die durch Gags wie ein herunterklappendes „Zensur“-Schild und krampfhafte Bemühungen von Knecht Köbi, nicht zu viel Haut sehen zu lassen, an Lächerlichkeit gewinnt. Als der Fotograf (Martin Fuhrmann) dann endlich auftaucht und sich alles aufklärt, freuen sich vor allem Magd und Bäuerin – die eine, weil sie dem Bauern den Spott gönnt, die andere, weil sie ihren Bauern dafür bewundert, dass er sich so ins Zeug gelegt hat.

„Einmal New York“: Opa Johannes tanzt seinen New-York-Traum...
Foto: Annemarie Meilinger

Tattergreis, Zicke, garstige Beißzange, naiver Trottel, nervige Tussi, verkleideter Trampel – die Wagenhofener scheinen für jede Rolle die passende Besetzung zu haben. Jeder legt sich ins Zeug und produziert sich nach Kräften – das ist das Erfolgsrezept der Wagenhofener Spieler. Viele Zuschauer gehen mit einem Grinsen und nassgeweinten Augen aus dem Martinsheim und würden schon Karten für nächstes Jahr reservieren, wenn es sie denn gäbe.

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