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Neuburg

24.03.2019

Tierheim: Ärger um die Außenstelle in Ingolstadt

Das 8000 Quadratmeter große Grundstück in Ingolstadt inklusive des Gebäudes, das der Tierschutzverein vor knapp drei Jahren geerbt hat, wird zur Außenstelle des Tierheims in Riedensheim.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Das Erbe einer Villa in Ingolstadt und das bundesweite Interesse am Hundedrama von Königsmoos brachte den Tierschutzverein an die Belastungsgrenze.

Schaut Gerd Schmidt auf das vergangene Jahr zurück, vergleicht der Vorsitzende des Tierschutzvereins die Zeit mit einer Berg- und Talfahrt. Schöne Momente wurden von heiklen abgelöst. Sorgen und viel Arbeit bereiteten den Tierschützern gleich mehrere Begebenheiten. Aber die Erfolge geben ihnen dann doch wieder recht. Schmidt und sein Team lassen sich eh nicht unterkriegen. Weder durch eine Flut von Hunden aus Königsmoos. Noch von einer Schwemme an Gerichtsverfahren, die das Erbe eines Anwesens im Norden von Ingolstadt mit sich brachte.

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Beides brachte den Verein an den Rand seiner Kapazitäten. Schließlich haben der ehrenamtliche Vorstand, die Angestellten des Tierheims und die vielen Helfer die Situationen meistern können. Bei seinem Rückblick auf 2018 reflektierte Schmidt die beiden Hauptthemen aus dem vergangenen Jahr. Die geplante Außenstelle in Ingolstadt und die Hunde aus Königsmoos.

Tierschutzverein: Das Hundedrama von Königsmoos sorgte für Interesse

Für bundesweites Interesse sorgte die Sicherstellung von über 140 Hunden auf einem Anwesen in Königsmoos. Neben den ersten 24 Hunden, die in einem Transporter eingepfercht waren, nahm sich alleine der Neuburger Tierschutzverein weiteren 20 Hunden an. Der Rest fand bei anderen Tierschutzvereinen und Hundehaltern Unterschlupf. Die große Anzahl der Hunde aber überstieg auch die Arbeits- und Platzkapazitäten des Tierheims in Riedensheim. Alleine die Quarantänestation war überfüllt. Drei Monate lang habe der Verein keine Pflegetiere annehmen können, was einen Einnahmeausfall darstellte. Die Kosten für die sichergestellten Hunde übernahm das Landratsamt. Viele der Hündinnen seien trächtig gewesen, so Schmidt. Aber diese Welpen und auch die erwachsenen Hunde konnten zum Großteil vermittelt werden. Fazit für Schmidt aus dieser Sicherstellungsaktion: „Die Gesetze reichen nicht aus, wenn ein Amtstierarzt trotz eindeutiger Hinweise nicht auf das Grundstück darf und ein Missstand jahrelang geduldet werden muss.“

Tierheim: Ärger um die Außenstelle in Ingolstadt
Gerd Schmidt, vorsitzender des Tierschutzvereins Neuburg-Schrobenhausen, auf dem Areal des Tierheims im Wald zwischen Neuburg und Riedensheim.
Bild: Manfred Dittenhofer

Insgesamt kümmerte sich das Tierheim im vergangenen Jahr um 534 Hunde, 247 Katzen, 181 Kleintiere und 33 Großtiere. Wobei diese Zahlen, so Schmidt, nicht allzu aussagekräftig seien. „Wichtig ist, wie lange wir einen Hund bei uns haben. Und da haben wir inzwischen eine große Anzahl an Problemhunden, die unvermittelbar sind, und somit noch lange, vielleicht bis zu ihrem Lebensende, bei uns bleiben werden.“

Die Villa in Ingolstadt beschäftigt den Tierschutzverein

Über die Maßen hat den Vorstand des Tierschutzvereins auch das vor drei Jahren geerbte Anwesen im Norden Ingolstadts beschäftigt. Der Sohn der verstorbenen Dame hatte versucht, sein Pflichterbteil zu erhöhen. Erfolg hatte der Pflichterbe mit der Klage nicht. Bei den Nachbarn, zwei Landwirten und einer Schrebergartenvereinigung, ist die Außenstelle des Tierheims Neuburg nicht gerne gesehen. Außerdem wollte ein Anwalt gerichtlich durchsetzen, dass er die Testamentsvollstreckung durchführen darf. Auch dieses Verfahren ging zugunsten des Tierschutzvereins aus. Schließlich klagen die Nachbarn gegen die von der Stadt Ingolstadt abgenickte Nutzungsänderung für das rund 8000 Quadratmeter große Grundstück mit einem Haus. Erst mit dieser Nutzungsänderung wird die Unterbringung von Tieren auf dem Gelände möglich. Schmidt ging davon aus, dass die Verordnung der Stadt Ingolstadt wasserdicht sei.

Schließlich musste auch der Tierschutzverein klagen. Denn die Zufahrt zu dem Grundstück erfolgt über den privaten Feldweg eines Nachbarn, der diesen kurzerhand sperrte. Mit einer einstweiligen Verfügung sicherte sich Schmidt das Wegerecht. Dabei versucht der Tierschutzvereinsvorsitzende auf die Nachbarn zuzugehen. „Wir werden dort keinen Lärm machen und nur alte Hunde, Katzen, Vögel und Kleintiere unterbringen.“ In zwei Wohnungen, die ebenfalls von der Stadtverwaltung genehmigt seien, wird Pflegepersonal einziehen.

Der Tierschutzverein stellt das Anwesen verschiedenen Interessengruppen zur Verfügung. Darunter dem Ingolstädter Stadttaubenprojekt und Privatinitiativen, die sich um Igel und Fledermäuse kümmern. Außerdem soll dort auch ein Hundehospiz entstehen.

In Ingolstadt soll eine Außenstelle des Tierheims Riedensheim entstehen

Der Tierschutzverein hat in das Anwesen bereits ordentlich investiert und mit Hilfe vieler Spenden und ehrenamtlicher Unterstützung das Gebäude saniert. Möglich ist das nur, weil der Verein finanziell auf gesunden Füßen steht. Für die Sanierung der Kläranlage im Tierheim Riedensheim werden heuer rund 20.000 Euro fällig. Aber der Verein hat ein solides finanzielles Fundament. Die Bilanz teilt sich in einen ideellen Bereich, in die Vermögensverwaltung, den Zweckbetrieb und die wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe. Eine hochkomplexe Angelegenheit, die immer noch im Ehrenamt bearbeitet wird, hauptsächlich von Gerd Schmidt und von Vereinsschatzmeister Roland Idecke.

Bei der Jahreshauptversammlung schauten der stellvertretende Landrat Alois Rauscher, der zweite Bürgermeister Neuburgs, Rüdiger Vogt, und aus dem Schrobenhausener Stadtrat Josef Dietenhauser vorbei. Die Drei lobten die Arbeit der Tierschützer. Die Aktion in Königsmoos habe eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig ein funktionierender Tierschutzverein ist.

Das ist die Bilanz des Tierschutzvereins Neuburg-Schrobenhausen

  • Mitglieder: Rund 2300
  • Einnahmen aus dem ideellen Bereich (Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse von Kommunen): rund 241.000 Euro
  • Einnahmen aus der Vermögensverwaltung (Mieten): rund 29.000 Euro
  • Einnahmen aus dem Zweckbetrieb (Sicherstellungen für die Kommunen, Fundtiere, Leistungen für andere Tierschutzvereine): rund 64.000 Euro
  • Einnahmen wirtschaftlicher Geschäftsbetriebe (Tierpension, Photovoltaik, Vermittlung Tierhalterhaftpflicht): rund 78.000 Euro
  • Aufwendungen: rund 405.000 Euro
  • Jahresüberschuss: knapp 7000 Euro.
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