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Rennertshofen-Hütting

22.11.2019

Tiny House: Ein kleines, schmuckes Häuschen unter der Burg

Stefan Huber erläuterte sein Vorhaben, hörte sich die Bedenken seiner Mitbürger an und äußerte sich dazu.
Foto: Michael Geyer

Plus Das Tiny-House–Projekt von Stefan Huber im Rennertshofener Ortsteil Hütting hat eine Hürde genommen. Jetzt stellte der Landwirt sein Vorhaben den Bürgern vor.

Schon über mehrere Jahre ist der Hüttinger Landwirt Stefan Huber mit Recherchen und der Planung für seine Tiny-House-Siedlung auf seinem Grundstück am westlichen Ortsrand unterhalb der Hüttinger Burg beschäftigt. Erst kürzlich bekam er den Bescheid der Unteren Naturschutzbehörde, dass die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung im geplanten Gebiet „keine Hinweise auf eine populationsbezogene Verschlechterung des Erhaltungszustandes“ ergeben hätte. Insgesamt wurden dort 31 Vogelarten festgestellt. Davon sind 18 Arten sogenannte „Allerweltsarten“. Mehrere Greifvogelarten nutzen das Gebiet zur Nahrungssuche, auch der Wanderfalke, ein im Altmühltal verbreiteter Brutvogel. Brutplätze vom Uhu würden durch die Baumaßnahme nicht geschädigt.

„Nachdem meine Pläne immer konkreter werden, ist es Zeit, die Hüttinger über mein Projekt zu unterrichten und mich ihren Fragen und Bedenken zu stellen“, sagte sich Stefan Huber und lud zu einem Informationsabend und Gedankenaustausch in den Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr ein. Das Interesse der Hüttinger und auch etlicher Tiny-House-Aspiranten war so groß, dass der Platz nicht mehr reichte und zusätzliche Stühle zwischen die Tischreihen gestellt werden mussten. Auch Rennertshofens Bürgermeister Georg Hirschbeck war mit seinem fast kompletten Gemeinderat erschienen, denn auch für die Markträte ist das Thema Neuland.

Tiny Houses in Rennertshofen: 20 Stellplätze sind geplant

Stefan Huber stellte zuerst sein Projekt vor (siehe auch den NR-Bericht vom 31. Oktober): Auf einer Fläche von rund einem halben Hektar will er 20 Stellplätze in der Größe von 100 bis 200 Quadratmetern jeweils für ein Jahr lang an die Tiny-House-Besitzer verpachten. Das Interesse sei enorm: Innerhalb kürzester Zeit hätten sich rund 100 Bewerber gemeldet. Sie kommen aus allen Schichten: Unternehmer, Programmierer, Grafikdesigner, viele davon seien beruflich selbstständig oder flexibel, was Arbeitszeit und Arbeitsort entspricht. Jüngere, aber auch Rentner oder ältere Leute, denen ihr bisheriges Haus zu groß geworden ist, seien unter den Interessenten. Er habe sich auch über das bereits in Mehlmeisel im Fichtelgebirge bestehende Tiny-House-Village informiert: Die Bewohner dort, meistens Aussteiger, bildeten eine in sich geschlossene Community, eine Parallelgesellschaft. Diese Nachricht schreckte so manchen Zuhörer auf. „Ein Dorf neben dem Dorf soll in Hütting nicht entstehen. Die sollen sich integrieren“, sprach Gemeinderat Josef Spenninger vielen aus der Seele. Huber beruhigte: Wer hier so eine Gemeinschaft gründen wolle, sei im Fichtelgebirge besser aufgehoben. Es seien auch keine Gemeinschaftsräume vorgesehen.

Das Heft des Entscheidens ließe er sich nicht aus der Hand nehmen: Er suche sich die Leute sorgfältig aus. Da der Pachtvertrag jeweils über ein Jahr laufe, habe er die Möglichkeit, Leuten, die nicht in die Siedlung passten, zu kündigen. Im Übrigen stünden die Häuser auf Rädern, seien also keine Immobilien, sondern Mobilien, die schnell von A nach B transportiert werden könnten. Fest stehende Häuser seien nicht vorgesehen. Auch für andere Sorgen seiner Zuhörer hatte Huber Antworten: Es müsse nicht befürchtet werden, dass die Bewohner die Wege zustellen. Jeder habe seinen eigenen Parkplatz, insgesamt stünden 26 zur Verfügung, dazu kämen noch rund 30 Plätze vor den Hallen auf dem Grundstück. Störungen der Nachtruhe wolle er ebenso wenig wie die Nachbarn. Und auch diese Leute wollten ihre Ruhe. Die Siedlung sei nachts nicht beleuchtet, es seien aber Bewegungsmelder vorgesehen. Die Zufahrtswege sollten so wenig wie möglich versiegelt werden, müssten aber so gebaut sein, dass auch schwere Löschfahrzeuge sie benutzen könnten. Es gäbe keine Betonfundamente, die Häuser stünden mit ihren Fahrwerken auf Eisenplatten. Einen Internetanschluss müsse er ebenso selber zahlen wie alle anderen Anschlüsse. Die Bedenken, dass sich Hubers Grundstück einmal in Bauland umwandeln könnte, räumte Bürgermeister Hirschbeck aus: „Die Siedlung ist ein Sondergebiet. Da darf nur hingestellt werden, was beantragt wurde.“

Tiny Houses in Rennertshofen: Startschuss noch unklar

Nachdem die Hürde des FFH-Gutachtens genommen und Huber auch bereits eine Ausgleichsfläche am Ostrand von Hütting Richtung Wellheim als Insektenwiese deklariert hat, nimmt das weitere Genehmigungsverfahren mit dem Aufstellungsbeschluss seinen Lauf. Wann das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden könne, ließe sich nur schwer sagen. Hirschbeck tippte auf mindestens ein Jahr Bearbeitungszeit, Gemeinderat Ludwig Bayer auf eher zwei. Der Bürgermeister forderte die Hüttinger auf, in dem Genehmigungsverfahren mit der Gemeinde zu reden, ihre Bedenken bei der Verwaltung kundzutun und auch ihre Kritik zu äußern. Diesen offenen Umgang miteinander wünschte sich auch der Antragsteller.

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