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Neuburg/Ingolstadt

07.01.2020

Tote in der Nähe des Fahrrads gefunden

Mehrere Male suchten Beamte die Umgebung rund um den Wohnort der vermissten Pettenhofenerin ab. Zuletzt Mitte November mit einer Hundertschaft an den nördlichen Donauufern. 
Bild: Gloria Geissler

Plus Nachdem ein Spaziergänger das Fahrrad der vermissten 57-Jährigen gefunden hatte, machte sich am Dienstag die Polizei erneut auf die Suche. Sie fanden eine Leiche. Fünf weitere Personen werden in der Region vermisst. Oft seit Jahren.

Was gibt es Schlimmeres als die Ungewissheit? Wenn ein geliebter Mensch plötzlich verschwindet und es kein Lebenszeichen mehr von ihm gibt, ohne dass jemand weiß, was passiert ist, dann stürzen die Angehörigen oft in einen Teufelskreis aus Hoffnung und Verzweiflung.

Um die Angehörigen der vermissten Frau aus Pettenhofen aus diesem Teufelskreis zu befreien, haben sich Polizeibeamte am Dienstagvormittag wieder mit Spürhunden auf die Suche gemacht. Schließlich geht es auch darum, ein mögliches Verbrechen aufzuklären. Am Neujahrstag hatte ein Spaziergänger das Fahrrad der 57-Jährigen am nördlichen Donauufer gefunden. Den genauen Fundort hielten die Beamten geheim, um zu verhindern, dass sich Angehörige oder Freunde auf eigene Faust auf die Suche machen oder auch Schaulustige Spuren vernichten. Die Stelle ist sehr abgelegen und vom Weg aus nicht einsehbar. Schon einmal wurde an dieser Stelle gesucht. Doch im Herbst erschwerte das Laub an den Büschen und Bäumen den Blick ins Dickicht. Der Spaziergänger am Neujahrstag hat das schwarz-graue Trekkingbike wohl auch nur deswegen gefunden, weil er zum Austreten einen sichtgeschützten Platz suchte, wie Polizei-Pressesprecher Michael Graf sagt.

Seit 18. Oktober war die Frau aus Pettenhofen verschwunden

Seit 18. Oktober war die 57-Jährige verschwunden. Gegen 6 Uhr hatte sie an diesem klaren Freitagmorgen das Haus in Pettenhofen, ein Dorf nahe Irgertsheim, verlassen. Sie nahm nichts mit außer ihr Fahrrad. Seither wurde sie nicht mehr gesehen, auch wenn rund 40 Hinweise eingingen, die anderes behaupteten. Schlussendlich endeten alle in einer Sackgasse, wie es aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord hieß. Fast zwölf Wochen ist jener 18. Oktober nun her. Zwölf Wochen zwischen Hoffen und Bangen für die Angehörigen.

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Am Dienstagvormittag fanden die Beamten eine Leiche in der Nähe des Fahrrads. Ob es sich tatsächlich um die vermisste Pettenhofenerin handelt, wird die Obduktion am Mittwoch klären. Die Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt führt derzeit unter Einbeziehung des Instituts für Rechtsmedizin Erlangen Maßnahmen zur Identifizierung des Leichnams und zur Feststellung der Todesursache durch.

Sabine Pfaller und ihr Freund Eugen Sambrschizki verschwanden vor 17 Jahren

Gewissheit ist Johanna Ziegler nicht vergönnt. Sie lebt seit 17 Jahren in diesem Schwebezustand. Am 22. September 2002 verließ ihre damals 23-jährige Tochter Sabine Pfaller zusammen mit ihrem Freund Eugen Sambrschizki ihre Wohnung in Ingolstadt. Seither gibt es kein Lebenszeichen mehr von den beiden. „Mein Leben lang wird mich diese Ungewissheit verfolgen“, sagt ihre Mutter Johanna. Tagtäglich denkt sie an ihre Sabine. Und auch wenn ihr die Polizei wie auch ihr Verstand wenig Hoffnung machen, sie jemals lebend wieder zu sehen, ihre Mutterseele fühlt etwas anderes: „Vielleicht wurde sie verschleppt und wird irgendwo im Ausland festgehalten.“ Zwei Mal ist sie seit Sabines Verschwinden umgezogen, die Telefonnummer hat sie aber immer mitgenommen. „Die weiß Sabine auswendig. Wenn sie irgendwie die Möglichkeit hat zu telefonieren, kann sie jederzeit anrufen.“

Angehörige fühlen sich oft als Verräter, wenn sie es wagen daran zu denken, die geliebte Person könnte eventuell tot sein. Wieder und wieder gehen sie die Gespräche und das Verhalten des Verschwundenen in den Tagen davor im Geiste durch, das bestätigt auch Johanna Ziegler. Gab es Hinweise? Hat sie vielleicht einmal etwas angedeutet, das nach ihrem Verschwinden wichtig sein könnte? Habe ich etwas übersehen?

Familie verteilte Suchplakate in der gesamten Region

Wenn der erste Schock überwunden ist, versuchen viele Betroffene in ruheloser Aktivität, die quälende Ungewissheit zu verringern. Auch die Töchter der Pettenhofenerin wurden aktiv und entwarfen ein Suchplakat, das sie in der gesamten Region an Ampelmasten und Laternenpfeiler klebten. Doch das Gefühl der Unwirklichkeit bleibt, wie der Ehemann damals sagte.

In der Region gelten fünf Personen öffentlich als vermisst. Neben Sabine Pfaller und Eugen Sambrschizki sind das Kreszentia Hirschmeier aus Rennertshofen, die am 4. Oktober 2008 nicht mehr heimkehrte, Konrad Schmittlein aus Beilngries, der seit 6. September 2011 nicht mehr gesehen wurde und der Fall der 31-jährigen Chettana Taprap, der 2012 deutschlandweit durch die Presse ging. Sie verschwand unter mysteriösen Umständen im Familienurlaub in Kroatien. Zwischenzeitlich war der Partner der Thailänderin ins Visier der Ermittler geraten, dann jedoch wieder freigelassen worden. Solange die Leichen der Vermissten nicht gefunden sind, werden die Fälle nicht zu den Akten gelegt, heißt es aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord.

Für die Angehörigen bleibt die Ungewissheit.

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