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Kabarett

18.11.2015

Tragödie und Komödie, eine Frau zu sein

Inka Meyer hat sich in Rennertshofen Gedanken über die Geschlechterrollen gemacht. Was dabei herauskam

Kabarett kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Diese Erfahrung musste das Publikum in der Kleinkunstbühne im Tennisheim von Rennertshofen machen. Mit „Kill me Kate – Die gezähmte Widerspenstige“ war Inka Meyer zu Gast und beschäftigte sich in ihrer „Dramödie“ intensiv mit der Thematik, heute eine Frau zu sein. Es ist halt gegenwärtig nicht mehr so einfach, wie es Petruchio bei Shakespeare auf den Punkt bringt: „Sie ist mein Landgut, ist mein Haus und Hof, mein Hausgerät, mein Acker, meine Scheune, mein Pferd, mein Ochs, mein Esel, kurz mein Alles.“ So ein Mann brauche keine Frau, sondern einen Streichelzoo, meinte Inka Meyer dazu. Denn Arbeit, Familie, Rente und Kita machten das Leben der heutigen Frauen komplizierter, vielschichtiger.

Sie sind aber noch so widerspenstig, wie es der berühmteste englische Dichter in „Der Widerspenstigen Zähmung“ zu Papier gebracht hat. Mit dieser weiblichen Widerspenstigkeit muss sich auch Theatermacherin Nora Schwarting auseinandersetzen, die das Shakespeare-Stück auf die Bühne bringen soll. Inka Meyer schlüpfte in die Rolle von Nora und gab eine hochpolitische, bestens recherchierte und sprachlich geschliffene Bestandsaufnahme der heutigen Frauenrolle zum Besten.

Sie bot eine versierte Sichtweise der heutigen Situation, die von knallharten Themen wie Unterrepräsentanz in Führungsebenen, Ungleichbehandlung bei der Bezahlung und der damit drohenden Altersarmut bestimmt wird. Zu dieser politischen Note in ihrem Programm lieferte sie gleich die passenden Lösungsansätze, gepaart mit Witz, Humor und einer Bühnenpräsenz, wie sie die Bretter der Kleinkunstbühne nicht alle Tage erleben. Geschickt nutzte die gelernte Schauspielerin die vielfältigen Ausdrucksmittel der Theaterkunst, fegte wie ein Wischmob über die Bühne und wirbelte den Staub von althergebrachten Frauenbildern herunter. Dazu prasselten die Pointen wie ein Feuerwerk über das Publikum herein und wer sich mal gedanklich ausklinkte, um bei dem atemberaubenden, fast waghalsigen Sprechtempo ein bisschen zu verschnaufen, den riss die Künstlerin schon bei der nächsten Runde wieder mit.

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Nora ließ sich für alle Themen prächtig einspannen: Sie rechnete genüsslich mit dem Ex ab, der sich als Neo-Hipster selbst bei 40 Grad im Schatten mit Wollmützchen und Vollbart ziert, was ihm gut zu Gesicht steht, weil man dieses jetzt nicht mehr sehen muss. Auch mache es wenig Sinn, sich noch mit dem Verflossenen zu beschäftigen: „Wenn Sie ihren Hund einschläfern lassen, gehen Sie ja auch nicht mehr mit ihm spazieren“, meinte Nora dazu. Wenn der Partner nichts tauge, bliebe im Leben einer Frau nur noch der BH als wichtigste Stütze, giftete sie. Ebenso schlecht weg kam der Sexchat im Internet, das sich von der Datenautobahn zum digitalen Straßenstrich gemausert habe. Weil die meisten Männer so langsam tippen, mache es eh keinen Spaß. Nora beriet ihre Freundin, die trotz diverser Mittel und Methoden so gar nicht schwanger werden wollte.

„Hast du es schon mal mit Sex probiert?“, hieß es da und „Du bist nicht unfruchtbar, du bist 49!“ Nora zitierte aus dem Emailbriefwechsel der besorgten Eltern ihrer Kindertheatergruppe „Viel Lärm um Kids“, wo es um die Frage „Biokiste oder Dessertobst von Aldi?“ für die tägliche Obstmahlzeit ging und das Publikum wieherte vor Vergnügen, als ein besorgter Papi meinte, es sei wichtig, aus welchem Material die Kiste sei. Nora ließ sich über „Elite-Partner“ ebenso aus wie sie sich ihren Reim über das Schicksal von Desdemona, Ophelia und Julia machte: „Verliebt, kurz darauf tot. – Sie konnten ohne Liebe nicht leben. Doch was nutzt die Liebe, wenn man nicht lebt?“ Nora brachte Barbie ins Spiel: Sie bräuchte keine Frauenquote, um in einen Dax-Vorstand zu kommen, die Playmobil-Frau dagegen schon, denn sie wurde nur geschaffen, damit die Playmobiltiere auch was zu fressen bekämen. Lego-Frauen dagegen gab es eigentlich gar nicht, sie wurden lediglich durch Austausch des Kopfes ins Leben gerufen.

Mit dieser Methode ließe sich auch manches Partnerproblem lösen, meinte Nora und nahm auch die geringe Bereitschaft der deutschen Männer für eine Elternzeit – nur fünf Prozent nutzen das Angebot – und die Meinung vieler Chefs „Krankheit ist Schicksal, Elternzeit aber ein Charakterfehler“ aufs Korn. Nachdenklich machte sie auch die Tatsache, dass doppelt so viele Frauen wie Männer den Typ Hausmann unattraktiv fänden. Fazit: Das Publikum war begeistert und dankte mit reichlichem Applaus für das satirische Vergnügen.

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