Forschung

03.07.2013

Traumatisiert?

Die Uni sucht junge Menschen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind

Ingolstadt/Eichstätt Eine neue Form der Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene, die nach einem traumatischen Erlebnis sehr belastet sind, untersucht ein Team von Forschern. Geleitet wird es von Prof. Dr. Rita Rosner, Lehrstuhlinhaberin für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Uni Eichstätt-Ingolstadt (KU)

In einer Vorstudie hat das neue Therapiekonzept bei Patienten bereits zur deutlichen Verbesserung geführt, so die Uni. Jetzt beginnt in Frankfurt, Berlin und Ingolstadt die Hauptstudie, an der Betroffene teilnehmen können. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 1,4 Millionen Euro.

Sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlung im Kindes- und Jugendalter sind Themen, die immer wieder Schlagzeilen machen. Etwa eines von vier Mädchen und einer von elf Jungen werden sexuell missbraucht. Etwa zehn Prozent der Kinder erleben körperliche Misshandlung. Die langfristigen Folgen solcher Erfahrungen sind alarmierend: Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken. Insbesondere an der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese psychische Erkrankung führt zu Einschränkungen im Lebens. Traumatisierte Menschen haben oft Ängste, Schlafstörungen oder Reizbarkeit. Häufig werden Dinge und Situationen vermieden, die an das belastende Ereignis erinnern. Das führt oft zur deutlichen Beeinträchtigung im Alltag.

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Für Erwachsene und Kinder gibt es Verfahren, deren gute Wirksamkeit bereits in Studien belegt wurde. Problematisch wird es aber im Altersbereich zwischen diesen beiden Gruppen: Für Jugendliche mit einer PTBS sind die kinder- oder erwachsenenspezifischen Verfahren nur schwer anwendbar. Diese Lücke wollen die Wissenschaftler um Prof. Dr. Rita Rosner schließen.

Jetzt wird mit der Hauptstudie begonnen. Hierfür werden an allen Zentren Interessenten zwischen 14 und 21 Jahren gesucht, die sich für ein unverbindliches Gespräch an die Ambulanz in der jeweiligen Stadt wenden können. Dabei wird abgeklärt, ob die angebotene Traumatherapie zu den Problemen des Interessenten passt.

Ist die Therapie für den Patienten geeignet, kann relativ schnell die Behandlung, die von allen Krankenkassen finanziert wird, begonnen werden. Der Vorteil: Die Wartezeit ist geringer als sonst üblich. Zudem basiert die Therapie auf wissenschaftlichen Verfahren, die bereits in Studien untersucht wurden und sich als wirksam erwiesen haben. Da die Studie den Standards wissenschaftlicher Forschung genügen muss, werden die therapeutische Arbeit und die Entwicklung des Patienten stärker beobachtet als im normalen Praxisalltag, was eine hohe Qualität der Behandlung sicherstellt. Insgesamt bringt die Teilnahme an der Therapiestudie den Patienten also viele Vorteile.

Mehr Informationen über das Projekt findet man im Internet. (nr)

traumatherapie-jugendliche.de

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