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Gesundheit in Neuburg

14.12.2018

„Trubel“ in der Neuburger Kinderklinik

Am Krankenhaus in Neuburg wird nach dem Trägerwechsel ein deutlich betriebswirtschaftlicherer Ansatz verfolgt als zu Zeiten der Klosterschwestern. Die neue Geschäftsführung ist sich bewusst, dass dieses neue Denken nicht jedem gefallen wird.
Bild: Norbert Eibel

Eine Station der Neuburger Kinderklinik wurde vorübergehend geschlossen. Diesen Ansatz verfolgt die neue Geschäftsführerin des Krankenhauses.

Neuer Name, neues Logo, neue Internetseite. Ein Imagefilm mit lächelnden Mitarbeitern. Während sich die KJF Klinik Sankt Elisabeth erst kürzlich bei einem Pressetermin nach außen hin von ihrer besten Seite präsentierte, scheint es innen zu brodeln. Die Zusammenarbeit mit den Barmherzigen Brüdern, die das Neuburger Krankenhaus seit Jahrzehnten mit Medikamenten beliefert haben, wurde bereits im Sommer aufgekündigt. Das Labor wird umstrukturiert werden. Mitarbeiter äußern Unzufriedenheit. Bei den Ärzten kommt es immer wieder zu Personalwechseln. Und nun hat vor knapp zwei Wochen auch noch die Station 14 der Kinderklinik vorübergehend geschlossen und wurde mit der Station 15 zusammengelegt.

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Insider sprechen von „totalem Chaos“ auf der Station. In die Zimmer sollen zusätzliche Betten gestellt, Jugendliche mit Kleinkindern zusammengelegt, manche Patienten nach Ingolstadt verlegt worden sein. Das Personal sei nur noch „am Rennen“, könne in der Patientenversorgung gerade einmal das Nötigste erledigen. Keine Zeit für sensible Gespräche mit den Eltern, keine Pausen, dafür Überstunden.

„Ja, es wird eng.“ Die Station 15 sei sehr voll, gibt Geschäftsführerin Ulrike Kömpe zu. Es herrsche „viel Trubel“. Doch die Mitarbeiter seien ja ebenfalls umverteilt worden und könnten nun in anderen Stationen für Verstärkung sorgen. Dass das Personal mit der Arbeit nicht mehr hinterherkomme, will Kömpe so nicht stehen lassen. Damit Heranwachsende nicht mit Neugeborenen ein Zimmer teilen müssten, würde man auf weitere Stationen im Haus ausweichen.

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Die Station 14 der Neuburger Kinderklinik bleibt wegen Personalmangels vorübergehend geschlossen

Überhaupt habe man mit der Schließung der Station 14, die derzeit für zwei bis drei Monate geplant sei, „aus der Not eine Tugend“ gemacht, sagt die Geschäftsführerin. Hintergrund der Schließung ist nämlich ein Personalmangel in dem nach Ingolstadt ausgelagerten Teil der Neuburger Kinderklinik. Dort seien im Laufe des Jahres acht Mitarbeiterinnen schwanger geworden, berichtet Kömpe. Schwangere müssen aufgrund des Infektionsrisikos in einem Krankenhaus unmittelbar nach Bekanntwerden der Schwangerschaft aufhören zu arbeiten. Wie Kömpe erklärt, handle es sich in Ingolstadt um ein sogenanntes Perinatalzentrum Level 1 – eine Einrichtung für sehr früh geborene Kinder, für die nach einer gesetzlichen Regelung besonders viel Personal aufgewendet werden muss. Um dieses Level zu halten, musste Personal von Neuburg nach Ingolstadt umgeschichtet werden. Gleichzeitig sei die Kinderklinik in Neuburg das ganze Jahr über nur zu maximal 60 Prozent ausgelastet gewesen, sagt die Geschäftsführerin. Außerdem fehlten dort zwei pädiatrische Oberärzte. Also habe man am 4. Dezember schließlich gehandelt – obwohl die Wintermonate tendenziell stärker belegt sind als die Sommermonate. Klinikmitarbeiter befürchten, dass die Station 14 aus betriebswirtschaftlichen Gründen komplett geschlossen werden könnte. Diese Angst sei unbegründet, versichert Kömpe. Wöchentlich würden Sitzungen stattfinden, in denen die Situation evaluiert wird, um bei Bedarf sofort reagieren zu können.

Der Vertrag mit den Barmherzigen Brüdern als Medikamenten-Versorger sei schon mehr als 30 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß gewesen, erklärt Kömpe eine andere Entscheidung in diesem Jahr, die nicht jedem gefallen hat. Der Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit seien weniger der Preis, sondern viel mehr die gestiegenen Anforderungen an die Qualitätssicherung gewesen. „Fast kein Krankenhaus wird mehr von einer privaten Apotheke versorgt.“ Neuburg wird nun vom Klinikum Ingolstadt beliefert.

Gute Nachrichten für Neuburger Kinderklinik: 2019 beenden neue Krankenschwestern die Ausbildung

Für die Zukunft hat die Geschäftsführerin gute Nachrichten: In Ingolstadt seien zwei externe Schwestern eingestellt worden. Schwangere vom Vorjahr kämen wieder zurück. Außerdem werde 2019 ein neuer Jahrgang Krankenschwestern mit der Ausbildung fertig. Zum 1. April wird eine neue pädiatrische Oberärztin kommen, ein zweiter Oberarzt für die Pädiatrie wird noch gesucht. Kömpe: „Wir wollen die Belastung für die Oberärzte reduzieren und noch mehr Spezialisierungen anbieten können.“

Auch in der Gynäkologie wird es im April einen neuen Chef geben, der dann die derzeit vakante Stelle ausfüllen wird. Wer das sein wird, soll im Januar bekannt gegeben werden. Und noch ein weiterer Chefarzt-Posten scheint bald neu besetzt werden zu müssen: Wie aus sicherer Quelle zu erfahren war, wurde der Chefarzt der Anästhesie freigestellt. Dazu wollte Kömpe sich noch nicht näher äußern. Ob im Labor im Zuge der Umstrukturierung Mitte des Jahres Stellen gestrichen werden, könne sie jetzt noch nicht sagen, so die Geschäftsführerin. „Aber es wird nicht im großen Stil sein.“

Dass sie und der neue Träger, die KJF, einen deutlich betriebswirtschaftlicheren Ansatz verfolgten als früher die Klosterschwestern, gibt Kömpe unumwunden zu. Dies sei notwendig, sagt sie. „Das ist ein neues Denken – dessen bin ich mir bewusst und auch darüber, dass das nicht jedem gefallen wird. Aber wir müssen schließlich mit dem, was wir verdienen, auskommen.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Dorothee Pfaffel: "Nicht an der Kinderklinik sparen!"

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