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Ulrich Mayer lehnt die Auszeichnung aus Prinzip ab

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Kommentar Von Claudia Stegmann
17.08.2018

Warum es trotz aller Geradlinigkeit nicht verwerflich gewesen wäre, wenn Ulrich Mayer die Umweltauszeichnung „Grüner Engel“ angenommen hätte.

Ein bisschen chic ist es ja schon geworden, Auszeichnungen zu verschmähen. Prominentestes Beispiel ist Marcel Reich-Ranicki, der 2008 sehr öffentlichkeitswirksam der deutschen Fernsehlandschaft eine schallende Ohrfeige erteilte. Der damals 88-Jährige sollte für das „Literarische Quartett“ mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk geehrt werden. Doch der sah sich schlichtweg im falschen Film: „Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste“, sagte er und tadelte den „Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben.“

Auch auf der diesjährigen Echo-Verleihung gaben Prominente reihenweise ihre Preise zurück, nachdem zuvor ein Rapper-Duo trotz ihrer antisemtischen Texte ausgezeichnet worden war. Und selbst Karlshulds Bürgermeister Karl Seitle gab vergangenes Jahr seine kommunale Verdienstmedaille in Bronze zurück, nachdem die bayerische Regierung selbst finanziell gut aufgestellten Kommunen wie Karlshuld in Aussicht gestellt hatte, dass sie beim Straßenausbau künftig ohne Ausnahme ihre Bürger zur Kasse bitten müssen.

In diese Liste reiht sich nun auch Ulrich Mayer. Er will weder als Grüner Engel bezeichnet werden noch eine namensgleiche Urkunde haben. Sein Argument: Er könne nicht die Umweltpolitik einer Regierung kritisieren und gleichzeitig freudestrahlend eine ihrer Auszeichnungen entgegennehmen. Das ist nachvollziehbar und nur konsequent. Mayer engagiert sich seit über drei Jahrzehnten für den Umweltschutz, sein Denken geht deshalb weit über Plastikfolien und saisonales Gemüse hinaus. Sein umweltfreundliches Verhalten hört nicht dort auf, wo die private Komfortzone beginnt. Stattdessen hat er das Große Ganze im Blick und damit auch jene Bereiche, bei denen nur die Regierung etwas bewirken kann. Und da ist seiner Meinung nach so manches im Argen.

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Es wäre aber auch nicht heuchlerisch gewesen, nichtsdestotrotz die Auszeichnung anzunehmen. Mit dem Grünen Engel wertschätzt der Umweltminister schließlich das langjährige Engagement von Menschen wie Ulrich Mayer – und nicht deren Übereinstimmung mit dem Regierungsprogramm. Es trotzdem nicht zu tun, zeigt, mit welchem unumstößlichen Ethos der Neuburger zu seinem Ehrenamt steht.

Lesen Sie dazu den Artikel „Neuburger Umweltschützer lehnt Umweltpreis ab“.

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