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Konzert

13.05.2015

Ungewöhnlich und sehr bezaubernd

Das Collegium Sanctae Ursulae mit seinem musikalischen Leiter Klaus Hopp-Wiel am Dirigentenpult.
Bild: Julia Abspacher

Das Collegium Sanctae Ursulae widmete sich ganz besonderen Werken

Ungewöhnlich war er und bezaubernd zugleich – dieser literarisch-musikalische Abend in der Neuburger Studienkirche. Das Collegium Sanctae Ursulae (CStU) unter der Leitung von Klaus Hopp-Weil widmete das literarische Frühjahrskonzert Eleonore Magdalena Theresia von Pfalz-Neuburg, spätere Kaiserin und Gattin von Leopold I. von Habsburg. Ihr Geburtstag jährt sich 2015 zum 360. Mal. Die Kaiserin aus dem Hause Pfalz-Neuburg wird als sehr bescheiden beschrieben und hätte ein Konzert zu ihren Ehren vielleicht als überflüssig betrachtet. Gefallen hätte es ihr aber ganz sicher!

Für das Programm hatte Klaus Hopp-Weil Kompositionen aus dem Barock und der Frühromantik ausgewählt, die zum Teil sehr selten gespielt und zu Unrecht fast vergessen sind. Was man aus diesen Werken machen kann, zeigten Chor, Orchester, Solisten und der – begeisterte wie begeisternde – Dirigent den zahlreichen Zuhörern

Zum Beispiel beim Te Deum von Robert Führer (1807-1861): Frauen- wie Männerstimmen waren von Anfang an sehr präsent, es wurde sauber und musikalisch durchdacht intoniert, die beiden Solisten (Anne Lindner-Mikus, Sopran, und Christoph Wackerbauer, Bariton) gestalteten ihre Partien überzeugend. Auch die beiden Motetten Laudate Dominum und Veni Creatot spiritus von Giovanni Battista Casali boten Chor wie Orchester beste Gelegenheiten, ihren musikalischen Gestaltungswillen zu beweisen.

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Bei „Air“ von Georg Friedrich Händel kamen die Bläser auf noble Weise zu Wort. Krankheitsbedingt musste die Oboe durch die Violine ersetzt werden, was den Charakter des Stücks veränderte, nicht aber die Qualität.

Vorzüglich aufgelegt zeigten sich die beiden Soloflöten Sigrid Martin und Irmgard Hopp-Weil beim Concerto in B-Dur von Georg Philipp Telemann. Im Wettstreit mit Streichern und Basso Continuo entstand die barocke Klangwelt. Vielleicht hätte der letzte Satz ein wenig mehr Tempo vertragen, technisch wäre das sicherlich machbar gewesen.

Auch in romantischen Klangwelten fühlte sich das CStU hörbar wohl, wie das Schlussstück – „Te Deum“ für Chor, Solstimmen und Orchester von Franz Bühler – zeigte. Zum Gelingen des Konzerts trug Andreas Strahl maßgeblich bei, der sowohl an der Orgel, als auch am Cembalo seine Qualitäten bewies. Die Studienkirchenorgel ließ der Solist in allen Klangfarben und vielen Registrierungen zur Geltung kommen. Die Auswahl der Orgelstücke setzte zudem ein paar moderne Akzente und spannte den Bogen über mehrere Jahrhunderte der Musikgeschichte, etwa mit der Francaise aus einer Orgelsuite von Jean Langlais (1907-1991). eine uns heutzutage manchmal fremd scheinende literarische Welt führten die Hexameter des Jesuitendichters Jacob Balde, der zur Geburt von Eleonore Magdalena Theresia sein lateinisches „Eleonore carmen geniale“ verfasst hatte. Zum ersten Mal in Gänze übersetzt hat dieses Werk Studiendirektor a. D. Rudolf Arneth, der als Ehrengast anwesend war. Arneths Übersetzung wurde hervorragend gelesen von Julia Kühnau und David Wilhelm.

Die vielen Bezüge zur antiken Mythologie und zur Dynastischen Vorstellungswelt des 17. Jahrhunderts erschließen sich nicht auf Anhieb. Ein Schmunzeln ging über so manches Gesicht, als vom „lutherischen Gift“ die Rede war und – ausgerechnet zum Muttertag – die folgende Zeile vorgetragen wurde: „Die Mutter muss gehorchen“.

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