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Gericht

15.01.2015

Unterlassene Begrüßung führt zu sinnloser Gewalt

Vor dem Neuburger Amtsgericht sahen sich zwei 23-Jährige wieder, die sich im Juni eine Schlägerei geleistet haben. Ihre verschiedenen Religionen spielten dabei eine Rolle.
Bild: Symbolbild, Wolfgang Widemann

Betrunkene geraten im Juni vor einer Neuburger Gaststätte aneinander. Ein Muslim schlägt einem Jesiden mit einer Flasche über den Kopf. Die Religion spielte offenbar eine Rolle.

An einem Freitagabend im Juni fließt Blut vor einer Neuburger Kneipe. Kurz vor Sonnenaufgang, gegen 5 Uhr, schlägt ein 23-Jähriger sein Opfer mit einer Bierflasche nieder. Der ebenfalls 23-Jährige erleidet eine große Platzwunde am Kopf. Doch nach der Aussage des Opfers war damit die Angelegenheit noch nicht beendet. „Ich musste zwei Tage im Krankenhaus verbringen. Als ich wieder herauskam, hat er mich besucht. Und zu mir gesagt: ‘Wenn du etwas erzählst, bekommst du wieder Schläge’.“

Das Opfer ist Jeside, der Angeklagte Moslem

Vor dem Amtsgericht Neuburg wurde der Fall gestern verhandelt. Es zeigte sich, dass Täter und Opfer unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören – und dass dies eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Das Opfer ist Jeside, der Angreifer Moslem. Der Angeklagte selbst erzählte die Geschichte so: Er habe an besagtem Abend viel getrunken, dann sei es vor der Kneipe aus heiterem Himmel zum Streit gekommen. Sein Kontrahent habe ihn am Hals gepackt, er ihn weggestoßen. Seine Flasche hätte er zuvor auf den Boden gestellt.

Richterin Susanne Bekk las dem Mann dann die Aussage vor, die er am Tag nach der Tat bei der Polizei gemacht hatte. Dort stand, dass er sich an einen Angriff nicht erinnern konnte. Auf Nachfrage Bekks, warum er damals nichts ausgesagt hatte und vor Gericht den Vorfall klar schildern konnte, entgegnete der Mann: „Ich war sehr betrunken. Auch am Tag danach konnte ich die Situation nicht erklären.“

Unterlassene Begrüßung hat Angeklagten offenbar verärgert

Bedeutend dramatischer waren die Schilderungen des Opfers. Es sei in der Tatnacht mit einem Freund in das Lokal gekommen, wo der Angeklagte an einem Tisch saß. Die beiden steuerten aber nicht auf diesen zu, sondern begrüßten zuerst einen anderen Gast. Daraufhin sei der 23-Jährige aggressiv auf sie zugekommen und habe gefragt, warum sie ihn nicht zuerst begrüßt hätten. Es folgte ein Wortwechsel, dann habe der Mann gefordert, dass alle draußen eine Zigarette rauchen sollten. Dort habe er erst auf das Volk der Jesiden geschimpft, dann ohne Vorwarnung eine Bierflasche auf dem Kopf des Opfers zerschmettert. „Ich bin dann zusammengebrochen“, erzählte der Geschädigte.

Gestenreich und von einem Dolmetscher übersetzt, klagte der Angegriffene über seinen Peiniger. Er werde von diesem oft belästigt und angepöbelt. „So kann es nicht weitergehen“, sagte er. Der Freund des Opfers, der an dem Abend mit diesem unterwegs war, bestätigte die Aussagen. Auch er sei von dem Mann danach bedroht worden. Die Anklagen wegen Nötigung wurden dennoch eingestellt, da sie nach Ansicht von Richterin Bekk und Staatsanwältin Daniela Schneider nicht ins Gewicht fielen. Außerdem gab es dafür keine Beweise.

Angeklagter erhält sieben Monate auf Bewährung

Das Gericht glaubte der Version der beiden Zeugen. Der 23-jährige Angeklagte wurde von Bekk zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Unter anderem fiel gravierend ins Gewicht, dass er einschlägig vorbestraft war. Bereits im Juni war er wegen mehrfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Bekk hatte sich das Urteil sehr genau überlegt. Doch erstens sei sehr merkwürdig, dass die Angaben des 23-Jährigen gegenüber der Polizei gar nicht mit den nun vor Gericht gemachten Aussagen deckten. Außerdem passten die Wunden, die sich das Opfer zugezogen hatte, nicht zu einem „Wegstoßen“ nach Version des Angeklagten. „Sie hatten Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, so Bekk.

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