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Neuburg

24.02.2018

Unterwegs im Dienst des Lächelns

Robert Hochstädter ist passionierter Fußgänger – im Mai will er bis nach Hamburg laufen und die Reise mit einem guten Zweck verbinden.
Bild: Kerstin Egerer

Im Mai wird Robert Hochstädter bis in die Hansestadt laufen. Dabei will er seine eigenen Grenzen entdecken, aber auch auf einen Verein für Krebskranke aufmerksam machen.

130 Stunden, sagt ein Kartendienst im Internet, wird Robert Hochstädter brauchen, um vom Neuburger Schrannenplatz bis zur Elbphilharmonie zu laufen. Schritt für Schritt will er in vier Wochen knapp 900 Kilometer zurücklegen – für sich selbst, und für einen guten Zweck.

Hochstädter, der in Neuburg als Sozialbetreuer arbeitet und nebenbei fotografiert, ist im Internet auf den Münchner Verein „Nana – Recover your smile“ aufmerksam geworden. Nun will er seine Pilgerreise nach Hamburg nutzen, um für den Verein zu werben. In jedem Dorf, in jeder Stadt, die er durchquert, wird er auf den Verein aufmerksam machen, der Menschen während einer Chemotherapie durch ein professionelles Foto-Shooting ein paar sorglose Augenblicke schenkt. Warum? So ganz genau kann er es selbst nicht sagen. Weder ist er selbst an Krebs erkrankt, noch hat er schon für den Verein gearbeitet. Doch als er auf der Suche nach einem gemeinnützigen Projekt war, mit dem er seine Wanderung verbinden kann, war der Fotograf schnell von der Mission des Vereins überzeugt.

Hochstädter will, dass mehr Menschen auf den Verein aufmerksam werden

Barbara Stäcker, Gründungsmitglied des Vereins, findet Hochstädters Idee klasse. „Er hat mich angeschrieben“, erzählt sie. Vor allem freut es Stäcker, dass sich ein Mann für den Verein engagiert. Denn überwiegend wird das Angebot von Frauen genutzt. In der Zeit der Chemotherapie, erzählt sie, wenn den Patienten die Haare ausfallen und sich das komplette Aussehen verändere, soll das Shooting mit professionellen Visagisten und Fotografen neues Selbstbewusstsein schenken. Damit mehr Menschen auf den Verein aufmerksam werden, hat sie Hochstädter sofort einen dicken Packen Flyer und Buttons zugeschickt, die der Wanderer unterwegs verteilen wird.

„Ich muss täglich 30 bis 35 Kilometer schaffen“, sagt der 37-Jährige über sein Vorhaben. Er rechnet damit, dass er täglich fünf bis sechs Stunden laufen wird. Etwa zwölf Kilogramm wird sein Rucksack wiegen. Inklusive Gewicht der Flyer, obendrauf kommt noch seine Foto-Ausrüstung. Neben Navigationsgerät und Karten, einem Zelt und einem Schlafsack hat er noch ein paar Kleidungsstücke zum Wechseln und ein Tablet dabei. Denn abends will er Bekannte und Unterstützer an seiner Reise teilhaben lassen und auf seinen Social-Media-Accounts Bilder der Streckenabschnitte teilen. Hochstädter erzählt sachlich und unaufgeregt von seinem Vorhaben, er wirkt wie jemand, der beim Gehen stundenlang seinen Gedanken nachhängen kann. Immerhin hatte er auch schon einige Monate Zeit, um das Vorhaben zu planen: Denn den Wunsch, so eine weite Strecke zu Fuß zurückzulegen, hat Hochstädter schon lange. Ein Kollege, der sich im Vorjahr von der Arbeit freistellen ließ, hat dann auch für den Sozialbetreuer den Stein ins Rollen gebracht: Im Dezember hat er den Antrag auf unbezahlten Urlaub eingereicht, Anfang Januar ging seine Facebook-Seite online, auf der er um Unterstützung wirbt. Und dann dringt die Euphorie doch noch durch seine harte Schale: „In drei Monaten geht es los“, sagt er und lächelt. „Darauf fiebere ich hin.“

„Ich laufe täglich zwischen 20 und 30 Kilometer“

Er scheint kaum Respekt vor der Strecke zu haben, viel mehr freut er sich auf die Auszeit, die vor ihm liegt. „Aber ihm Harz wird es wegen der Höhenmeter anstrengend“, gibt er zu. Ansonsten fühlt er sich gut gerüstet: „Ich laufe täglich zwischen 20 und 30 Kilometer.“ Und das hat gar nichts mit seiner Pilgerreise zu tun. Statt sich hinter das Steuer zu setzen oder in den Zug zu steigen, schnürt er lieber seine Schuhe. Und nach Feierabend geht er noch mit seinem Hund spazieren. „Einmal bin ich zehn Stunden am Stück nach Erding gelaufen“, erzählt er ganz beiläufig. Eine Blase und eine abgelöste Schuhsohle waren das Ergebnis. Bei Freunden und Familie stieß sein Vorhaben auf Begeisterung. Einige wollten sich spontan anschließen, aber „ich laufe alleine, damit ich mein Tempo halten kann“, sagt Hochstädter. Die Unterstützung ist trotzdem vielseitig: Die einen hätten ihm den Jugendherbergsausweis, die anderen einen Rucksack spendiert, aber auch über finanzielle Unterstützung freut er sich. „Ich rechne damit, dass ich 1500 Euro für alles brauche.“ Das einzige Problem: Als Privatperson kann er keine Spendenquittungen ausstellen. Doch sollte ein Überschuss zusammenkommen, wird er ihn direkt an den Verein weitergeben – ihm geht es nur darum, mit möglichst wenig Verlust bis nach Hamburg zu kommen. Sein Weg wird ihn hauptsächlich über Radwege führen, geplante Zwischenstopps sind Eichstätt, Nürnberg, Bamberg, Wolfsburg und letztendlich Hamburg. Mit vier Wochen von Mitte Mai bis Mitte Juni erwischt er die optimale Jahreszeit, hofft er. Das Wetter sollte stabil sein – nicht zu heiß, nicht zu kalt, Blitz und Donner noch nicht so häufig wie später im Sommer. Denn, „bei Regen laufe ich weiter, bei Gewitter mach ich eine Pause“. Die Pausen aber, die hält er gewöhnlich bei einem Minimum: „Ich laufe lieber durch und habe dann den Rest des Tages frei“, sagt Hochstädter. Dann hat er auch genug Zeit, an den einzelnen Etappen die Flyer auszulegen oder mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

Wen wird er vermissen? Wo liegen seine eigenen Grenzen? Hochstädter hofft, auf seiner Pilgerreise den Kopf frei zu bekommen. Wenn er die Zeit nutzen kann, um zusätzlich indirekt anderen Menschen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern – umso besser.

Wer sich für Robert Hochstädters Reise interessiert, kann über Facebook (Von Süd nach Nord für ein Lachen für recoveryoursmile) oder Instagram (roberthochstaedter) auf dem Laufenden bleiben. Wer ihn unterstützen möchte, erreicht ihn unter Telefon: 0157/80587211.

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