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Im Gespräch

21.10.2017

Unvergessliche Momente

Höchst virtuos und vielseitig: Sebastian Manz, hier bei der öffentlichen Generalprobe im Theaterfestsaal, zählt zu den herausragenden Klarinettisten unserer Zeit.
Bild: Johannes Seifert

Klarinettist Sebastian Manz im großartigen Zusammenspiel mit dem Georgischen Kammerorchester. Er erzählt, was ihn freut. Ab Sommer 2018 wartet etwas Besonderes auf ihn

Es ist erstaunlich, welch wirklich großartige und weltweit gefragte Musiker immer wieder mit dem Georgischen Kammerorchester auftreten.

Im Rahmen des jüngsten Abo- Konzertes unter dem Motto „Was ist unvergesslich?“ war mit Sebastian Manz wohl einer der faszinierendsten Klarinetten-Virtuosen zu Gast, der in wenigen Tagen seinen dritten „Echo-Klassik-Preis“, diesmal in der Elbphilharmonie in Hamburg, entgegennehmen darf.

Im Gespräch mit der Neuburger Rundschau – im Rahmen der öffentlichen und gut besuchten Generalprobe – machte der junge Ausnahmekünstler deutlich, wie sehr er sich über die Zusammenarbeit mit Chefdirigent Ruben Gazarian, dem Georgischen Kammerorchester und dem ebenso eigens für dieses Konzert verpflichteten „casalQuartett“ freue. Klassische Musik, so der in Hannover geborene Künstler, müsse heute mehr denn je „frei und unmittelbar“ intoniert werden, nur so führe diese auch zu dem gewünschten Publikumserfolg.

Im Rahmen der Intonation des Konzertes für Klarinette von Karl Amadeus Hartmann, offenbarte Sebastian Manz wie ungemein agil und richtungsweisend er dieses mit Klezmer-Elementen versehene Werk intonieren kann. Der zeithistorische Kontext schwingt in dieser Notation in bemerkenswerter Manier mit. Von den Nazis als „entarteter Modernist“ verfolgt, ging der Münchner Komponist ins „innere Exil“. Das Komponieren blieb für ihn indes ein „klingendes Bekenntnis zur freien künstlerischen Äußerung. Nach Kriegsende begründete er die bis heute lebendige Konzertreihe Musica viva, um die im Dritten Reich verdrängte, „musikalische Moderne“ der Dunkelheit zu entreißen. Hartmann starb am 5. Dezember 1963. Oktavenläufe, rasende Skalierungen, fetzige Glissandi... all das entlockt Sebastian Manz seiner von Herbert Wurlitzer so wundervoll erbauten Klarinette. Zu seinem virtuosen Potential kommt freilich noch eine große poetische Tiefe hinzu - bestens verstärkt durch die sonoren und stets präsenten Streichinstrumente des Georgischen Kammerorchesters und des casalQuartetts. Kantabler, farbiger, freier und einfühlsamer kann man Hartmann wohl auch kaum intonieren. Schattierungen, Klangfarben, Ausdrucksnuancen und eine bis ins Detail austarierte Dynamik eines ungemein warmen Klarinettentones machen selbst die Generalprobe bereits zu einem perfekten, ja unvergesslich schönem Erlebnis.

Neben seiner Konzerttätigkeit engagiert sich Sebastian Manz zudem auch in der richtungsweisend wirkenden Organisation „Rhapsody in School“. Seine mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Diskografie zeigt eindrucksvoll dessen Gespür für besondere Inhalte und Gesamtkonzepte.

Ab Sommer 2018 wird Sebastian Manz (er wurde dabei aus über 500 professionellen Musikern ausgewählt) für drei Jahre Mitglied im „CMS Two“-Programm der „Chamber Music Society of Lincoln Center“ in New York.

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