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Neuburg

11.08.2019

VR Bank begräbt Hotelpläne am Schrannenplatz

Die VR Bank Neuburg-Rain hat das Gewerbeprojekt am Schrannenplatz in Neuburg abgeblasen. In zentraler Lage sollten ein Hotel und Ladenflächen neu errichtet werden. Was jetzt mit den leer stehenden Gebäuden passiert, ist offen.
Bild: Manfred Rinke

Plus Projektplaner rät Genossenschaftsbank von einem Neubau in der Neuburger Innenstadt ab. Auch neue Ladengeschäfte sind damit passé. Was jetzt passiert, ist offen.

Das Hotelprojekt am Neuburger Schrannenplatz ist gestorben. Auf einer Pressekonferenz informierten die beiden Vorstände Werner Halbig und Roland Gieß sowie Aufsichtsrat Ludwig Schlosser über das Aus des ambitionierten Projektes in der Unteren Altstadt. Auf Empfehlung des Projektentwicklers Jürgen Schrödl habe man angesichts des konjunkturellen Abschwungs jetzt Abstand von der Planung genommen, erklärte Werner Halbig.

Vom Tisch ist damit auch die zweite Nutzung des Objektes für Ladenflächen. Als Projektentwickler habe er der Bank empfohlen, das Vorhaben unter den veränderten Vorzeichen nicht mehr weiter zu verfolgen, sagte Jürgen Schrödl. Die von der Stadtverwaltung gesetzten Vorgaben und Auflagen machten einen attraktiven Neubau an diesem Standort derzeit unmöglich, ergänzte Werner Halbig. Auch die Zusammenarbeit mit der renommierten Stoffel-Gruppe als Investor hat das Geldhaus beendet. „Wir blicken jetzt nach vorne, um eine Lösung für die Zukunft zu finden. Dazu bedarf es aber einiger Zeit“, sagte Roland Gieß. Wie genau eine alternative Nutzung des Gebäudes in zentraler Innenstadtlage aussehen könnte, darüber war am Freitag nichts zu erfahren.

Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling bedauerte gegenüber der Neuburger Rundschau den Schritt der VR Bank: „Ich bin auf der einen Seite ein wenig traurig, denn so ein Hotelprojekt und großflächiger Einzelhandel hätten der Innenstadt sehr, sehr gutgetan. Mir war aber klar, dass es große Widerstände gab und es angesichts der eingetrübten wirtschaftlichen Lage nicht einfach gewesen wäre, Mieter zu finden.“ Aktuell werde es immer schwieriger, ambitionierte Projekte umzusetzen. „Es ist nun mal so, dass der Zeitgeist nur noch will, was grün ist. Wir Deutsche sägen gerade den Industriezweig ab, auf dem wir sitzen“, übte der OB Gesellschaftskritik.

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VR Bank hätte Innenstadtentwicklung mit Hotelplänen voran bringen wollen 

Die VR Bank hätte mit dem Bauprojekt die innerstädtische Entwicklung positiv beeinflussen wollen, legten die Vorstände dar. So sei vor drei Jahren die Idee des Neubaus eines Gewerbeobjektes geboren und ein potenter Investor ins Boot geholt worden. Die Intention der Stadt, die Besucherfrequenz in der Unteren Altstadt zu erhöhen und zusätzliche Gästebetten zu schaffen, mündete in der ambitionierten Planung eines Komplexes mit Hotel, zweigeschossigem Einzelhandel und Sky-Tower mit Restaurant. Stadtbauverwaltung und OB Gmehling hatten jedoch abgewunken und das Projekt als zu überdimensioniert abgelehnt. So ging die Bank mit einer abgespeckten Variante und nur noch einer Einzelhandelsetage ins Rennen. Dieser Schritt hatte den Rückzug namhafter Interessenten zur Folge. Trotz verringerter Wirtschaftlichkeit hielt das Geldhaus an den Plänen fest. Erst weitere Hindernisse und Unwägbarkeiten hätten das Projekt scheitern lassen. Werner Halbig zählt dabei unter anderem den Denkmalschutz auf, der eine Störung der Blickachsen auf Schloss und Spitalkirche moniert hatte. All diese Faktoren hätten das Vorhaben am Ende so sehr verzögert, dass die Risiken, etwa kürzere Mietlaufzeiten, nicht mehr kalkulierbar gewesen seien, so Projektentwickler Schrödl.

Die Realisierung der Hotelpläne scheiterte an mehreren Faktoren

Ein weiterer Stolperstein sei die Stellplatzsatzung der Stadt Neuburg gewesen, ergänzt Werner Halbig. In diesem Punkt stimmt ihm Bernhard Gmehling zu. Die sei zu rigide, „das wird im Stadtrat zu streng gesehen. Im Innenstadtbereich braucht nicht jedes neue Geschäft zehn Stellplätze. Der Müller-Markt zum Beispiel als das am stärksten frequentierte Geschäft hat keinen einzigen. Und wir tun ja was, wir erweitern die Schlösslwiese und bauen das Parkhaus am Parkbad.“ Während die potenziellen Mieter mit den in der Tiefgarage realisierbaren Stellplätzen gut zurechtgekommen wären, habe der Stadtrat mehrheitlich auf der Einhaltung der städtischen Stellplatzordnung bestanden, argumentiert Vorstand Halbig. Deshalb war die Stadt der Bank entgegengekommen und bot zusätzlich 60 kommunale Tiefgaragenstellplätze in der Adlerstraße zum Kauf an. Ursprünglich hatte der Kaufpreis über einen gemeinsam eingesetzten Gutachter festgelegt werden sollen, was aber nicht geschehen war. Die Stadt legte dies im Alleingang fest. Dazu der Vorstand: „Wir, also die Bank und der Projektentwickler, sehen dieses Wertgutachten kritisch. Viele Eckdaten sind diskussionswürdig, insbesondere die Höhe des angesetzten Sanierungsbedarfs.“

Noch ein Hindernis, das einen Impuls für die Stadtentwicklung letztlich abwürgte, sei die Forderung des Stadtrates gewesen, nur nicht ansässige Einzelhändler als Mieter für die Gewerbeflächen zu akquirieren. Der OB akzeptierte deshalb den Schritt der VR Bank, „denn am Ende ist es eine Entscheidung des Investors“. Die Stadt könne lediglich die Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen, „die Wirtschaftlichkeit obliegt uns nicht“.

Die Information am Freitag hatte die VR Bank Neuburg-Rain mit einer Sperrfrist bis Montag versehen. Die Genossenschaftsbank wollte zunächst Mitarbeiter und Mitglieder aus erster Hand über die Entscheidung informieren, bevor sie allgemein öffentlich wird.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Norbert Eibel: Stadtentwicklung in Neuburg braucht Mut

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