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Fall Franziska

26.02.2015

Vergewaltigt, gewürgt, erschlagen: Das Geständnis von Stefan B.

Stefan B. betritt den Gerichtssaal.
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Stefan B. betritt den Gerichtssaal.
Bild: Barbara Würmseher

Der Angeklagte Stefan B. gibt zu, Franziska getötet zu haben. Seine Verteidiger lesen eine entsprechende Erklärung vor. Worum es am Mittwoch im Landgericht sonst noch ging.

Keine Minute zu früh kommt Stefan B. in den großen Sitzungssaal des Ingolstädter Landgerichts. Die siebenköpfige Kammer hat schon am Richtertisch Platz genommen. Auch Verteidigung, Staatsanwalt und Nebenklage haben längst ihre Plätze bezogen. Da erst wird der Angeklagte hereingeführt – die schwarze Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sodass nur sein struppiger Kinnbart herausschaut. Es ist der zweite Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 28-Jährigen.

Und auch diesmal benimmt sich die Hauptperson lediglich wie ein Statist. Denn Stefan B., der als mutmaßlicher Mörder und Vergewaltiger auf der Anklagebank sitzt, hüllt sich in Schweigen, wendet den Blick starr zum Vorsitzenden, ändert seine unbewegliche, zusammengesunkene Haltung nur dann, wenn er seinen Verteidigern eine Bemerkung zuwirft oder sich Notizen auf einen Zettel macht. Von dieser Haltung – so ist zu erwarten – wird er wohl auch in den verbleibenden 13 Prozesstagen bis Ende Mai nicht abrücken.

Stefan B. gesteht die Misshandlung von Franziska

Und doch ist gestern etwas anders. Denn Stefan B. lässt über seine Anwälte eine Erklärung verlesen, in der er gesteht, Franziska entführt, vergewaltigt, gewürgt und erschlagen zu haben. Es ist eine Erklärung, die manches Detail mehr preisgibt, als bisher bekannt ist, und sich dennoch wohl über viele weitere grausame Einzelheiten ausschweigt.

So ist Stefan B. an jenem folgenschweren 15. Februar 2014 – einem Samstag – ziellos in der Gegend herumgefahren. Am Skaterplatz in Nassenfels hat er geparkt und die Kinder beim Spielen beobachtet – unter ihnen auch Franziska mit Freundinnen. Nach ein paar Minuten hatte er genug, fuhr wieder weg und kehrte dann doch zurück. Er folgte Franziska, die gegen 17.30 Uhr nach Hause, nach Möckenlohe, losradelte. Erst hatte sie Begleitung von einer Freundin, doch dann schlug diese eine andere Richtung ein.

Stefan B. – so liest seine Verteidigerin aus der Erklärung vor – fuhr auf einem Umweg zum Radweg, um Franziska die Durchfahrt abzuschneiden. Als sie über eine Anhöhe kam, packte er ihr Rad am Lenker und forderte das Kind auf, sich auf den Beifahrersitz seines Wagens zu setzen. Ob er Gewalt angewandt hat? Ob er Franziska gezwungen hat? Die Verteidigung sagt dazu nichts. Es klingt vielmehr so, als ob sich das Mädchen freiwillig in die Gewalt seines Peinigers begeben habe. Die Fahrt ging planlos Richtung Neuburg. Auf Franziskas Frage nach dem „Wohin“ wusste Stefan B. der Darstellung seiner Anwältin nach keine Antwort.

Fall Franziska: Der Rathei-Weiher wurde zum Tatort

Nahe Zell hielt er schließlich auf einem Feldweg an, verging sich an dem Mädchen und beschloss, es zum Schweigen zu bringen. Der nur wenige Meter entfernte Rathei-Weiher wurde zum Tatort. Der Versuch, das Kind mit dem Gürtel zu erdrosseln, scheiterte. Da legte Stefan B. sein Opfer auf einen verkohlten Holzscheit einer Feuerstelle, nahm einen weiteren Scheit und erschlug das Kind. Zweimal habe er auf dessen Kopf gehauen – so lautet die Erklärung – ehe er es in den Badesee warf.

Viele Fragen zu Franziskas Martyrium bleiben am Mittwoch offen. Mit ihnen wird sich das Gericht ab dem vierten Verhandlungstag näher befassen. Zunächst stehen andere Anklagepunkte im Vordergrund. Immerhin soll Stefan B. weitere Mädchen missbraucht und eine 23-jährige Freundin vergewaltigt haben.

Eine heute 14-Jährige soll er laut Staatsanwaltschaft am 5. oder 6. Februar 2014 an einen See bei Kochheim gefahren und sich dort an ihr vergangen haben. Um sich ihr Schweigen zu sichern, soll er sie bedroht haben. Doch was ist dran an diesen Vorwürfen? Als das Mädchen seine Version gestern wiedergibt, wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Über Inhalt und Qualität ihrer Zeugenaussage gibt es auch später keine Stellungnahme des Gerichts. Verteidiger Adam Ahmed allerdings findet: „Die Zeugin hat sich ins Abseits manövriert.“

23-Jährige hat Stefan B. wegen Vergewaltigung angezeigt

Denselben Eindruck hat er von der 23-Jährigen, die Stefan B. wegen Vergewaltigung angezeigt hat. In ihrer Zeugenaussage gibt es Widersprüche und Ungereimtheiten. Die Frau beschreibt eine merkwürdige Art von Beziehung, in die Stefan B. echte Verliebtheit und den Wunsch nach Sex mitgebracht habe. Das Motiv der 23-Jährigen allerdings sei es gewesen – so sagt sie selbst – Geld von ihm für körperliche Dienstleistungen zu bekommen.

Der Vorwurf der Vergewaltigung basiert auf einem Vorfall irgendwann im Sommer 2013. Die Staatsanwaltschaft wirft Stefan B. vor, die Frau in seinem Zimmer im Obdachlosenheim zum Sex gezwungen zu haben. Sie selbst schildert, er habe die Türe zugesperrt, ihr „die Sachen vom Leib gerissen“ und sie dann nackt auf eine Matratze geworfen. Ihre Versuche, ihn wegzudrücken seien an seiner körperlichen Überlegenheit gescheitert. Erst als ein Kumpel gekommen sei, habe Stefan B. von ihr abgelassen.

Jener Bekannte erinnert sich freilich an eine ganz andere Szenerie. Die beiden haben auf ihn den Eindruck eines verliebt turtelnden Paares gemacht. Dazu passt auch der weitere Kontakt der beiden. Noch am Abend des 16. Februars hat Stefan B. an die 23-Jährige gemailt: „Ich will ein Kind von dir.“ – Zu diesem Zeitpunkt war Franziska seit rund 24 Stunden tot.

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