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Figurentheatertage I

24.11.2018

Viel Applaus für einen echten Rebellen

Beiden droht das gleiche Ende: der widerliche Wenzel von Tronka und der Geschäftsmann Michael Kohlhaas, bevor das Schicksal seinen Lauf nimmt.
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Beiden droht das gleiche Ende: der widerliche Wenzel von Tronka und der Geschäftsmann Michael Kohlhaas, bevor das Schicksal seinen Lauf nimmt.

Puppenspieler Sebastian Kautz lässt Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ zum Leben erwecken. Wie die aufwendig gestalteten Figuren die Zuschauer begeistern

Die zweiten Neuburger Figurentheatertage begannen mit einem Theaterklassiker. Die Bühne „Cipolla“ startete das Festival mit Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist. Kohlhaas wird zum Rebellen, der verzweifelt versucht, Gerechtigkeit zu finden – doch er verliert alles: Geld, Familie, Ansehen und schließlich das Leben. Viele sind an der 1810 erschienenen Geschichte beteiligt: Familie, Knecht, Obrigkeit, Landesfürsten und Kirche in der Person von Martin Luther höchstpersönlich.

Wie kann eine solche Geschichte von nur einem Schauspieler realisiert werden? Es geht – mit Puppen, Masken, Figuren und einem Schleier aus Plastikfolie, aus der nach und nach die Akteure enthüllt werden. Zunächst ist da nur der Kohlhaas, ein markanter Kopf mit harten Zügen. Glühende Augen ziehen die Zuschauer in die Geschichte, sodass sie den Akteur dahinter, den Schauspieler Sebastian Kautz, kaum noch wahrnehmen. Er spielt mit seiner wandelbaren Stimme nicht nur unzählige Rollen, er ist der Puppenspieler, der am Ende das Tribunal wie eine Klaviatur bedient.

Am Rande des Bildes agiert Gero John. Ganz sacht erzeugt er die akustische Untermalung des Stücks, mit dem Piano, mit seiner Stimme oder – wenn mehr Dramatik erforderlich ist – mit dem Cello. Nur wenige Male wird er zum Assistenten, dann, wenn Kautz’ Arme nicht mehr ausreichen, um das Bühnenbild zu verändern oder eine Maske hochzuhalten. Als der Kohlhaas beschließt, den Kampf gegen die Obrigkeit aufzunehmen, redet er mit seiner Frau, der Puppenmacherin Melanie Kuhl ein streng-vornehmes Äußeres gegeben hat. Ihr tragisches Ende beschließt sie in einer Tonne, die auch schon das Grab für den treuen Knecht Herse war, der sich für den Herrn geopfert hat. Herse ist Spielball zwischen den Parteien, und wie ein Ball ist er auch dargestellt. Der Junker Wenzel von Tronka, Kohlhaas’ hinterhältiger Widersacher, ist ein körperloser Kopf, den giftig-grüne Tropfen voller Widerlichkeit umgeben. Während Kohlhaas mit seiner Wut an immer neue Widerstände stößt, bekämpfen sich die Herrscherhäuser im Hintergrund, die Herkunft eines ominösen Zettels einer Zigeunerin spielt dabei in einer eingeschobenen Geschichte eine wichtige Rolle.

Viele Zuschauer nahmen nach dem langen Applaus die Einladung von Sebastian Kautz an, die Puppen am Bühnenrand genauer anzuschauen. Fragen nach der raffinierten Leichtbauweise und der Ausstattung beantwortete der Schauspieler ausgiebig. Auch sei man „zu 95 Prozent“ an Kleists Vorlage geblieben. Nur eine Person im Tribunal habe man mit einer Frau besetzt, als „Zugeständnis an die Quote“.

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