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ERC Ingolstadt

10.02.2020

Ville Koistinen: „Ich werde meinen Spielstil nicht ändern“

Spricht erstmals nach seinem überraschenden Abgang vom ERC Ingolstadt vor rund vier Wochen: Ex-Verteidiger Ville Koistinen, der mittlerweile für Sparta Prag aufläuft.
Bild: Johannes Traub

Plus Der ehemalige Panther-Verteidiger Ville Koistinen spricht erstmals über seinen Abgang aus Ingolstadt, gute Erinnerungen – aber auch bittere Enttäuschungen

Ville Koistinen hat lange darüber nachgedacht, ob er sich äußern möchte. Und wie er sich äußern will. Doch die Leute sollen auch seine Version einer Geschichte hören, die Mitte Januar irgendwie ein komisches Ende fand. Der Vertrag des finnischen Verteidigers beim ERC Ingolstadt wurde plötzlich aufgelöst. Koistinen wechselte einen Tag später zu Sparta Prag. Mit der Neuburger Rundschau spricht der 37-Jährige erstmals über die Gründe seines Abgangs, über fehlende Wertschätzung. Und über einen Cowboy.

Herr Koistinen, es ist jetzt fast vier Wochen her, dass Sie den ERC Ingolstadt verlassen haben. Wie ist dieser Vorgang aus Ihrer Sicht letztlich abgelaufen?

Koistinen: Ich habe nicht das Niveau erreicht, das das Management, die Fans und ich selbst von mir erwartet haben. Dahinter stehe ich. Aber man kann nur seine ganze Leistung abrufen, wenn man sich zu Hause fühlt und das Management und die Coaches hinter einem stehen. Einem Teil des Trainerstabs hat mein Spielstil nicht gefallen. Aber diesen Stil habe ich schon immer gespielt und ich werde ihn auch nicht mehr ändern. Ich bin ein ehrlicher Mensch und stehe hinter dem, was ich sage. Das wurde leider nicht wertgeschätzt. Ich habe mich immer für den ERC reingehauen und auf dem Eis mein Bestes gegeben. Als Verantwortlicher sollte man vielleicht zweimal drüber nachdenken, ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat, um seine Spieler zu motivieren und einen guten Teamgeist zu erreichen. Das Mentale ist im Sport nun mal genauso wichtig wie das Physische, damit man letztlich seine Leistung bringt.

Ville Koistinen: „Ich werde meinen Spielstil nicht ändern“

In einem Gespräch im August erzählten Sie, dass Sie die Gründe für Ihren Leistungsabfall kennen würden, aber in der Öffentlichkeit nicht darüber sprechen wollen. Können Sie das jetzt?

Koistinen: Ja, es gibt ein paar Gründe. Aber darüber will ich öffentlich immer noch nicht sprechen.

Wann hat es sich abgezeichnet, dass Sie und die Panther getrennte Wege gehen könnten?

Koistinen: Das war sechs Tage, bevor ich gegangen bin.

Und wer ist den ersten Schritt gegangen? Sie oder der Verein?

Koistinen: Der Verein. Sie haben mich gefragt, ob ich gehen will. Am Ende war es dann meine Entscheidung.

Wie haben Sie sich von Ihren Kollegen verabschiedet?

Koistinen: Einen Tag, bevor ich Ingolstadt verlassen habe, bin ich in die Halle gekommen und habe es meinen Teamkollegen erzählt. Sie haben zu 100 Prozent verstanden, wieso ich gehe. Ich hatte auch ein faires Gespräch mit Doug Shedden. Wir haben uns die Hand gegeben, so wie Männer das eben machen. Ich bin sehr enttäuscht, dass Larry Mitchell (Sportdirektor, Anm. d. Red.) und Tim Regan (Co-Trainer) nicht den Charakter hatten, dasselbe zu tun. Dass man getrennte Wege geht, passiert in diesem Geschäft gelegentlich. Da sollte man sich trotzdem mit Respekt behandeln und einander in die Augen schauen können – und nicht im Nebenzimmer an den Wänden kratzen, bis die Person endlich geht. Ihr Verhalten hat nichts mit guten Führungsqualitäten zu tun.

Nach Ihrer Vertragsauflösung sagte Ihr Ex-Trainer Shedden unserer Zeitung: „Es gab ein paar Vorfälle auf und abseits des Eises, bei denen Ville ein besserer Teamkamerad hätte sein können. Es gibt gewisse Standards, die jeder einhalten muss.“ Was könnte er damit meinen?

Koistinen: ‚Abseits des Eises’ klingt für mich nach Partymachen. Ich bin aber nur mit Teamkollegen ausgegangen, wenn wir dazu die Möglichkeit hatten – und das war es. Was er mit ‚auf dem Eis’ meint, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass wir alle unsere Persönlichkeiten haben und normale Menschen sind – mit guten und schlechten Tagen, wie jeder andere auch.

Sie waren im Dezember oft nur überzählig auf der Tribüne. Hat Ihnen der Trainer erklärt, wieso? Und war das auch ein Grund Ihres Abgangs?

Koistinen: Ja, das hat er. Wir haben uns anständig darüber unterhalten. Ich habe mich verletzt, ein Spiel ausgesetzt und das Team hat fünf Partien in Folge gewonnen. Viele Trainer haben ein ungeschriebenes Gesetz: ‚Never change a winning team!’ Das ist fair und überhaupt kein Problem.

Welche Erinnerungen bleiben von Ingolstadt?

Koistinen: Das erste, was mir in den Kopf schießt, sind unsere warmherzigen Betreuer Igor und Ivan. Und mein Verteidigungspartner „Cowboy“ (Fabio Wagner, Anm. d. Red.). Ein klasse Typ! Die möchte ich alle grüßen und mich bei ihnen bedanken, genauso wie bei allen Fans und Teamkollegen. Ich habe tolle Freunde gefunden und eine weitere gute Erfahrung in meiner Karriere gemacht. Den Spielern wünsche ich nur das Beste.

Sie beenden Ihre Saison beim traditionsreichen tschechischen Erstligisten Sparta Prag. Wie gefällt es Ihnen?

Koistinen: Ich bin glücklich in Prag. Es ist ein toller Ort zum Leben und Eishockey spielen. Der Verein ist wirklich groß und traditionell, hat großartige Einrichtungen und nette Mitarbeiter.

Sie wollten nach der Saison zurück nach Finnland ziehen und dort weiterspielen. Steht der Plan noch?

Koistinen: Ja, ich werde nächste Saison in die Heimat gehen und will noch zwei, drei Jahre spielen. Ich freue mich schon auf meine Familie.

Und danach? Sie haben sich vor ein paar Monaten in die Bar Ihres Freundes in Tampere eingekauft. Wird Ville Koistinen nach seiner Karriere also reiner Barbesitzer oder doch Eishockeytrainer?

Koistinen: Die Bar läuft gut. Und Ich bin froh, ihr Besitzer zu sein. Aber ich habe noch keinen konkreten Plan für die Zeit nach meiner Karriere. Ich denke noch nicht ans Aufhören.

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