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Mordfall Franziska

15.04.2015

"Voll Angst": Warum Franziskas dramatische SMS ins Leere liefen

Auf der Bank neben dem Radweg bei Nassenfels haben Menschen eine Gedenkstätte für Franziska errichtet. Direkt daneben verläuft die Straße, auf der Stefan B. das Mädchen verfolgt hat.
Bild: Barbara Würmseher

Am Mittwoch schilderten Franziskas Freundinnen und ein Polizist in Ingolstadt den Tag nach ihrem Verschwinden. Die letzten SMS der Zwölfjährigen wurden zu spät gelesen.

Als Franziska am 15. Februar 2014 abends nicht wie verabredet zum Abendessen nach Hause kam, schlugen ihre Eltern nicht sofort Alarm. Auch nicht, als sie gegen 22.30 Uhr von einer Versammlung zurück kamen und Franziskas Bett noch immer leer vorfanden. Sie vermuteten ihre Tochter bei einer Freundin in Nassenfels. Schon oft hatten die Mädchen gemeinsam übernachtet. Doch diesmal war alles anders.

Am Mittwoch ging der Mordprozess gegen Stefan B. vor dem Ingolstädter Landgericht weiter. Dort sagten unter anderem Freundinnen des ermordeten Mädchens als Zeugen aus und schilderten, was sich aus ihrer Sicht am 15. und 16. Februar 2014 abgespielt hatte.

Während der Samstagnachmittag auf dem Skaterplatz aus Sicht der Mädchen, mit denen Franziska dort gespielt hatte, völlig unbeschwert verlaufen war, spitzten sich am Sonntag Ereignisse zu. „Mittags kam ihr Vater zu uns und wollte seine Tochter abholen“, schilderte die Mutter des einen Mädchens. „Da musste ich ihm leider sagen, dass sie nicht da ist.“

Franziskas Verschwinden sprach sich schnell herum

Schnell sprach sich im Kreis der Mitschülerinnen und Freundinnen Franziskas Verschwinden herum. Telefonisch und über Facebook und Whats App versuchten sie, herauszufinden, wo sich die Zwölfjährige aufhielt. Jetzt erst stießen die Mädchen aus Franziskas Whats App-Gruppe auch auf die vier dramatischen Kurznachrichten, die Franzi unmittelbar vor ihrer Entführung noch hatte abschicken können: „Ein grünes Auto verfolgt mich. Voll Angst. Hab mir das Kennzeichen gemerkt. Es steht vor mir – Radweg.“ Keine der Freundinnen hatten am Abend zuvor ihre Smartphones noch benutzt.

Gleichzeitig liefen die polizeilichen Ermittlungen mit Hochdruck an. Die Vermisstenanzeige, die die Eltern bei der Inspektion in Eichstätt aufgaben, hatte höchste Priorität. „Nachdem wir im Elternhaus nachgesehen, Fotos organisiert und Kontakte abgeklappert hatten, haben wir die Hubschrauberstaffel alarmiert und weitere Einsatzkräfte bestellt“, schilderte ein Polizist im Zeugenstand. „Es war für uns sehr schnell klar, dass die Sache ernst ist.“

Neben den zahlreichen Hinweisen auf den grünen Toyota führte zusätzlich ein Zufall auf die Spur von Stefan B.: Die Polizeiinspektion Rain suchte ihn wegen eines Tankbetrugs und hatte die Eichstätter Kollegen gebeten, bei der Mutter des 27-Jährigen in Egweil nach ihm zu fragen. Nur zwei Stunden vor der Vermisstensuche nach Franziska waren die Beamten einer Streife dieser Bitte nachgekommen.

So war bekannt, dass Stefan B. mit genau einem solchen auffälligen Wagen unterwegs war. Eben jenem Wagen, der vielen Zeugen auf dem Skaterplatz in Nassenfels aufgefallen war und den Franziska in ihren letzten Nachrichten voller Angst als ihren unheimlichen Verfolger beschrieben hatte.

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