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Ballett

13.10.2017

Von Freiheit und Liebe

Das Ballett des Sorbischen National-Ensembles trat mit „Die Insel der Vergessenen“ im Neuburger Stadttheater auf.
Bild: Elke Böcker

„Die Insel der Vergessenen“ bietet eine eindrucksvolle Choreografie. Wo die Schwächen des Stücks liegen

Eindrucksvolle Tanzszenen, dramatische Musik und eine überaus mystische Geschichte – „Die Insel der Vergessenen“ mit dem Ballett des Sorbischen National-Ensembles Bautzen hätte alle Möglichkeiten für einen unvergesslichen Abend im Neuburger Stadttheater geboten.

Das poetische Tanzspiel, das auf dem gleichnamigen, rund 100 Jahre alten Roman von Jacub Lorenc-Zalìski beruht, verflicht die Freiheitsbestrebungen des sorbischen Volkes mit der Liebesgeschichte von Jacub und Hanczarona. Die weiß gewandete Todesgöttin, die Jacubs Gewissen verdeutlicht, steht für die Verbindung beider Geschichten und für die Bedeutung der sorbischen Identität. Unterschiedliche metaphysische Ebenen wechseln ständig und bewirken eine hohe Spannungsdichte. Doch das beeindruckende Libretto von Volkmar Draeger, das mit einer fröhlichen Silvesterfeier beginnt und sich über ein langes Menschenleben mit vielen Irrungen und Wirrungen erstreckt, war nur mithilfe der sehr ausführlichen Einführung vor Vorstellungsbeginn verständlich.

Da leider kein Programmheft des Ensembles existierte und sich auch im Internet nur spärliche Informationen zur Aufführung finden lassen, mussten sich die Theaterbesucher den starken Tanzszenen und ihrer eigenen Fantasie überlassen.

Die dynamische und gleichzeitig zarte Choreografie von Mia Facchinelli und die abwechslungsreiche Musik von Liana Bertók, die auch typisch sorbische Instrumente wie die Tarakawa erklingen ließ, bot neben dem modernen Tanz und der mimischen Ausdruckskraft des Ensembles ebenfalls Anlass zur Freude. Symbolische Handlungen, wie das Ablegen der bunten Tracht als Zeichen für den Identitätsverlust, eine lange, blaue Stoffbahn, die für den Fluss des Vergessens steht oder der Tanz der grau gekleideten Toten blieben sicher für den ein oder anderen Theaterbesucher unverständlich – schade.

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