22.05.2009

Von Michael Bickel

Neuburg Zu einem entscheidenden Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte des Landkreises entwickelte sich die Gebietsreform im Jahre 1972, welche die Zahl der bayerischen Landkreise von 143 auf 71 reduzierte und die der kreisfreien Städte von 48 auf 25. Große Bereiche des vorherigen schwäbischen Landkreises Neuburg wurden mit großen Teilen des vorherigen oberbayerischen Landkreises Schrobenhausen zum neuen oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.verschmolzen.

Vom ehemaligen Kreis Neuburg blieb im Westen das komplette Lechviertel in Schwaben. 29 seit einem Jahrhundert zugehörige Gemeinden, darunter die Stadt Rain, musste man an die neuen Landkreise Do-nau-Ries, Aichach-Friedberg und Augsburg abtreten. Umgekehrt kamen 23 von 36 Schrobenhausener Ge-meinden in Neuburger Obhut. Die alte Residenzstadt Neuburg verlor zwar die Kreisfreiheit, erhielt aber als nunmehrige Große Kreisstadt das Landratsamt und den Kreissitz.

Es war damals ein bis heute nicht vergessener "heißer Kampf" um die Frage gewesen, ob die Region Ingolstadt in zwei oder drei Landkreise unterteilt werden sollte. Die so genannte Zweierlösung hätte nur mehr zwei Landkreise Ingolstadt Nord mit Eichstätt als Kreissitz und Ingolstadt Süd mit Pfaffenhofen als Kreissitz bedeutet und insbesondere Neuburg viel härter getroffen als die schließlich verwirklichte "Dreierlösung". Dennoch war auch das Zusammenwachsen der Räume Neuburg und Schrobenhausen - das Donaumoos hatte zu lange Zeit eine natürliche Barriere gebildet - ein schwieriges Unterfangen, das bis heute als noch nicht völlig abgeschlossen gilt.

Der 2002 verstorbene erste Landrat des neuen Kreises (1972-1984), Verwaltungsjurist Dr. Walter Asam , der zuvor schon elf Jahre dem alten Landkreis Schrobenhausen vorgestanden war, und sein Nachfolger, der Historiker Dr. Richard Keßler (1984-2008), zuvor MdL für den Stimmkreis Neuburg-Wertingen und 2. Bürgermeister von Neuburg, leisteten im Verbund mit aufgeschlossenen Kommunalpolitikern und Bürgern viel für das allmähliche Zusammenwachsen. Ein frühes Beispiel des idealen Zusammenwirkens setzten der Kirchenchor von St. Jakob in Schrobenhausen und der "Liederkranz"von Neuburg mit ihren großen gemeinsamen Konzerten in Baring und in der Lenbachstadt. So sah sich Dr. Keßler, als der Landkreis 2002 sein 30-jähriges Bestehen feiern konnte, in seinem Einsatz für die Dreierlösung voll bestätigt. Und ebenso konnte er hervorheben, dass sich die Zielsetzungen der Reform, wie Stärkung der Wirtschaftskraft und effizientere Verwaltung, für ihn absolut erfüllt haben. Auch sieben Jahre später steht das neue Gebilde mit seinen nach den Zusammenlegungen nur noch 18 leistungsfähigen Gemeinden und inzwischen über 91 000 Einwohnern sehr gesund da.

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Der erste Landrat in Neuburg hieß Felix Brandl, vordem schon Rechtsrat am Landratsamt. Die Amerikaner setzten ihn 1945 kommissarisch ein. Nach nur fünf Monaten folgte ihm, zunächst noch berufen und dann nach den ersten Kreistagswahlen 1946 vom Kreistagsgremium aus seinen Reihen erkoren, bis 1948 mit Dr. Friedrich Panzer wieder ein Jurist. Von 1948 bis 1959 amtierte der Chemiker und Ingenieur Wilhelm Gaßner, 1952 als erster Kreischef vom "Volk" gewählt, der auch im Landtag wirkte und von 1945 bis 1948 das Ernährungsamt in Neuburg geleitet hatte. Von 1959 bis 1972 war Hanns Wolf am Ruder, den die Stadt Rain bei seinem Ausscheiden zum Ehrenbürger erkor. Im neuen Landkreis ist nach Dr. Asam und Dr. Keßler Roland Weigert (Freie Wähler) seit 2008 der dritte Kreischef, und, den alten Landkreis Neuburg eingerechnet, der erste, der nicht aus dem Lager der CSU gewählt wurde. Mit ihm haben die Parteifreien auch die absolute CSU-Mehrheit in der Kreistagsbesetzung gebrochen. Nicht mehr viele wissen heute, dass 1952 der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) zwölf und die Bayernpartei elf Sitze eroberten.

Im alten Landkreis Schrobenhausen hatte es seit Kriegsende bis zur Gebietsreform genauso wie in Neuburg vier Landräte gegeben. Der erste war 1945 der Sozialdemokrat Fritz Stocker, der sich dann als 1. Bürgermeister von Schrobenhausen bis zu seinem Tod 1967 einen Namen machen sollte Er war genauso kommissarisch eingesetzt wie der Rechtsanwalt Philipp Kitzinger, der ihn noch 1945 bis zu den ersten Kreistagswahlen 1946 ablöste.

Jetzt rückte der Rechtsanwalt Dr. Franz Gunderlach in das Amt, dem 1961 bis zur Gebietsreform der junge Regierungsrat am Landratsamt, Dr. Walter Asam, folgte.

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