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Neuburg-Schrobenhausen

20.08.2018

Von der Mülldeponie zum Naturidyll

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4 Bilder
In Attenfeld grasen die Ziegen und Schafe von Josef Kugler auf der rekultivierten Fläche.
Bild: Norbert Eibel

Die Landkreisbetriebe betreiben die drei Altdeponien in Attenfeld, Oberhausen und Königslachen. Warum Rekultivierung und Nachsorge viel Zeit in Anspruch nimmt.

Aus den Augen aus dem Sinn: So verfuhr man einst bei der Müllbeseitigung. Doch was von der Oberfläche verschwunden ist, bleibt oft viel länger ein Thema. Zahlreiche Gruben wurden früher auch im Landkreis verfüllt, über deren Inhalte heute kaum noch Daten vorliegen. Für drei große ehemalige Deponien – in Attenfeld, in Oberhausen und in Königslachen bei Schrobenhausen – sind die Landkreisbetriebe zuständig. Die Flächen sind heute rekultiviert und werden regelmäßig überwacht. In Königslachen werden noch Grünabfälle gelagert und zu Kompost verarbeitet.

Heute wird Restmüll aus der ganzen Region in die Müllverbrennungsanlage (MVA) nach Mailing geschafft. Rund 1000 Tonnen Müll werden dort täglich angeliefert, etwa 700 Tonnen können pro Tag in drei Öfen verbrannt werden. Bei 1000 Grad verwandeln sich die brennbaren Anteile der Abfälle in Schlacke. Die thermische Behandlung ist in Deutschland eine der tragenden Säulen der Abfallentsorgung. In fast allen Müllverbrennungsanlagen wird auch die beim Verbrennen freigesetzte Energie genutzt und als elektrische Energie, Wärme oder Dampf abgegeben. Die MVA Ingolstadt hat sich zum größten dezentralen Energieerzeuger in der Region entwickelt.

Seit 1977 ist der Landkreis Mitglied im MVA-Zweckverband

Bis vor 40 Jahren war das anders. Seit 1977 ist der Landkreis Mitglied im MVA-Zweckverband. Zuvor wurden Haus- und Industrieabfälle deponiert. Die Stadt Neuburg hatte dafür eine Fläche bei Attenfeld gepachtet. „Im Zuge der Gebietsreform hat der Landkreis das Gelände übernommen“, erzählt Alexander Braun, Baufachmann der Landkreisbetriebe, beim Ortstermin. 1997 wurde die Deponie geschlossen, 1999 begann die Rekultivierung, die ein Jahr später beendet war. Der Platz sei 55 Jahre betrieben worden, im mittleren Durchschnitt betrage die Nachsorge in der Stilllegungsphase circa 80 Jahre, erklärt er. Und diese Nachsorge ist kein unproblematisches Unterfangen, schließlich dürfe die frühere Müllkippe keine tickende Zeitbombe im Boden werden. „Kein Wasser darf in die Deponie einsickern und Stoffe auswaschen.“ Das komplette, 2,5 Hektar große Areal wurde deshalb mit sogenannten Bentonitmatten, das sind geotextile Verbundbahnen, versiegelt. Damit ist eine natürliche Abdichtungen von flüssigen und gasförmigen Stoffen möglich. Allerdings, ergänzt Braun, müsse der Bewuchs niedrig gehalten werden, damit keine Wurzeln die Schutzschicht beschädigen. Die Pflege der entstandenen Trockenrasen übernehmen die 24 Schafe und Ziegen des Hobbytierhalters Josef Kugler, der in der benachbarten Tongrube der Firma Geiger beschäftigt ist. „Eine Win-win-Situation“, findet Landkreisbetriebe-Werkleiter Marcus Csiki. „Das kostet nichts und ist gut für die Ökologie.“

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In 17 Metern Tiefe stößt Alexander Braun auf Wasser

Eine echte Naturidylle tut sich dem Betrachter am Flachsberg bei Oberhausen auf. In einer ehemaligen Kieselerdegrube wurde Bauschutt und ab den 1970ern auch Restmüll abgeladen. 1991 wurde die Halde stillgelegt, ab 1997 mit dem Aushub der B16-Umgehung verfüllt, 2003 war die Rekultivierung abgeschlossen. Elf Meter mächtig ist diese Deckschicht, weshalb kein Bentonit nötig war. „Das Material war sehr bündig“, fügt Alexander Braun an. Weil dies so ist, wächst dort heute prächtiger Mischwald, die Durchwurzelung ist kein Problem. Die Landkreisbetriebe haben kleine Tümpel und Mulden anlegen lassen. Entstanden ist so ein Biotop für die seltene Gelbbauchunke und andere Amphibien. Im Wald verteilt sind mehrere Messschächte, wo regelmäßig der Pegel kontrolliert wird. In 17 Metern Tiefe stößt Alexander Braun auf Wasser. „Das liegt im Normbereich.“ In regelmäßigen Abständen wird es abgepumpt und über die Kläranlage in Neuburg entsorgt. Und zweimal im Jahr beprobt ein unabhängiges Institut das Wasser auf die Schadstoffkonzentration. „Arsen, Blei, Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe“, zählt der Fachmann die gängigsten Stoffe auf. „Hier sind die Werte wesentlich schlechter als in Attenfeld.“ Irgendwann sollen die gemessenen Belastungen aber unter den festgelegten Grenzwerten liegen und die Nachsorge beendet sein. Dann wäre das Idyll perfekt.

Noch gearbeitet wird in Königslachen, dort betreibt der Landkreis seine zentrale Grüngutannahmestelle. Zwar können Kleinmengen auch auf den verbliebenen Wertstoffhöfen abgegeben werden, am Ende landen aber alle biologischen Abfälle auf dem 4,5 Hektar großen Gelände im Schrobenhausener Norden. Das gelagerte Material wird zunächst gehäckselt, dann mehrmals umgeschichtet und schließlich gesiebt. Am Ende hat man einen Kompost, der zertifiziert und höchst begehrt ist. „Im Frühjahr kommen wir kaum nach. Vor allem die Spargelbauern sind ganz wild drauf“, freut sich Marcus Csiki. Das Grüngut wird nur auf einem Bruchteil der früheren Ytong-Grube verwertet. Verblieben ist zudem eine Grube mit 80000 Kubikmeter Restvolumen zur Bauschuttverfüllung. Auf dem Rest wurde im vergangenen Jahr die Rekultivierung gestartet und gerade eben im Juli abgeschlossen. Das Gelände ist mit einem fünfprozentigen Gefälle angelegt. „Das Problem bei Deponien ist immer das Wasser. Das muss raus“, sagt Braun. Ein Ringwassergraben fasst das Areal ein, wo sich das ablaufende Oberflächenwasser sammelt und weiter in Auffangbecken außerhalb fließt. Als begleitende ökologische Maßnahme wurden Habitate für die hier zahlreich vorkommenden Eidechsen und Bodenbrüter angelegt. Schäfer gebe es in der Nähe allerdings keinen, bedauert Alexander Braun, weshalb die eingesäten Trockenrasen künftig regelmäßig im Herbst gemäht werden müssen. Dass die Tierökologie bei der Rekultivierung nicht zu kurz kommt, beweist eine kleine Anekdote aus dem Frühjahr. Der ursprüngliche Zeitplan hatte sich verzögert, weil man auf einen seltenen Vogel stieß. Der benachrichtigte Leiter der Unteren Naturschutzbehörde bestätigte, dass es sich um das Nest eines Uhus handelte. Vor allem im südlichen Landkreis wird die Großeule gerne zum Bodenbrüter. Die Arbeiten mussten derweil ruhen.

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