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Neuburg/Pfaffenhofen

11.10.2017

Von der perfekten Ehe in die Hölle

Die Verhandlung fand am Amtsgericht Neuburg statt.
Bild: Maya Spitzer

Ein Mann aus dem Landkreis Pfaffenhofen stand in Neuburg vor Gericht, weil er seine Ehefrau vergewaltigt hat. Warum die Urteilsfindung trotz glaubhaftem Opfer schwierig war.

Eigentlich sei es die perfekte Ehe gewesen in den letzten drei Jahren, erzählt die Frau. Trotzdem sitzt die 37-Jährige aus dem Landkreis Pfaffenhofen am Mittwoch als Zeugin im Neuburger Amtsgericht und berichtet davon, wie ihr Ehemann sie dreimal vergewaltigt habe. Am Ende wird er nur für einen der Vorfälle schuldig gesprochen – außerdem wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Bedrohung.

Es geschah im Frühjahr dieses Jahres. Wann genau, daran kann sich die Frau nicht mehr erinnern. Aber daran, dass sie in allen drei Fällen „Nein!“ gesagt habe, erzählt sie. Sie wollte keinen Geschlechtsverkehr mit ihrem Ehemann, weil der sich in den Monaten zuvor so stark verändert hatte. Er sei oft aggressiv und eifersüchtig gewesen. Plötzlich hatte sie Angst vor dem Mann, mit dem sie seit elf Jahren verheiratet ist und einen acht- und einen zwölfjährigen Sohn hat. So auch in jenen Nächten. Sie habe geweint und gezittert – im Dunkeln. Doch der 36-Jährige habe darauf bestanden, mit ihr zu schlafen. „Du bist meine Frau. Das steht mir zu!“, habe er stets zu ihr gesagt. Also habe sie nachgegeben und sich ausgezogen. „Was blieb mir übrig? Ich konnte nicht weglaufen und die Kinder alleine lassen. Ich hatte Angst, dass es eskaliert“, erklärt sie. In einer Nacht ging ihr Mann tatsächlich noch einen Schritt weiter: Er zwang sie mit Gewalt zum Oralsex und gab ihr eine Ohrfeige.

Der Angeklagte muss sich noch wegen zwei weiterer Vorfälle verantworten, die die 37-Jährige vor Gericht schildert. Einmal schubste er sie im Keller gegen einen Türrahmen. Ein andermal hatte sie nach einem Streit, in dem der Mann ihr Leben bedroht haben soll, genug – und rief die Polizei. Als die Beamten dem Mann Hausverbot erteilen wollten, weigerte er sich und flippte aus. Wie die Polizisten berichten, habe der Angeklagte gedroht, sie vom Balkon zu werfen. Da hätten sie ihn zu Boden gebracht und fixiert. Seit fünf Monaten sitzt der 36-Jährige in Untersuchungshaft.

Das Schubsen und den Widerstand gegen die Beamten gibt der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung zu. An die Vergewaltigungen erinnere er sich allerdings nicht, wie er sagt. „Vielleicht war ich sehr besoffen und stand unter Drogen“, meint er. Der Angeklagte nimmt seit seinem 30. Lebensjahr Betäubungsmittel. Fast täglich konsumiere er Opiate, Amphetamine, Marihuana, Kräutermischungen oder Speed, außerdem fünf bis sechs Flaschen Bier, manchmal auch Schnaps. Seine Frau habe das gewusst, sagt der 36-Jährige. Sie wollte, dass er eine Therapie mache, er wollte arbeiten und Geld verdienen. Dann verlor der Mann seinen Job, weil sein Gemütszustand auch in der Arbeit stark schwankte und er Kollgen beleidigte, berichtet sein ehemaliger Bauleiter.

Der Gutachter spricht von paranoiden Zügen. Eine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit sei beim Angeklagten zu den Tatzeiten nicht auszuschließen, trägt er vor. Auf Nachfrage von Richterin Celina Nappenbach, empfiehlt der Gutachter eine Therapie von 15 bis 20 Monaten.

Nach einem Rechtsgespräch werden die zwei weniger drastischen Vergewaltigungsvorwürfe eingestellt. Die Richterin begründet dies in ihrem Urteil damit, dass die Rechtslage hier sehr schwierig sei: War es für den Mann zu erkennen, dass er gegen den Willen seiner Frau handelte? Oder nicht, wie dieser behauptet. An der Aussage der Geschädigten zweifelten sie und die beiden Schöffen auf jeden Fall nicht, so Nappenbach. Sie verurteilt den Mann am Ende zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Außerdem ordnet die Richterin die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das Urteil ist rechtskräftig.

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