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Atelierbegegnung

01.04.2015

Von dreckigen Badewannen und beschmierten Häusern

Zwei Rechtsanwälte referieren über: Was ist Kunst? Und kann Recht Kunst ermöglichen?

Was hat Recht mit Kunst zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, wie Rechtsanwalt Florian Ress bei einem Vortrag im Atelier „Frauenzimmer & Mannsbilder“ erläuterte. Die künstlerische Freiheit auf der anderen Seite, die strengen Regeln des Rechts auf der anderen. Und doch ergeben sich Schnittpunkte, ja Recht ermögliche manchmal sogar Kunst. Wie im Fall des Künstlers Joseph Beys, der eine mit Fett und Mullbinden verkleidete Badewanne anfertigte.

Diese Wanne ging in die Sammlung von Lothar Schirmer über, der das Objekt dem Wuppertaler Von der Heydt-Museum als Leihnehmer überließ. Von dort aus gelangte es nach Leverkusen – keine gute Idee, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn bei einer Veranstaltung des dortigen SPD-Ortsvereins wurde das Kunstobjekt als Spülwanne für Gläser hergenommen. Mitglieder der Partei machten es zunächst sauber, weil sie es für eine verdreckte, alte Wanne hielten.

Der Künstler und Schirmherr waren natürlich entsetzt und klagten auf Schadensersatz in Höhe von damals 80000 Mark, die Stadt Wuppertal wollte nur die Materialkosten ersetzen – das wären lediglich zehn Mark gewesen. Am Schluss urteilte ein Gericht, dass der Kunstfraktion 58000 Mark zugesprochen werden müssen, denn, so zitierte Ress: „Die Spontanität des schöpferischen Augenblicks“ sei nicht mehr herzustellen gewesen, obwohl der Künstler versuchte, die Wanne nachzubauen.

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Auch Rechtsanwalt Bernhard Lang berichtete darüber, dass man sich über Kunst vortrefflich streiten kann. Sein Thema: Graffitis in Berlin. Neben der Frage, ob die bunten Wandbilder Sachbeschädigung oder eben doch Kunst sind, ging es darum, ob Graffitis sogar den Wert von Objekten steigern können.

Denn in Berlin kaufte ein Investor ein Grundstück in der Nähe eines bekannten Graffitis. Seine Überlegung: Mit Blick auf das Wandgemälde könnten seine Wohnungen noch wertvoller werden. Unbekannte – möglicherweise im Auftrag des Künstlers – regelten diesen Fall selbst: In einer Nacht-und Nebelaktion übermalten sie kurzerhand das riesige Bild mit schwarzer Farbe. Sind Werte zerstört worden?

Kann der Investor nun sogar Schadensersatz verlangen? Fragen, die in diesem Zusammenhang auftauchen, auf die aber auch der Rechtsanwalt keine eindeutige Antwort wusste.

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