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Erweiterungspläne

30.11.2017

Vorwurf: Scherm-Kritiker wollen nicht diskutieren, nur inszenieren

In Lichtenau befürchten die Bürger durch eine Expansion der Firma Scherm eine weitere Zunahme des Schwerverkehrs in ihrem Dorf.

Firma reagiert auf Rausschmiss und wendet sich in offenem Brief an ihre Gegner. BR-Team drehte gestern in Lichtenau

Das Karlskroner Logistikunternehmen Scherm hat mit einem offenen Brief auf den Protest gegen die Standortpolitik der Firma regiert. Dass die Expansionspläne am Hauptsitz in Probfeld auf Widerstand stoßen würden, war zu erwarten. Allerdings stört man sich bei Scherm am Vorgehen der Gegner, die den Dialog nicht angenommen hätten. Diese Kritik teilt der Karlskroner Bürgermeister Stefan Kumpf. „Leider ist trotz mehrmaligen Angebots meinerseits noch kein Einziger auf mich zugekommen“, bedauerte der Rathauschef gegenüber der Neuburger Rundschau.

Stattdessen war es vergangenen Freitag zum Eklat gekommen, als sich Gegner des Vorhabens in Weichering getroffen hatten, um sich über die Form des Widerstands auszutauschen. Nicht jedem, der gerne an dem Treffen teilgenommen hätte, wurde der Zutritt gestattet. So mussten Vertreter von Scherm, darunter Pressesprecher Maximilian Roos, ebenso vor der Türe bleiben wie der Karlskroner Gemeinderat Kurt Bachhuber ( Freie Wähler). Dagegen durfte etwa der Karlskroner Kreis- und Gemeinderat Martin Wendl (Grüne) dem Treffen beiwohnen. „Ich verstehe die Aufregung nicht. Wir haben nichts gemacht, das war ein privates Treffen“, argumentierte eine der Initiatorinnen, Ulrike Landsberger aus Lichtenau, auf Nachfrage. Eine Bürgerinitiative zu gründen, sei derzeit nicht geplant. Beim Bürgerentscheid vor fünf Jahren in Karlskron, als eine Änderung des Flächennutzungsplanes für Scherm abgelehnt worden war, hatte eine „Interessengemeinschaft gegen Schwerlastverkehr“ gegen die damaligen Erweiterungspläne mobil gemacht.

Auch jetzt befürchten die Kritiker den Verkehrskollaps. Projektsprecher Roos möchte die Debatte nicht darauf verkürzt sehen. „Mit dem Standortentwicklungskonzept eröffnen wir eine Vision für die nächsten zehn bis 20 Jahre. Wir wollen Büros, Logistik und Stellflächen optimieren. Es geht um 220 Arbeitsplätze an unserem Hauptsitz“, argumentiert er gegenüber der NR. Die zusätzliche Verkehrsbelastung für Lichtenau taxiert er auf 54 Lkw-Begegnungen im Ort, das sei eine Steigerung um lediglich 13,5 Prozent. Hinter der Verweigerungshaltung der Kritiker vermutet er eine Kampagne. Gestern war der Bayerische Rundfunk mit einem Team vor Ort in Lichtenau und hat einen Beitrag für die Abendschau produziert. Der Aufruf, mit „Kindern, Senioren etc.“ daran teilzunehmen, diene der Inszenierung, um Scherm an den Pranger zu stellen, heißt es in dem offenen Brief. Ulrike Landsberger sagt dazu: „Wir haben die Nachbarn aufgefordert rauszugehen, wenn die filmen.“ Bürgermeister Kumpf findet die Entwicklung bedauerlich. „Leider fragen die Gegner nicht nach. Man kann natürlich immer anderer Meinung sein. Aber man muss sich einer Diskussion stellen, alles andere ist nicht demokratisch. Das ganze Projekt ist ein Abwägungsprozess und Scherm sicher kompromissbereit.“

In dem offenen Brief an die Adresse der Protestierer findet der Projektsprecher deutliche Worte, fordert aber ebenso nochmals zum offenen Dialog auf und spricht eine Einladung aus. Seit man im Oktober die Pläne öffentlich gemacht habe, habe man auf Transparenz gesetzt. „Dazu haben wir eigens eine Bürgerinformationsseite online gestellt und eine Pressemitteilung mit allen relevanten Informationen herausgegeben“, heißt es. Auch eine Kontaktmöglichkeit bestehe. Leider habe die Firma aber bislang nur eine einzige Anfrage erreicht. Zur Demokratie gehörten das Recht auf freie Meinungsäußerung, genauso aber die Pflicht zur Kompromissbereitschaft. „Ihr Vorgehen zeigt uns, dass sie nicht am Dialog interessiert sind. Sie haben Ihre Argumente uns gegenüber noch nicht hervorgebracht, da gehen Sie schon auf Konfrontation. Doch in der Demokratie gibt es nicht nur schwarz und weiß...Dafür steht das Bauleitplanverfahren mit zwei Öffentlichkeitsbeteiligungen.“ Der Ausgang des Bürgerentscheids 2012 sei mit den aktuellen Plänen nicht vergleichbar, heißt es weiter, zudem rechtlich gesehen nur ein Jahr bindend. Und noch mit einem Aspekt wartet Maximilian Roos auf: Scherm werde nur auf zwei Themen reduziert, Verkehr und Flächenversiegelung. „Was nicht zur Sprache kommt, sind die 220 Arbeitsplätze, die wir in Probfeld und Weichering bieten. Viele unser Mitarbeiter sind froh, dass sie nicht 20 Kilometer einfach in die Arbeit pendeln müssen, weil wir als größter Arbeitgeber im Donaumoos wohnortnah beheimatet sind...Ihre Protesthaltung zeigt, dass Ihnen das Schicksal dieser Menschen gleichgültig ist – uns ist es das jedoch nicht.“

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