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12.06.2009

Während Montage auf Diebestour durch Neuburg

Neuburg Eine "allerletzte Chance" hat Richter Ruprecht Herbst am Mittwoch einem 29-Jährigen gegeben, der in seinem Führungszeugnis bislang stolze zwölf Einträge vorweisen kann. Der Mann aus Sachsen, der vergangenes Jahr auf Montage in Neuburg war und dort im September auch verhaftet wurde, fiel immer wieder wegen derselben Straftaten auf: Diebstahl, Körperverletzung, Drogenkonsum. So auch in Neuburg, weswegen er jetzt zu zwei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Außerdem muss der Mann eine Entziehungstherapie über einen Zeitraum von zwei Jahren absolvieren.

Das System des 29-jährigen Sachsen war immer das gleiche: Während seiner Montage bei einer Neuburger Firma war der junge Mann in verschiedenen Gasthöfen in der Stadt untergebracht. Dort ist er wiederholt in verschlossene Räume eingebrochen oder hat Schlüssel geklaut, um an Bargeld oder Laptops zu kommen. Der dabei entstandene Sachschaden war nach Einschätzung des Richters zwar vergleichsweise gering, doch dass er immer wieder auf Diebestour gegangen sei, mache ihn zu einem Wiederholungstäter. Weil der Mann ein umfassendes Gedächtnis ablegte und seine Taten auch nicht beschönigte, mussten die fünf geladenen Zeugen vor Gericht erst gar nicht aussagen.

Darüber hinaus war der junge Sachse auch der vorsätzlichen Körperverletzung angeklagt, weil er im Drogen- und Alkoholrausch seiner bis dato Freundin mit den Fäusten ins Gesicht und gegen den Kopf geschlagen hat.

Die "Wurzel allen Übels", wie Staatsanwalt Martin Sokoll sagte, sei das Drogenproblem des 29-Jährigen. Bereits mit 13 Jahren hat der Angeklagte eigenen Angaben zufolge bereits Haschisch geraucht. Später folgten Crystal, Ecstasy, LSD und Kokain. Einen Entzug hat er entgegen dem Rat seiner Therapeuten nach einem halben Jahr abgebrochen. Nur wenige Monate später wurde er wieder rückfällig. Dazu kommt ein massives Alkoholproblem: zwischen zehn und 14 Flaschen Bier seien an der Tagesordnung gewesen. Unverblümt gab der Mann zu, dass die Diebstähle hauptsächlich dafür gedient haben, die Drogen zu finanzieren.

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Ein vom Verteidiger beantragter Gutachter stellte bei dem jungen Mann, der bei seiner alkoholkranken Mutter aufwuchs und im Alter von zehn Jahren in ein Heim für schwer erziehbare Kinder kam, keine psychischen Einschränkungen fest. Deshalb war er auch der Meinung, dass der Mann seine Suchtproblematik selbstständig hätte erkennen und sich in Behandlung hätte geben können. Dies bezweifelte jedoch sein Anwalt.

"Herr T. ist ein kranker Mensch", bilanzierte Rechtsanwalt Hübner in seinem Schlussplädoyer für ein mildes Urteil. Nur eine längere Therapie könne ihm noch helfen, seine Drogensucht in den Griff zu bekommen - "und diese Chance soll er auch bekommen". Damit war er sich mit Staatsanwalt Sokoll einig, der unter den insgesamt acht Anklagepunkten die Körperverletzung als "dicksten Hund" bezeichnete.

Sokoll plädierte wegen schweren sowie versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung und vorsätzlicher Körperverletzung für ein Strafmaß von zwei Jahren und zehn Monaten sowie eine zweijährige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, was von Richter Herbst so auch aufgenommen wurde. "Wenn Sie jetzt versagen, bekommen Sie keine Therapiechance mehr, sondern werden nur noch weggesperrt", gab er dem Angeklagten am Ende der Verhandlung mit auf den Weg.

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