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Wahl in Neuburg: zwei Überraschungen

Wahl in Neuburg: zwei Überraschungen
Kommentar Von Manfred Rinke
15.03.2020

Plus Analyse zur Kommunalwahl in Neuburg: Dass es zur Stichwahl kommt, war abzusehen. Wer den OB herausfordert, nicht.

Es ist keine echte Überraschung, dass die Wahl des Oberbürgermeisters in Neuburg in die Verlängerung geht. Zum einen verteilten sich die Stimmen auf erstmals sechs Kandidaten. Zum anderen ist es nach 18 Jahren auf dem Chefsessel im Rathaus ein natürlicher Prozess, dass die Freunde weniger und die Abnützungserscheinungen größer werden. Auch wenn sich Bernhard Gmehling keinen groben Schnitzer erlaubt hat, ist die Zahl seiner Kritiker gewachsen, weil auch der Wunsch nach Veränderung, nach frischem Wind, gewachsen ist. Aber gerade aus diesen Gründen braucht Gmehling mit seinem Ergebnis keineswegs unzufrieden sein.

Spannender als die Frage, ob es zu einer Stichwahl kommt, war die Frage: Wer tritt in zwei Wochen gegen den amtierenden OB an? Michael Wittmair, der für die Linken in den Ring stieg, fehlte das Format dazu. Seine Ansichten waren mitunter viel zu radikal, sein Verhalten wirkte undiplomatisch. Wer der Verwaltung und allen voran dem Oberbürgermeister eine „Intelligenzinsolvenz“ unterstellt, hat zwar eine außergewöhnliche Wortschöpfung kreiert, disqualifiziert sich mit solchen und einer Reihe anderer, rein auf Angriff ausgerichteten Ausdrücke aber selbst.

Michael Wittmair von den Linken fehlte das Format

Bernd Schneider gab den jungen Wilden unter den Kandidaten. Mit seinen 29 Jahren wollten er und die SPD wohl vor allem die jungen Wähler ins Boot holen. Das allerdings ging gründlich schief. Keine Stimme in Joshofen, magere 1,3 Prozent der Stimmen in seinem Wohnort Bergen. Worin letztlich die Gründe liegen, dass der SPD-Mann bei bitteren 6 Prozent hängen blieb? Das jüngere Wahlvolk sprang jedenfalls nicht auf ihn an.

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Frank Thonig, der von den Freien Wählern eine Abfuhr erteilt bekommen hatte, als er für sie als OB kandidieren wollte, zog sich als Spitzenkandidat der neuen Gruppierung WIND durchaus gut aus der Affäre. Aus dem politischen Nichts gekommen, bedeuten seine 8,4 Prozent ein achtbares Ergebnis.

Ein achtbares Ergebnis für Frank Thonig

Und Thonig hat mit dafür gesorgt, dass der OB-Kandidat der Freien Wähler die Stichwahl verpasste. Er war zumindest ein Grund dafür, dass Florian Herold trotz eines ausgesprochen engagiert geführten Wahlkampfes gegenüber dem Ergebnis von Johann Habermeyer vor sechs Jahren (23 Prozent) deutlich Federn ließ. Sein schlechtes Abschneiden ist eigentlich eine der großen Überraschungen des gestrigen Wahltags.

Die zweite ist das gute Abschneiden von Gerhard Schoder. Unaufgeregt, aber durchaus leidenschaftlich, gut argumentierend, ohne besserwisserisch zu wirken. Der 38-jährige IT-Spezialist ist nicht der typische Sprücheklopfer, präsentierte sich weniger als Alleinunterhalten, sondern mehr als Teamplayer, der die Menschen mitnehmen möchte. Egal, wie die Wahl in zwei Wochen ausgehen wird: Der vierfache Familienvater, der bis vor gut einem Jahr noch CSU-Mitglied war, hat sich den gestrigen, persönlichen Erfolg, der natürlich auch einer für die Grünen ist, verdient.

Lesen Sie dazu auch den Artikel: "Schoder fordert Gmehling heraus".

Stichwahl in Neuburg zwischen Gmehling und Schoder: Alle Infos im Live-Blog

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