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Neuburg

19.01.2020

Warm und emotional: Jazz aus Tschechien im Birdland

Roberto Magris spielte am Wochenende bei der 215. Auflage der Reihe Art of Piano im Birdland.
Foto: Gerd Löser

Auch die 215. Auflage der Reihe Art of Piano im Neuburger Hofapothekenkeller überzeugte - mit Roberto Magris am Flügel.

Jazz und Tschechien, da kommt zusammen, was zusammengehört. Das bewies zumindest am Samstagabend das Trio um Frantiek Uhlír am Bass, Jaromír Helesic am Schlagzeug und Roberto Magris am Flügel. Seit den 1980er-Jahren musizieren die drei mit Unterbrechungen miteinander – damals noch erschwert durch den Eisernen Vorhang, der den Italiener Magris von seinen tschechischen Kollegen trennte. Vor drei Jahren aber hat das Trio fest zueinander gefunden und trug seitdem bei weit über hundert Auftritten und mit einigen CD-Veröffentlichungen die Botschaft des tschechischen Jazz in die Welt hinaus. Ein würdiger Act also für die mittlerweile 215. Auflage von Art of Piano am Samstag im Birdland.

Jazz im Birdland: Die Musiker spielen gleichberechtigt

Ganz klassisch stehen beim Klaviertrio die drei Akteure völlig gleichberechtigt nebeneinander, da gibt es keine Leadinstrumente, die der Rhythmusgruppe die Show stehlen. Vor allem der Bass wird mehr als gewöhnlich gefordert, kann er sich doch nicht in den Hintergrund zurückziehen, sondern muss an vorderster Front sein Tagewerk bestreiten. Wie gut also, dass die Musiker am Samstag mit Uhlír einen wahren Virtuosen auf seinem Instrument und Fixstern der tschechischen Jazz-Szene dabeihatten.

Rasant und energiegeladen entlockt er seinem warmklingenden Kontrabass markante Töne. Weit über den Klangkörper gebeugt steht er da, sodass sich die greifende und die zupfende Hand schon fast am Ende des Griffbretts treffen. Die Saiten lässt er derart kräftig schwingen, dass es förmlich durchs Gewölbe schnalzt. Und auch die ein oder zwei Mal, wenn Uhlír zum Bogen greift, entlockt er seinem Bass einem ansprechenden, vollmundigen Klang oder nervenaufreibendes Flageolett. Ein ums andere Mal muss er sich nach einer arg halsbrecherischen Partie gar auf die beanspruchten Finger pusten.

Art of Piano: Roberto Magris beeindruckt am Flügel

Doch natürlich gehören zum Trio immer drei, und auch Magris und Helesic treten die Flucht nach vorne an, auch bei ihnen gibt es wenig Zeit für Atempausen. Magris lässt seine Finger bis an die äußersten Ränder der Klaviatur perlen, Helesic wischt, trommelt, klopft und schlägt auf seinen Becken herum und sorgt ganz unaufgeregt stets für die richtige Perkussion.

Auch wenn die Stücke der Combo – größtenteils Eigenkompositionen, ab und zu auch Werke anderer Jazzer – zum Teil melancholische Namen tragen, wie etwa „Search for peace“ oder „Song for an African Child“, so ist die Grundstimmung ihrer Musik doch positiv und unbeschwert. Besondere Leichtigkeit und ein wenig Dolce Vita verströmt etwa „Italy“, welches Magris als Ode an die Vorbilder aus seinem Heimatland interpretiert. „From Heart to Heart“ wiederum nimmt mit in die Prager Jazz-Szene und stellt erneut Uhlírs Können ins Zentrum. Alle Stücke aber verbindet ihr warmer und emotionaler Klang, der es nicht schwer macht, der Musik des Trios zu lauschen.

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