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Politik in Neuburg

24.05.2020

Warum Neuburg noch digital hinterherhinkt

Beim Thema Digitalisierung ist Neuburg nach Gerhard Schoder im Vergleich zu anderen Städten „hinten dran".
Bild: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Plus Gerhard Schoder ist Referent für „Innovation und Digitales“. Dieses Referat wurde ganz neu geschaffen. Warum das dringend nötig war und worum es dabei geht.

Referat für Innovation und Digitales. Das klingt nicht schlecht, irgendwie cool. Und es ist das erste seiner Art in Neuburg. Als zuständigen Referenten hat sich der Neuburger Stadtrat einstimmig für den 39-jährigen IT-Experten Gerhard Schoder entschieden.

Kommunalwahl 2020: Gerhard Schoder verlor in der Stichwahl

Schoder war bei den Kommunalwahlen ursprünglich als OB-Kandidat für die Grünen angetreten und hatte in der Stichwahl gegen den amtierenden Oberbürgermeister von der CSU, Bernhard Gmehling, ein achtbares Ergebnis von 41 Prozent erzielt. Anschließend gönnten ihm die Christsozialen und die Freien Wähler jedoch nicht einmal das Amt des dritten Bürgermeisters und wählten in diese Position lieber Peter Segeth (CSU).

Gerhard Schoder ist Referent für „Innovation und Digitales".
Bild: Christian Eschner

Obwohl Gerhard Schoder gerne Neuburgs Oberbürgermeister oder wenigstens einer der Stellvertreter geworden wäre, sieht er sein Referat nicht als Trostpflaster. Im Gegenteil: Der 39-Jährige misst dem Themenbereich eine große Bedeutung zu. Das Referat hätte seiner Ansicht nach schon vor sechs Jahren eingeführt werden müssen, nun sei Neuburg bei der Digitalisierung im Vergleich zu anderen Städten „hinten dran“. Es ist fünf vor 12 – wenn nicht schon fünf nach...

Warum Neuburg noch digital hinterherhinkt

Digitalisierung sei mittlerweile in allen Betrieben und im Alltag angekommen, sagt Schoder. Das wisse er, weil er sich in seinem Beruf täglich damit beschäftigt. Dennoch werde das Potential von innovativen, digitalen Mitteln im Stadtrat nicht ausreichend reflektiert. Dabei gebe es in Neuburg durchaus ein paar „Inseln der digitalen Exzellenz“. So nennt der Fraktionsvorsitzende der Grünen die Unternehmen, die „digital weit vorne sind“, sich in Neuburg aber teilweise „recht einsam“ fühlten. Als Beispiel hierfür nennt er die Firma Sonax. Zwischen diesen Inseln liegt ein weites, weniger digitales Meer, um in Schoders Bild zu bleiben, ohne Brücken, die darüber führen. Die will der 39-Jährige nun bauen.

Er will Verbindungen schaffen zwischen den Inseln, einen digitalen Informationsfluss, und den Breitbandausbau weiter vorantreiben. Damit nicht noch mehr Firmen wegziehen, nur weil zum Beispiel die Internetverbindung zu langsam ist. Und auch die Digitalisierung der Stadtverwaltung steht ganz oben auf Schoders Liste, etwa die Einführung elektronischer Akten, so genannter E-Akten. Nur wenn die Digitalisierung nicht auf einzelne Inseln beschränkt bleibe und die Gebiete und Menschen dazwischen nicht abgehängt werden, werde Neuburg auch in Zukunft attraktiv für Bürger, für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sein, ist sich Schoder sicher.

Neuburgs Grünen-Politiker Schoder sieht das Referat als Querschnittsaufgabe an

Der Grünen-Politiker sieht das Referat für Innovation und Digitales als Querschnittsaufgabe an – über die gesamte Verwaltung und städtischen Betriebe hinweg, nach innen, aber auch nach außen in die verschiedensten Bereiche hinein wie Wirtschaft, Bildung und Kultur. „Das macht es so spannend“, findet Schoder, aber auch „anstrengend und umfangreich“.

Gerade ist er dabei, mit allen Beteiligten zu sprechen und auszuloten, was am dringendsten ist und was noch warten kann. Davon abgesehen will der 39-Jährige dem Stadtrat mit seiner Digitalkompetenz als Berater dienen, um zukünftige Investitionen in entsprechende Bereiche besser zu verstehen und zu vertreten. Außerdem sieht er sich als Anlaufstelle für Bürger im Stadtrat, wenn es um neue Ideen geht hinsichtlich der digitalen Kommune oder dem Zugang zu städtischen Service-Leistungen.

Wie schon im Wahlkampf so scheint Gerhard Schoder auch jetzt voller Elan an seine neue Aufgabe heranzugehen. Missgunst gegenüber seinen Stadtratskollegen, die ihn in der konstituierenden Sitzung nicht zum dritten Bürgermeister gewählt haben, merkt man ihm zumindest im Gespräch nicht an. Während NR-Leserbriefschreiber die Stadtratsentscheidung als „vertane Chance“ und sogar als „unfair“ bezeichneten, resümiert der 39-Jährige ruhig: „Das war eine Mehrheitsentscheidung. Die ist demokratisch zu akzeptieren.“ Gleichwohl es ein schönes Signal gewesen wäre, hätte man den Stellvertreterposten mit einem Grünen-Politiker besetzt. Als Zeichen dafür, dass der Wählerwille zähle, und dafür, dass man den Umweltschutz ernst nehme. Nun hofft Schoder, dass es in Zukunft im Stadtrat nicht mehr um Machtpolitik geht, sondern darum, Neuburg voranzubringen.

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