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Neuburg

06.04.2021

Warum Neuburger Störche jetzt um ihre Horstplätze kämpfen

Die Weißstörche sind zurück aus dem Winterquartier, wie hier auf dem Schwedentor in Rennertshofen. Die Plätze im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen werden allerdings langsam knapp.
Foto: Winfried Rein

Plus Rückkehrer aus Afrika haben oft das Nachsehen. Jetzt sind 29 Standorte im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit Störchen besetzt. Aprilkälte bedroht die Brut und fordert die Storcheneltern.

Die Störche klappern und brüten bereits fleißig auf den Dächern im Landkreis. Das eisige Aprilwetter passt aber gar nicht dazu: Wenn die Störchin die Eier stundenlang allein lassen muss, bedeutet das meist den Kältetod für die Küken.

Im schlechtesten Fall könnte es zu Verlusten wie in der Saison 2015/16 kommen. Damals erfror die Brut in fast 20 Nestern. Nur vier Storchenpaare konnten Junge großziehen. Kälte und Dauerregen lässt die Nester auskühlen. Wenn die Temperatur nicht unter Null Grad sinke und immer ein Storchenpartner den Nachwuchs hütet, dann dürfte nichts passieren, meint der Neuburger Storchenkenner Gunter Weinrich.

Neuburg-Schrobenhausen: Störche verteidigen ihre Nistplätze

Ein Wechsel zwischen Rekordpopulation und großen Verlusten gehört zu den Abläufen der Natur. Im Moment sieht es im Kreis Neuburg-Schrobenhausen bei den Weißstörchen erneut nach einer Bestandsmehrung aus. Der Andrang der Rückkehrer aus den Winterquartieren führte in einigen Fällen zu Kämpfen um die Horstplätze. In Burgheim verteidigte das Storchenpaar seinen Stammplatz gegen plötzlich aufgetretene „Kampfstörche“. In Straß hatte es sich ein neues beringtes Paar auf der Dorflinde eingerichtet und zu brüten begonnen, als die Störche des Vorjahres ankamen – vier Wochen später, weil sie den Winter vermutlich in 10.000 Kilometer Entfernung in Afrika verbrachten. Die Alten vertrieben die Fremden und zerstörten deren bebrütetes Ei.

Im Kampf um die Plätze geht es offenbar immer brutaler zu. Als langjähriger Beobachter hält Gunter Weinrich den Storchenbestand im Landkreis für ausreichend und „fast schon zuviel“. Jedes Paar beansprucht einen gewissen Lebensraum mit etwa 200 Hektar Grünland und schnappt sich in Hungerzeiten auch Maulwürfe und Vogelküken. Ein Jungstorch vertilgt täglich ein Pfund Lebendfutter. Der Rückgang von Wiesenbrütern und Singvogelarten bereitet den Ornithologen mehr Sorge als der Storch.

In Schainbach wandert Horst auf einen Handymast

Von den zuletzt 28 Standorten im Landkreis ist einer auf den Salzsilos in Stengelheim weggefallen. Die Gemeindevertreter haben das Nest aus Sicherheitsgründen abbauen lassen. Zwei Störche standen danach etwas „ratlos“ auf den Silos. In Schainbach bei Ehekirchen ist an Ostern bereits ein Ersatzquartier angenommen worden. Die Pfarrvertreter wollen die Störche nicht mehr auf dem Kirchendach haben und bieten einen nahen Masten als Ersatz an.

Schrobenhausen kann seinen Ruf als „Storchenstadt“ mit zwei weiteren Standorten untermauern. Derzeit gehen dort insgesamt neun Storchenpaare in die neue Saison. Auch der exponierte Platz auf dem Rathaus ist nach Abschluss der Sanierung seit dem 3. März wieder mit einem (neuen) Paar besetzt. Wenn es so weitergeht, kann man bald von einer Storchenkolonie Schrobenhausen sprechen.

2020 hat der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit 60 Jungstörchen kräftig zur Bestandserhaltung beigetragen. Bayernweit bricht die Storchen-Statistik mittlerweile regelmäßig Rekorde. Der letzte lautete auf 750 Storchenpaare mit 1500 Jungen im vergangenen Jahr. Bundesweit vergrößerte sich das Aufkommen in zehn Jahren von 4600 Brutpaaren (2010) auf zuletzt 7500.

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