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Neuburg

23.01.2020

Warum es immer weniger Skifreizeiten gibt

Pisten, Loipen, Berge, weiß – und die Sonne über den Gipfeln: Für viele ist das der Inbegriff von Winter.
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Plus Immer weniger Klassen fahren ins Skilager. Stattdessen bieten Schulen Alternativen an - auch in Neuburg. Der Abschied vom Wintersport hat Gründe.

Es gibt da diese eine Woche im Winter, in der Unterricht plötzlich Spaß macht. Kurz nach Weihnachten, oft Anfang Januar schicken Schulen ihre Klassen mit zwei, drei Bussen ins Skilager, um schneebedeckte Alpenhänge abzufahren. Jedenfalls war das früher so. Inzwischen aber senden immer weniger weiterführende Schulen ihre Mittelstufen zum Skikurs, das stellt auch der Deutsche Lehrerverband fest. Aber woher kommt’s? Ist die Freizeit nicht mehr zeitgemäß? Und was machen die Schüler stattdessen?

„Wir stellen uns diese Frage seit Langem“, sagt Schuldirektorin Sonja Kalisch. Deshalb gebe es an der Paul-Winter-Realschule seit zehn Jahren schon ein erweitertes Konzept: die Wintersportwoche. Etwa die Hälfte der Jugendlichen entscheide sich für das alternative Programm, schildert Sonja Kalisch. Sie können zum Beispiel Schlittschuh laufen, ein Iglu bauen oder Rodeln gehen. Das stärke den Team-Gedanken ungemein. Die andere Hälfte, die das Skifahren dennoch bevorzuge, könne weiter die Hänge hinabsausen. Ein pädagogischer Kompromiss also, der sich auf viele Aspekte positiv auswirkt. Etwa auf den Geldbeutel der Eltern, die ihrerseits nicht mehr für Ski-Pass und Equipment-Leihe der Kinder aufkommen müssen. Auf das Befinden der Schüler, die selbst eine Wahl treffen können. Und ganz massiv auf Pisten, Loipen und die Umwelt, die durch Skifahrer weniger belastet werden.

Die Siebtklässlerinnen der Maria-Ward-Realschule sind von ihrer Freizeit indes erst zurückgekommen. Vom Bayerischen Wald, wo auf Ökologie geachtet werde, erklärt Direktor Heribert Kaiser. Auch an dieser Neuburger Einrichtung legen Lehrer Wert darauf, Jugendlichen mehrere Möglichkeiten zu bieten. Während der Zeit im Bayerischen Wald stehen die Schülerinnen demnach nicht nur auf Skiern, sondern auch in Schlittschuhen. Außerdem können sie in einem Hallenbad vor Ort schwimmen oder gemeinsam Eisstockschießen. Regine Heilmann organisiert die Woche.

Besonders in Bayern hat das Skifahren Tradition

Für die Klasse sei die Fahrt wichtig, sagt sie, weil sich die Jugendlichen währenddessen weiterentwickeln, sich bewegen und sportlich betätigen können. „Sie lernen, sich besser einzuschätzen.“ Und kommen an ihre Grenzen. Auf das Skifahren würde die Sportlehrerin nicht verzichten. Zumal der Sport besonders in Bayern und Süddeutschland Tradition habe. Dass sich die Siebtklässlerinnen darüber beschweren, kommt selten vor. „Früher gab es dahingehend mehr Nachfragen, das Thema Umwelt war präsenter“, erzählt Regine Heilmann, 25 Jahre später, in Zeiten von Fridays for Future.

Der Klimawandel zeichnet sich in den Alpen bereits deutlich ab, wie die OECD-Studie zeigt. Eine Erwärmung um lediglich ein Grad könnte dazu führen, dass nur noch ein Drittel der deutschen Skigebiete schneesicher ist, heißt es in der Zusammenfassung. Geht man weniger optimistisch von vier Grad Erwärmung aus, bleibt nur das Skigebiet an der Zugspitze übrig – alle anderen liegen dann zu niedrig für in Zukunft deutlich über der Tausend-Meter-Marke liegenden Schneegrenze. Die meisten Skigebiete in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Südtirol liegen zwar in größerer Höhe, doch auch hier reicht die natürliche Schneemenge kaum noch aus. Schon heute sind die Hälfte aller Skigebiete in den Alpen auf technische Beschneiung aus Schneekanonen angewiesen.

Auch am Descartes-Gymnasium finden Skilager noch traditionell statt. In diesen Tagen werde den Schülern allerdings nicht nur das Skifahren beigebracht, erklärt Direktor Peter Seyberth. Vielmehr würden sie auch darin unterrichtet, wie man sich auf der Piste verhält. „Sodass das Fahren nicht zulasten der Natur geht.“ Zudem achtet die Einrichtung darauf, nur in alteingefahrene Ski-Gebiete wie etwa Zell am See zu reisen. So lernten die Schüler, dass das Nutzen von Skigebieten „nicht per se eine Sünde ist, sondern auch zum Lebensunterhalt der einheimischen Bevölkerung beiträgt“, erläutert der Schulleiter.

Skigebiete haben einen massiven Konkurrenzdruck

Tatsächlich sind Skigebiete heute Wirtschaftsbetriebe, unter denen enormer Konkurrenzdruck herrscht. Das bestätigt auch Florian Mayer vom Ski-Club Karlshuld. Natürlich brauchen diese Areale Energie, um betrieben zu werden, räumt er ein. Gleichzeitig aber gehöre der Sport zu einer etablierten Tourismus-Branche, mit der Menschen ihren Unterhalt finanzieren. „Man muss beide Seiten betrachten“, mahnt der Abteilungsleiter des Clubs. Ohnehin halte er es für bedenklich, Sportarten des Klimas wegen in der Masse zu verteufeln. Zumal man als Einzelner einiges dafür tun könne, um den Sport umweltverträglich zu betreiben. „Wir in Bayern haben Skigebiete direkt in der Nähe. Wenn man Fahrgemeinschaften bildet, vielleicht mit dem Bus fährt, dann spart man zum Beispiel einiges an CO2. ein.“

Die Frage nach der CO2-Bilanz sei eine grundsätzliche, sagt Fritz Füßl als Schulleiter der Neuburger FOS/BOS. Schüler seien bei Studienfahrten auch deshalb mit Omnibussen und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Mit diesen reisen die Jugendlichen aber hin und wieder auch ins Ausland, wo die Schule Partnerschaften pflegt. Das sei jedes Mal eine Güterabwägung, erklärt Fritz Füßl. „Wo ich aber Völkerverständigung fördern will, dort muss ich Schüler in andere Länder schicken.“ Umwelt einerseits, Kulturen andererseits: Es muss Platz für beides sein, betont der Schulleiter. Denn gerade für die Entwicklung der Schüler sei es wichtig, mit Menschen persönlich in Kontakt zu kommen. „Manchmal muss man sich einfach treffen.“ Ob nun in Portugal oder auf der Piste.

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