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Langenmosen

20.10.2020

Warum in Langenmosen Könige und Scheichs ihr Auto lackieren lassen

Norbert Müllers Typhoon ist ein Prototyp – die anderen beiden Exemplare kauften Scheichs aus Dubai.
Bild: Müller (Archiv)

Plus Norbert Müller ist Lackierermeister in Langenmosen. Zu seinen Kunden gehören Könige, Scheichs und Elon Musk. Was den Erfolg des 54-Jährigen ausmacht.

Ein Schiebedach für ein ziviles Minenschutzfahrzeug des Königs von Jordanien, Rennautos für Scheichs aus Dubai, ein Hyperloop (Hochgeschwindigkeitsverkehrssystem, das durch Vakuumröhren geschossen wird) für einen Wettbewerb von Elon Musk und ein Eurofighter für die Bavarian Tigers – Norbert Müller hat jede Menge Geschichten von ungewöhnlichen Fahrzeuglackierungen und illustren Begegnungen zu erzählen. Denn der Lackierermeister aus Langenmosen ist Spezialist für besondere Aufträge. Die bekommt er aus dem ganzen süddeutschen Raum und darüber hinaus immer dann, wenn es etwas zu lackieren gibt, was nach herkömmlichen Erfahrungen unmöglich scheint.

„Wenn ich gefragt werde: ’Norbert, geht das?’, dann sage ich: ’Nein das geht nicht, aber wir machen das’“, plaudert der 54-Jährige aus dem Nähkästchen. So ein vermeintlich unmöglicher Auftrag kann zum Beispiel ein Teil sein, das aus drei verschiedenen Materialien, Kunststoff, Carbon und Metall, besteht und einheitlich lackiert werden soll. Sein Geheimnis? Ein Lächeln, ein Achselzucken, dann meint Müller, vielleicht habe er einfach das richtige Gefühl für sein Handwerk und die Materialien, „weil ich schon fast 40 Jahre Berufserfahrung habe und sehr viel gemacht habe, so dass ich weiß, welcher Füller passen könnte“. Füller, das sind die Verbindungsstoffe zwischen Lack und dem Untergrund. „Manchmal arbeite ich dann mit verschiedenen Füllern“, verrät er.

Lackierermeister aus Langenmosen arbeitet mit Prototypen

Die Herausforderung ist es, die ihn reizt, weshalb er die Idealbesetzung ist, wenn es um die Lackierung von Prototypen geht. Ein Freund hat eine andere Erklärung für sein Können: „Der Müller, der denkt nicht lange nach, sondern macht einfach“. Wobei es ihm völlig egal ist, ob das Teil, das vor ihm liegt, 200 oder 20 Millionen Euro wert ist. So ist es schon vorgekommen, dass er ein Auto im Wert von 1,5 Millionen Euro auf einem Hänger nach Berlin zur ILA (Internationale Luftfahrtausstellung) transportiert hat.

„So was kann man nicht versichern“, erinnert er sich schmunzelnd. „Elon Musk ist auch so einer wie ich, der will mit einer Rakete zum Mond fliegen“, meint der Langenmosener, der heuer schon einen Termin für ein Treffen mit dem Tesla-Chef hatte. Coronabedingt musste es ausfallen. „Aber irgendwann sehe ich ihn, wenn er wieder hier ist, das ist mir versprochen worden“, sagt Müller.

König von Jordanien bekam Schiebedach aus Langenmosen

Etwa 15 Jahre ist es her, dass der König von Jordanien, Abdullah II. bin al-Hussein, bei Mercedes in Stuttgart ein ziviles Sicherheitsfahrzeug bestellt hat. Solche Fahrzeuge werden üblicherweise ganz normal am Band hergestellt und dann zu einer Spezialfirma geschickt, die das Auto wieder auseinanderbaut und die Teile panzert. Kein Standard ist allerdings ein Schiebedach in einem solchen Fahrzeug, das sogar Minen standhält.

Die Spezialfirma schickte Müller daher gleich zwei Dächer mit der Bitte, ein Schiebedach hinein zu konstruieren. Denn der Langenmosener ist nicht nur Lackierermeister, sondern hat sich autodidaktisch über die Jahre auch noch den Beruf des Autospenglers angeeignet. „Ursprünglich wollte ich Autospengler lernen, aber in meinem Ausbildungsbetrieb gab es das nur alle zwei Jahre, dazwischen wurden Lackierer ausgebildet“, erzählt er. Von den beiden Dächern wäre eins zum Üben gewesen. „Aber es hat im ersten Versuch geklappt“, sagt er. Das fertig lackierte Dach ging zurück an die Spezialfirma und wurde in Österreich mit der Karosserie verheiratet, wie es im Fachjargon heißt.

Müller fährt zu Tuningtreffen in ganz Deutschland

Eine ungewöhnliche Geschichte hat auch sein eigenes Rennauto Typhoon. Es ist der Prototyp für weltweit lediglich drei Fahrzeuge, die alle in seiner Firma in Langenmosen lackiert wurden. Die beiden anderen gingen an Scheichs nach Dubai. „Dort spielt Geld keine Rolle, die bauen sich Rennstrecken und fahren mit PS-starken Autos private Rennen“, erzählt Müller.

Die auffällige Folierung seines Typhoon entspricht dem des Eurofighters „Cybertiger Typhoon“, an dessen Folierung für die Bavarian Tigers er mitgearbeitet hat – auch das ein Spezialauftrag, denn es gab damals kein Verfahren, die Tanks am Eurofighter zu entlacken und neu zu lackieren. Autorennen wie die Scheichs fährt Müller mit seinem Typhoon nicht. Allerdings präsentiert er das Auto immer wieder bei Tuningtreffen in ganz Deutschland.

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