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Natur um Neuburg

26.05.2020

Was Baumstümpfe auf der Wiese sollen

Ein Paradies für Insekten ist diese blütenreiche Wiese bei Sinning.
Bild: Annemarie Meilinger

Aus dem Hochwasserdorf Moos siedeln Menschen ab, auf der anderen Seite wird das Gebiet bereits wieder aufgeforstet. Es entstehen so genannte Ausgleichsflächen, die dort die Natur zurückbringen.

Das Dorf Moos, das zur Gemeinde Burgheim gehört und im Überschwemmungsgebiet der Donau liegt, verändert sich. Seit einigen Jahren können die Bewohner „absiedeln“, und viele Mooser haben es bereits getan. Einige Anwesen sind schon verschwunden, bald werden wieder zwei Häuser abgerissen. Auf der anderen Seite entsteht in Moos wieder Neues: zwei frei gewordene Flächen sind mit Obstbäumen bepflanzt, und seit einigen Jahren wird auch aufgeforstet – und noch etwas passiert in Moos.

Neuburg-Schrobenhausen: Auf einer Fläche östlich von Moos wurden 17 Wurzelstöcke verteilt

Auf einer Fläche östlich von Moos wurden vor ein paar Wochen 17 mächtige Wurzelstöcke auf einer Wiese verteilt, was Bewohner und Passanten veranlasste, nachzufragen, „wozu das wohl gut sein soll“. Doch dann ist nichts mehr passiert. Schuld ist wieder einmal Corona, denn die Aufforstung, die auf dieser Fläche durchgeführt werden sollte, ist – wegen der Virus-Krise – auf den Herbst verschoben.

Weil in Moos mit der Absiedlung auch einige landwirtschaftliche Flächen nicht mehr gebraucht werden, werden sie oft zu „Ausgleichsflächen“. Für die Planung, Durchführung und Kontrolle dieser Flächen sind eigentlich die Gemeinden zuständig. Im Fall von Moos kümmert sich der im Landratsamt angesiedelte Donaumooszweckverband um diese Aufgaben. „Ökoflächenmanagement“ heißt der Bereich, den seit über drei Jahren Jan Rauschenberger übernommen hat. In dem von ihm ausgearbeiteten Kulturplan für die neue, 23.800 Quadratmeter große Mooser Erstaufforstungsfläche hat er über 40 verschiedene Baum- und Straucharten ausgewählt, die für den an dieser Stelle entstehenden Laubwald geeignet sind.

Was Baumstümpfe auf der Wiese sollen

Von Grau-Erle bis Flatterulme sollen zwölf verschiedene Baumarten im Wald wachsen, am Rand auch verschiedene Sorten von Wildobst wie Vogelkirsche und Wildbirne. Über den Strauchmantel, der die Fläche ringsum umgibt werden sich die Vögel freuen: Wildrosen, Schneeball, Weißdorn – 25 verschiedene Straucharten laden zum Nisten ein. Eine angrenzende etwas kleinere Fläche ist bereits bepflanzt und „entwickelt sich gut“, erzählt Rauschenberger. Der artenreiche Wald und das verrottende Altholz in Form der Wurzelstöcke sollen von Anfang an für günstige Bedingungen für Insekten, Vögel und Kleinsäuger sorgen. Diese Flächen sollen ein Ausgleich sein für eine Bebauung, die anderswo stattfindet und bei der Flächen für immer verbraucht, das heißt überbaut oder versiegelt werden.

Bundesnaturschutzgesetz: Bei Eingriffen in Natur und Landschaft für einen Ausgleich gesorgt werden

Seit 1976 im Bundesnaturschutzgesetz diese Regelung eingeführt wurde, muss bei Eingriffen in Natur und Landschaft für einen Ausgleich gesorgt werden. Wird ein Baugebiet – für Wohnen, Industrie oder Gewerbe – ausgewiesen, muss die Natur einen Ersatz erhalten, beispielsweise in Form von Flächen, die aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen werden. Wird abgeholzt, muss an anderer Stelle wieder – nach einem festgelegten Schlüssel – aufgeforstet werden. Doch nicht alle Gemeinden kommen dieser Pflicht nach. Nach einer Erhebung des Bundes Naturschutz 2018 sind schätzungsweise die Hälfte der gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen in Bayern nicht wirksam oder wurden erst gar nicht umgesetzt. Viele Gemeinden kommen ihren Verpflichtungen nicht nach oder verschleppen die Ausführung - schließlich sind auch landwirtschaftliche Flächen inzwischen knapp und teuer geworden.

Jan Rauschenberger ist für die Aufforstung einer Fläche in Moos zuständig. 17 Wurzelstöcke liegen schon da, die Arbeit ruht wegen Corona bis Herbst.
Bild: Annemarie Meilinger

Dass sich die Ausgleichsflächen für die Natur lohnen, kann man an vielen Stellen in der Gemeinde Oberhausen beobachten. Weil in der Gemeinde in der Vergangenheit viel gebaut wurde, sind auch viele Ausgleichsflächen entstanden. Beispielsweise in Sinning, wo an einem sandigen Südhang ein artenreiches Biotop geschaffen wurde. Zwar haben einige Bäume zwei trockene Sommer nicht überstanden, doch die Wiese blüht bunt und üppig wie man heute kaum noch Wiesen blühen sieht. Maus, Fuchs und Vögel fühlen sich dort offensichtlich zuhause und Schmetterlinge flattern zwischen den Blüten. Fast so wie früher, als viele Wiesen so aussahen.

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