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Neuburg-Schrobenhausen

22.05.2020

Was Corona für die Azubis der Region bedeutet

Viele Betriebe in der Region haben Corona-bedingt Kurzarbeit angemeldet.
Bild: Felix Kästle, dpa (Symbolfoto)

Plus Geschlossene Berufsschulen, Kurzarbeit, vertagte Prüfungen: Das Virus hat sich vielfältig auf den Alltag von Betrieben und Berufseinsteigern ausgewirkt. Wie schlimm sind die Konsequenzen für den hiesigen Lehrstellenmarkt?

Als sich das Virus schleichend ausbreitete, stand ein Großteil der Wirtschaft still. Berufsschulen waren geschlossen, Prüfungen abgesagt. Für die Auszubildenden in der Region gestaltete sich der Weg durch die Pandemie besonders ungewiss. Jetzt, da die Infektionszahlen ein leichtes Aufatmen zulassen, fragen sich viele, welche Konsequenzen die Krise für die Lehrstellen offenbart.

Neuburg-Schrobenhausen: Die Zahl der Ausbildungsstellen steigt

Als Sprecher der Agentur für Arbeit in Ingolstadt hat Peter Kundinger Einblick in die Sorgen der Branchen. Grundsätzlich, sagt er, sei die Situation relativ schwierig. Durch Corona fielen Möglichkeiten wie persönliche Vorsprachen und Praktika weg, was die Suche nach Ausbildungsplätzen für junge Menschen sicherlich hemme. Eine Entwicklung, die sich auch in den Zahlen niederzuschlagen scheint. Denn während sich seit Oktober 471 Bewerber im Kreis Neuburg-Schrobenhausen (Stand April 2020) bei der Agentur für Arbeit gemeldet haben, waren es im Vorjahreszeitraum noch 149 weniger. Demgegenüber gibt es aktuell 600 Ausbildungsstellen, 15 Stellen mehr als im Jahr 2019.

Was Corona für die Azubis der Region bedeutet

Durch die Krise, fährt Peter Kundinger fort, kämen weitere Probleme hinzu, die die Ausbildung in den Hintergrund geraten lassen. Der Auftragsmangel auf Arbeitgeberseite etwa. Fehlende Optionen zur Kontaktaufnahme auf Bewerberseite. Besonders schlimm betroffen von den Auswirkungen der Pandemie seien die Bereiche Tourismus und Einzelhandel, aber auch Hotellerie und Gastronomie hadern mit den Folgen des Virus. In vielen Betrieben seien Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Eine gewisse Zurückhaltung, was den Lehrstellenmarkt betrifft, sei aber quer durch alle Branchen spürbar. Immerhin, sagt der Sprecher – „es gibt erste Zeichen, dass das Ganze wieder Fahrt aufnimmt.“

Wie viele Schüler am Ende des Sommers tatsächlich eine Lehre in Neuburg und Umgebung aufnehmen werden, lässt sich noch nicht sagen. Fest steht aber, dass „wir uns momentan in einer heißen Phase“ befinden. Denn normalerweise, erzählt Peter Kundinger, würden nun Ausbildungsverträge unterschrieben. „Wir sind auf der Zielgerade, das Schuljahr neigt sich dem Ende. Hier werden die beruflichen Weichen gestellt.“ Dass müsse man sich bewusst machen, mahnt er. So habe es zwar schon vor Corona einen Fachkräftemangel gegeben. Wenn man allerdings nicht aufpasse, könnte sich die Lage verschärfen. Die Stabilisierung des Lehrstellenmarkts sei daher umso dringender.

IHK Ingolstadt: Corona betreffe die Auszubildenden doppelt

Die Corona-Pandemie betreffe die Auszubildenden doppelt, im Ausbildungsbetrieb und in den Berufsschulen, sagt Elke Christian, die die Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer, kurz IHK, in Ingolstadt leitet. Demnach mussten viele Unternehmen innerbetriebliche Abläufe verändern, haben Stillstand erlebt – erleben ihn aktuell – oder mussten Kurzarbeit anmelden. Manche, berichtet sie, hätten ihre Mitarbeiter und Azubis ins Homeoffice geschickt. Ebenso hatten Berufsschulen Home-Schooling angeboten. Nun, sagt Elke Christian, kehrten die Schüler in ihre Klassen zurück. Die Übergangszeit aber hatte zumindest etwas Gutes: „Die schubhafte Digitalisierung des Unterrichts hat natürlich Herausforderungen mitgebracht, andererseits aber auch den Erwerb neuer Kompetenzen bei der Nutzung moderner digitaler Medien gefördert.“

Das Angebot an Lehrstellen in Bayern in den letzten Jahren ging weit über die Bewerberzahlen hinaus. Diese Lücke könnte durch die derzeitige Situation geringer werden, glaubt die Geschäftsstellenleiterin. Doch legten einige Faktoren nahe, darunter auch das große Interesse der Betriebe an Nachwuchsfachkräften für die Zeit nach der Corona-Krise, dass der Ausbildungsmarkt trotz Pandemie so stabil bleibe, dass für jeden ausbildungswilligen Schulabgänger ein Platz zur Verfügung steht.

Ähnlich optimistisch äußert sich Jens Christopher Ulrich von der Handwerkskammer Oberbayern. Die vorübergehende Schließung von Betrieben, ausfallende Praktika und Vorstellungsgespräche hätten einiges verändert. Allerdings glaubt er, dass sich solche Aspekte der Berufsfindung einfach um einige Wochen und Monate nach hinten verschieben werden. Das liege auch daran, dass sich die Unternehmen auf Bedingungen der Regierungen, beispielsweise Hygiene-Maßnahmen, erst einstellen müssten.

Wegen der Krise habe die Ausbildung zwischenzeitlich an Priorität verloren – bei Schülern wie bei Betrieben. Nach Pfingsten werde sich das wohl ändern, meint Jens Christopher Ulrich. Diese zeitliche Verschiebung, sagt er, sei nicht ungewöhnlich, im Gegenteil. „Es gibt Jahre, da gehen Bewerbungen bis Ende Mai ein, in anderen Jahren passiert das meiste erst im Juli, August und September.“ Ein Fazit will der Sprecher für dieses Jahr daher noch nicht ziehen.

Jobs in Corona-Zeiten: Die Schwächsten dürfen nicht ihre Zukunftschancen verlieren

Damit die Schwächsten wegen der Pandemie nicht ihre Zukunftschancen verlieren, bemühen sich Ämter und Einrichtungen weiter um berufliche Aufklärung. Die Agentur für Arbeit Ingolstadt hat zum Beispiel den Aktionstag „Dreimal die 8 – Ausbildungsstelle klargemacht!“ organisiert. Dabei informieren Ansprechpartner mit Expertise Berufseinsteiger und Interessierte über eine eingerichtete Hotline, erläutert Peter Kundinger. Denn wichtig sei, dass das Thema Ausbildung nicht an Bedeutung verliert. Gerade was Standortsicherheit, demografische Entwicklung und die Zukunft von Betrieben angeht, sei sie das A und O. Gleichzeitig sei sie für Bewerber eine wichtige Basis, „um in ein hoffentlich sorgenfreies Leben zu starten“.

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