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Karlshuld/Eichstätt

17.01.2020

Was bringt Wahlwerbung?

Wahlwerbung polarisiert: Schon in der Vergangenheit gab es Streit um Standorte und Aussagen von Plakaten, so vor der Bundtagswahl 2013 in der Theresienstraße in Neuburg.
Bild: Norbert Eibel (Archivfoto)

Kommunalwahl: Das Image ist wichtiger als die Inhalte. Und Automatismus spielt eine Rolle, sagen Experten

Die Posse um Zeit und Ort der Wahlplakatierung hat den Kommunalwahlkampf in Karlshuld angefacht. CSU-Gemeinderäte hatten sich erbost darüber gezeigt, dass die Freien Wähler auf Privatgrund vor dem im Gremium vereinbarten Termin am Drei-Königs-Tag für ihre Kandidaten geworben und buchstäblich eine Minute nach Ablauf der Frist begonnen hatten, den besten Platz auf dem Beska-Platz am Kreisel in Beschlag zu nehmen (NR berichtete). Jenseits aller Aufgeregtheit stellt sich die Frage: Was bringt Wahlwerbung eigentlich? Wir haben nachgefragt.

Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov hatte nach der Bundestagswahl 2013 eine Studie vorgelegt, die den Einfluss von Wahlwerbung auf die tatsächliche Wahlentscheidung als relativ klein einstufte: Nur neun Prozent der Wähler gaben damals an, dass Parteienwerbung hilfreich bei der Wahlentscheidung gewesen sei.

Wahlwerbung: Die Professoren sind unterschiedlicher Ansicht über die Wirksamkeit

Professor Klaus Stüwe vom Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt relativiert diese Erkenntnis. „Wahlwerbung wirkt sehr wohl“, sagt er. „Sonst würden es die politischen Parteien ja nicht machen.“ Werbung im öffentlichen Raum habe immer einen Effekt, allerdings müsse man differenzieren: „Erstens, was bringt es inhaltlich, und zweitens, wie wirkt sich das auf die Wählermobilisierung aus.“ Inhaltlich zu punkten gelinge kaum, glaubt der Politikprofessor – aufgrund der Komplexität der Politik. Wirksam seien vielmehr plakative Aussagen und überzeugende Slogans. „Inhaltliche Aspekte treten stark in den Hintergrund“, so der Wissenschaftler. Aufmerksamkeit könne mit Wahlwerbung aber sehr wohl erregt werden, „die Bürger nehmen das subtil wahr“.

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Wahlwerbung hilft vor allem unbekannteren Kandidaten

Kollege Professor Klaus Meier vom Lehrstuhl für Journalistik verweist auf Studien, die der Wahlwerbung einen sehr geringen Effekt hinsichtlich der Wahlbeteiligung zuschreiben. „Die steigt um ein Prozent, wenn man plakatiert. Wenn aber alle plakatieren, hebt sich der messbare Effekt wieder auf.“ Am ehesten, sagt der Professor, helfe Wahlwerbung unbekannteren Politikern, die so präsenter würden. „Am Ende“, sagt Klaus Meier, „geht es darum, Stammwähler zu mobilisieren und Wechselwähler zu gewinnen“. Damit dies gelinge, müssten glaubwürdige Botschaften transportiert werden. „Es geht um’s Image. Kandidaten müssen sympathisch rüber kommen, die Plakate müssen deshalb stimmig sein, die Bilder zu den Aussagen passen.“

Am besten wäre es, findet er, die Parteien würden sich im Wahlkampf darauf einigen, auf Werbung ganz zu verzichten. „Es verschandelt sowieso nur die Ortschaften und der Nutzen ist begrenzt.“ Doch dafür seien Absprachen nötig, an die sich jeder halten müsse. In Karlshuld hat das, je nach Sichtweise, nur bedingt funktioniert. Automatismus spiele eine Rolle, unterstreicht Klaus Stüwe. „Wenn eine Partei mit Wahlwerbung anfängt, müssen die anderen nachziehen.“

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