1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Was heißt schon vergebens?

Ingolstadt

28.01.2018

Was heißt schon vergebens?

„Wasted“ ist ein Stück über missglückte Lebensentwürfe, am Samstag hatte es im Stadttheater in Ingolstadt Premiere. Auf dem Video im Hintergrund sind Marc Simon Delfs, Yael Ehrenkönig und Felix Steinhardt zu sehen, im Vordergrund ist Maximilian Haberzettel.
Bild: Jochen Klenk

Bei Wasted kann das Publikum im Stadttheater jungen Menschen beim Erwachsenwerden zuschauen

Die Welt ist schlecht, das Leben ist eines der härtesten und eigentlich wissen wir gar nicht, wozu wir an diesem Abend im Theater zusammengekommen sind. Die drei Akteure aus „Wasted“ (Yael Ehrenkönig, Marc Simon Delfs und Felix Steinhardt) lassen von Anfang an keinen Zweifel daran: Sie werden nichts Neues zeigen können. Stattdessen versprechen sie „etwas von uns“, etwas „Echtes“.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Zehn Jahre ist es her, dass der gemeinsame Freund Tony bei einem Autounfall ums Leben kam. Und wie immer, wenn der Tod ins angeblich geordnete Leben einbricht, etwas aufbrechen lässt, eine Lücke reißt, eine Wunde schlägt, die nicht verheilen will, geht es bei den Hinterbliebenen zur Sache. Charlotte und Danny, irgendwie ein Paar, und Ted rutschen berauscht in eine brutal traurige Lebensbilanz, bei der kein Stein auf dem anderen bleibt.

Die angesagte britische Spoken-word-Artistin und Musikerin Kate Tempest, Jahrgang 85, hat 2011 sich selbst und ihren Zeitgenossen so um die Dreißig ein kleines, böses Stück über missglückte Lebensentwürfe zugeeignet: Enttäuschung, Überdruss, Angst vor Gewöhnung und Routine, auch vorm Älterwerden, Angst vor Beziehungen, die sich verändern, zerbrechen oder, schlimmer noch, kaputt am Leben gehalten werden, Perspektivlosigkeit, Panikattacken, Depression und Drogenprobleme. Dazu kommen ein falsches Selbstbild und fortwährender Selbstbetrug.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Regisseur Donald Berkenhoff widersteht der Versuchung der x-ten verlorenen Generation bierernst und tief tragisch ein Mahnmal zu errichten. Wir sehen, traurig genug, junge, sehr selbstbezogene Menschen beim Jammern, das hat weder kathartische Wirkung noch wäre es politisch relevant: Egoismus zu dritt.

Die Bühne im Kleinen Haus des Ingolstädter Stadttheaters ist ein handtuchbreites Möbellager mit Zimmerpflanzen vor der offenbar unvermeidlichen Leinwand. Stefano di Budio (Bild) und David Rimsky-Korsakow (Ton) zeigen, was man machen kann, aber nicht müsste.

Mit fast vollkommenen Reimen – die sehr schöne, eigenständige deutsche Übersetzung geht auf das Konto von Judith Holofernes – und unerwartet optimistisch, ganz so, als hätte man die heftigen Sachen vorher gar nicht so ernst gemeint, endet das Stück: „Du verdienst alles, was du zu träumen wagst, aber du kannst nicht fliegen, wenn du vorm Sprung verzagst“. Die Welt ist also nicht schlecht, sie steht dir offen, spricht die Dichterin, nur du bist zu.

Termine Weitere Aufführungen: 31. Januar, an acht Abenden im Februar und fünf weiteren im März, jeweils um 20 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren