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Vortrag

29.06.2018

Was ist Tradition, was Brauchtum?

Dr. Ansgar Reiß (rechts), Direktor des Armeemuseums in Ingolstadt, begrüßte Oberst Dr. Sven Lange aus dem Verteidigungsministerium, der in Ingolstadt über den neuen Traditionserlass der Bundeswehr referierte.
Bild: Manfred Dittenhofer

Im Armeemuseum wird der neue Traditionserlass der Bundeswehr diskutiert

Diese Gelegenheit ließen sich einige aktive und noch mehr ehemalige Soldaten und Offiziere nicht entgehen. Denn mit Oberst Dr. Sven Lange war einer der maßgeblichen Urheber des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr ins Armeemuseum nach Ingolstadt gekommen. Der Referatsleiter im Bundesministerium für Verteidigung, Bereich Führung Streitkräfte, ist zuständig für den Traditionserlass, der im März 2018 von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen unterzeichnet wurde.

Wie einige Ereignisse zeigten, tut sich die Bundeswehr mit dem Begriff Tradition schwer. Und auch der neue Erlass will kein Traditionskatalog sein. Denn, so Oberst Lange, Tradition definiere jeder für sich. Der Traditionserlass aber schließt explizit die Wehrmacht und die NVA als Institutionen aus. Ganz einfach aus dem Grund, weil sie unter Unrechtsregimen nicht den heutigen Werten der Bundeswehr und damit dem Grundgesetz folgten. Und genau das sei Basis für Traditionswürdigkeit, so Lange weiter. Wobei er durchaus einschränkte, und mit diesem Thema auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zitierte, dass die Bundeswehr und ihre Soldaten ein zwar anschlussfähiges aber nicht unbedingt identisches Traditionsverständnis zur restlichen Gesellschaft haben müssten.

Lange betonte auch, dass ein manchmal sehr gedankenloser Umgang der Truppe mit der Wehrmacht Anlass gewesen sei, einen neuen Traditionserlass zu formulieren. „Der tiefere Grund allerdings waren die tief greifenden Veränderungen, die seit dem Inkrafttreten des letzten Traditionserlasses 1982 geschehen sind.“ Stichwort: Wiedervereinigung, Ende des Kalten Krieges, Auslandseinsätze. Nach 60 Jahren ihres Bestehens konzentriert sich die Bundeswehr bei der Traditionspflege nun auf ihre eigene Geschichte.

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Was aber ist überhaupt Tradition? Selbst unter den fachkundigen Zuhörern herrschte Uneinigkeit. Denn die Frage, wieso es einen militärischen Gruß gibt oder woher bestimmte Uniformmerkmale kommen, hat eigentlich nichts mit Traditionspflege zu tun. Lange stellte vielmehr klar, dass solche Details vielmehr militärisches Brauchtum seien. Und nur weil die Wehrmacht und die NVA als Institutionen nicht traditionsbildend für die Bundeswehr sein dürften, heiße das nicht, dass nicht einzelne Soldaten und Ereignisse durchaus in die Tradition der Bundeswehr aufgenommen werden können. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerverordnung versucht der neue Traditionserlass nicht, Traditionswürdiges zu definieren. Der Traditionserlass schließt vielmehr bestimmte Institutionen und Sachverhalte aus und bildet so einen Rahmen. Das Bild aber müssten die Soldaten füllen, allen voran die Vorgesetzten, so Lange. Unerlässlich für eine angemessene Traditionspflege sei eine fundierte geschichtliche Bildung, die, das gestand der Referent ein, in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden sei. Nun gehe man sehr aktiv mit unterschiedlichen Publikationen auf Soldaten und Führungspersonal zu. Denn Traditionspflege beginnt in jedem militärischen Verband bereits mit dem Kontakt zu Ehemaligen. Und wer die Tradition der vielen aufgelösten Verbände pflegt, sei eine weitere Frage, die noch nicht beantwortet ist.

Oberst Lange war im Rahmen einer Vortragsreihe ins Armeemuseum eingeladen worden, die sich „Forum Armeemuseum“ nennt und von der Gedächtnisstiftung 17. (Bayerisches) Reiterregiment getragen wird. Deren Stiftungsratsvorsitzender General a. D. Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg war unter den Zuhörern. Die Stiftung wurde 2003 gegründet und hält ein Regiment im Gedächtnis, das von der Wehrmacht aufgelöst worden war und aus dessen ehemaligen Mitgliedern viele Widerstandskämpfer gegen Hitler kamen. Der Bekannteste war der Vater von von Stauffenberg.

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