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Neuburg

15.11.2019

Was junge Politiker in Neuburg bewegen wollen

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion der JU Neuburg mit Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (ganz links) von links: Julia Abspacher (JU), Lars Schnauber (Freie Wähler), David Munzinger (FDP), Bernd Schneider (SPD) und Gerhard Schoder (Grüne).
Foto: Christof Paulus

Von jeder Partei den jüngsten Stadtratskandidaten hatte die Junge Union eingeladen. Es war ein Erfolg – auch wenn es nicht immer die Jüngsten waren, die kamen.

Wenn der CSU-Nachwuchs zu einer Podiumsdiskussion lädt – vier Monate, bevor Neuburg einen neuen Stadtrat und einen Oberbürgermeister wählt – und dabei explizit fünf junge Kandidaten auf das Podium setzt, dann könnte einiges schief gehen. Am Donnerstagabend in der Rennbahn war das Gegenteil der Fall. Dort fand die Podiumsdiskussion „Neuburg aus deiner Sicht“ statt, bei der die Junge Union (JU) die im Stadtrat vertretenen Parteien um ihren jeweils jüngsten Kandidaten für die Stadtratswahl gebeten hatte.

So hätte es passieren können, dass die Diskussion zur platten Werbeveranstaltung für JU und CSU-Ideen wird, die Gäste der anderen Parteien zu Statisten degradiert. Doch das Gefühl hatte am Ende des Abends niemand. Neben Julia Abspacher, 23, und Vertreterin der JU, saßen Stadtratskandidaten der Freien Wähler, FDP, SPD und Grünen. Sie alle fühlten sich merklich fair behandelt und bekamen die gleiche Plattform und den gleichen Raum für ihre Ideen, den Moderator Bernhard Mahler auch JU-Kandidatin Abspacher einräumte.

Diskussion in Neuburg: Kandidaten der Parteien für den Stadtrat diskutieren um Inhalte

Oder es hätte passieren können, dass die Redner es versäumen, ihre Inhalte zu präsentieren – um stattdessen auf die politischen Gegner loszugehen. Immerhin boten sich für jeden mindestens gleich vier greifbare Ziele nebenan auf dem Podium. Stattdessen entwickelte sich zu den Themen eine Diskussion, die Krankenhauspfarrer Anton Tischinger als „Wettstreit der Ideen“ bezeichnete. Er saß im Publikum und meldete sich zum Ende der Diskussion zu Wort - ganz so, wie es gewünscht war: Die Gäste sollten sich einbringen und Fragen stellen, ein Großteil des Abends war für Diskussionen mit dem Publikum vorgesehen.

Und auch hätte es passieren können, dass Diskussionen ausarten, die Fronten zwischen den meist älteren Fragestellern und den jungen Diskutanten verhärten. Freilich, so manche Frage aus dem Publikum konnte durchaus provozieren – als etwa die Rede von den „pleitegehenden Stadtwerken“ war, schaltete sich gar Oberbürgermeister Bernhard Gmehling von seinem Platz neben den Diskutanten ein. Gmehling sollte dort eigentlich als Helfer dienen, Zahlen aus der Stadt und Antworten zu Sachfragen beisteuern, wenn die Faktenlage einmal unklar sein sollte. Im Laufe des Abends schaltete er sich aber immer häufiger in die Diskussion ein.

Zwei Kandidaten für das Amt als Oberbürgermeister saßen auf dem Podium

Von denen, die neben ihm saßen, war Gmehling übrigens nicht der Einzige, der für das Amt als Oberbürgermeister kandidiert. Denn das Konzept, dass jede Partei ihren jüngsten Stadtratsbewerber zur Diskussion schickte, ging nicht ganz auf – bloß auf Abspacher und FDP-Kandidat David Munzinger traf dies zu. Für die SPD saß der 29-jährige Bernd Schneider auf dem Podest, für die Grünen der zehn Jahre ältere Gerhard Schoder – wie Schneider Spitzenkandidat seiner Partei. Dabei fiel auf, wie konkret die Pläne Schneiders schon sind – und wie wenig er sich scheut, voranzupreschen.

So wünscht er sich unter anderem am Wochenende eine autofreie Untere Altstadt, ein Pfandsystem für Kaffeebecher zum Mitnehmen – um weniger Plastikmüll zu produzieren – ein Verbot von Glyphosat im Neuburger Stadtgebiet oder einen kostenlosen Stadtbus. Wenn es nach ihm ginge, dann sollten Teile der Stadtverwaltung in das Gebäude der VR-Bank am Schrannenplatz ziehen, bei dem noch unklar ist, wie es in Zukunft genutzt werden soll. Wer das bezahlen solle, hakte Moderator Mahler nach. „Ich finde einen“, antwortete Schneider ohne zu zögern.

Junge Politiker wollen weniger Verkehr in Neuburg

Die Ideen Schneiders schienen unter seinen Kollegen durchaus Zuspruch zu finden – ähnlich war dies bei vielen Vorschlägen, die sie in die Runde einbrachten. Darin, den Verkehr in der Neuburger Innenstadt zu reduzieren, waren sich alle einig, indem man den Stadtbus häufiger fahren lässt und mehr Fahrradwege baut. Auch für mehr Wohnraum setzten sie sich ein – bevorzugt durch mehr Etagen auf bestehenden Gebäuden statt neuen Baugebieten. Unübersehbar war die Harmonie zwischen Schneider und seinem Sitznachbar Schoder, die bei einem Handschlag zwischen den Beiden noch während der Diskussion ihren Höhepunkt fand.

Aus der Reihe tanzte diese Geste nicht. Immer wieder fiel der Satz: „Ich möchte mich meinem Vorredner anschließen.“ Sogar Gmehling bekam mehr als ein Lob – unter anderem vom Grünen Schoder, der sich vom Aufbau des Nahwärmenetzes in Neuburg begeistert zeigte. Einzig Lars Schnauber von den Freien Wählern fand hier und da die Gelegenheit, ein wenig zu widersprechen. Mutig seine Anmerkung, dass das Potential der Oberen Altstadt – für ihn eine der schönsten Altstädte Oberbayerns – nicht ausgeschöpft werde, er sich mehr Besucher dort wünsche.

Vier Themenkomplexe in Neuburg: Verkehr, Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und Hochschulcampus

Wie fünf alte Hasen saßen die Kandidaten auf dem Podium, kamen zu keinem Zeitpunkt ins Schwimmen. Das lag womöglich daran, dass zumindest Schnauber und Schoder lange keine Jugendlichen mehr sind – sondern Familienväter weit über 30. Aber dass der Abend so gelang lag auch daran, dass es klare Regeln gab: Vier Themenkomplexe behandelten die Diskutanten – Verkehr, Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und den Hochschulcampus – jeder hatte genau 60 Sekunden Zeit für seine Position zum jeweiligen Thema. Die Diskussion im Anschluss dauerte exakt 15 Minuten. Nur ein Thema wollte sich nicht so recht an die Regeln halten: Was auch immer gerade eigentlich zu diskutieren war – das Thema Verkehr kam wieder und wieder auf den Tisch. Den Weg zurück zum aktuellen Diskussionspunkt fanden die Teilnehmer mit etwas Hilfe von Mahler immer wieder schnell. Dann konnte er wieder weiter gehen: Der Wettstreit der Ideen.

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