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Interview

05.02.2015

Was tun im Donaumoos?

G. Brandmaier
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G. Brandmaier

Gerhard Brandmaier arbeitet im bayerischen Landwirtschaftsministerium. Er hat mit unserer Zeitung über Fördermöglichkeiten für Landwirte in Moorgebieten gesprochen

Das Donaumoos ist Süddeutschlands größtes Niedermoor. Gleichzeitig ist es ein von Landwirten vor allem für den Ackerbau genutztes Gebiet. Das Problem dabei: Die Umweltbilanz fällt umso schlechter aus, je intensiver die Nutzung der Moorböden ist. Durch die landwirtschaftliche Nutzung gehen jährlich mehrere Zentimeter an Torfboden verloren, was zu einer für das Klima schädlichen Kohlendioxidfreisetzung führt. Damit die Landwirte ihre Flächen anders oder weniger intensiv nutzen, bietet das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im neu aufgelegten bayerischen Kulturlandschaftsprogramm verschiedene Fördermöglichkeiten an. Wir haben darüber mit Gerhard Brandmaier vom zuständigen Förderreferat gesprochen.

Herr Brandmaier, warum ist es gerade im Donaumoos so wichtig, dass sich bei der landwirtschaftlichen Nutzung etwas ändert?

Weil es nur eine Frage der Zeit ist – das kann aber durchaus noch Generationen dauern – bis die zum Teil noch mehrere Meter dicke Torfschicht aufgebraucht ist.

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Was muss konkret getan werden?

Es müsste eine extensivere, das heißt, schonendere Nutzung betrieben werden, zum Beispiel eine Grünlandnutzung, bei der keine Bodenbearbeitung, zum Beispiel mit einem Pflug, stattfindet. Denn sobald Sauerstoff an den organischen Boden kommt, beginnt ein Zersetzungsprozess, der klimaschädliches Kohlendioxid, aber auch Methan und Lachgas freisetzt.

Wieso passiert diese extensivere Nutzung nicht schon längst?

Eine extensive Nutzung ist nicht so ertragreich. Die Landwirte – und ich spreche hier vor allem von den Haupterwerbsbetrieben – würden nur noch einen Bruchteil dessen erwirtschaften, was möglich ist, müssten damit aber weiterhin ihren Lebensunterhalt finanzieren.

Und hier kommt der Freistaat ins Spiel?

Genau. Deshalb gibt es das bayerische Kulturlandschaftsprogramm, das KULAP, mit bestimmten Fördermaßnahmen für Landwirte, die von Acker auf Grünlandnutzung umsteigen. Das bayerische Landwirtschaftsministerium stellt durch KULAP Möglichkeiten zur Verfügung, die der Landwirt freiwillig beantragen kann. Dabei gilt der Grundsatz „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“. Das KULAP schafft Anreize für eine umweltschonende Bewirtschaftung. Wenn sich nichts ändert – insbesondere beim Gewässerschutz – ist zu befürchten, dass die Schrauben irgendwann angezogen werden und es Verordnungen gibt, die einzuhalten sind, ohne dass es einen finanziellen Ausgleich gibt.

Welche Förderungen sind im Kulturlandschaftsprogramm enthalten?

Zum einen die einzelflächenbezogene Maßnahme B29 „Umwandlung von Ackerland in Grünland entlang von Gewässern und in sonstigen sensiblen Gebieten“. Hierbei erhalten die Landwirte 570 Euro pro Hektar, wenn die Fläche als Wiese, Weide oder Mähweide genutzt wird. Diese Förderung kann mit der ebenfalls flächenbezogenen Maßnahme B30 „Extensive Grünlandnutzung entlang von Gewässern und in sonstigen sensiblen Gebieten“ kombiniert werden, die mit 350 Euro pro Hektar dotiert ist und weder eine Düngung noch den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel gestattet.

Deckt diese Summe den Ertragsverlust der Landwirte?

Das KULAP ist so konzipiert, dass es einen vollen Ausgleich des Mehraufwands und der Mindererträge bietet. Allerdings handelt es sich bei der Prämie um eine Mischkalkulation, die landesweit angewendet wird. Insofern kann sich für den konkreten Einzelfall auch nur ein Teilausgleich ergeben. Die Summe erreicht vermutlich nicht den Spitzenertrag eines spezialisierten Kartoffelanbaubetriebs.

Ist eine Umstellung mit Hilfe von KULAP für jeden Landwirt sinnvoll?

Jeder Landwirt sollte sich individuell beraten lassen und nicht nur die jeweilige Prämie vor Augen haben. Dies gilt insbesondere für die im KULAP angebotenen betriebs- und betriebszweigspezifischen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung des Gesamtbetriebs. Ansprechpartner sind hier die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Bei einem Milchviehbetrieb wäre die Umstellung wohl einfacher als bei einem Ackerbauern. Zu sagen ist, dass die Kosten, die anfallen, um den Gesamtbetrieb umzustellen, nicht durch KULAP finanziert werden.

Läuft das Programm irgendwann aus? Bis wann müssen die Landwirte einen Antrag stellen?

Es gibt jedes Jahr einen Zeitraum für die Antragsstellung. Heuer läuft die Frist noch bis zum 27. Februar. Der Landwirt verpflichtet sich für fünf Jahre, das heißt, für 2015 bis 2019, in der nächsten Antragsperiode dann für 2016 bis 2020.

Lohnt es sich für die Landwirte, abzuwarten? Wird es Änderungen bei den Fördermitteln geben?

Derzeit gehen wir nicht davon aus. In Bayern stehen für das KULAP bis 2020 mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung, das sind knapp 190 Millionen Euro im Jahr. KULAP ist damit Deutschlands größtes Agrarumweltprogramm. Wir müssen erst einmal sehen, wie viele Anträge eingehen. Sollte es auf Grund der hohen Nachfrage zu einem finanziellen Engpass kommen, müssen wir für die Zukunft möglicherweise reagieren. Bei den Maßnahmen für sensible Gebiete wie Moore wollen wir die Dotierung allerdings so beibehalten.

Gibt es für die Landwirte noch eine alternative Anbaumöglichkeit?

Vor mehreren Jahren gab es ein Rohrkolben-Projekt, das allerdings gescheitert ist. Inzwischen ist die Zeit aber nicht stehengeblieben. In Norddeutschland gibt es Beispiele, wo sogenannte Paludi- oder Schilfkulturen angebaut werden. In Bayern gibt es dazu noch keine Erfahrungen. Bei einer Veranstaltung im „Haus im Moos“ vor wenigen Wochen wurde angeregt, den Anbau solcher Kulturen zu erproben. Eine Revolutionierung der Landbewirtschaftung im großen Stil ist davon allerdings nicht zu erwarten. Interview: Dorothee Pfaffel

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