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Neuburg-Schrobenhausen

24.07.2018

Wasser in Staustufe abgesenkt - wohl tausende Fische verendet

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So sieht der Bertoldsheimer Stausee derzeit aus. Um einen standfesten Untergrund für die neue Brücke zu bestimmen, finden seit vergangener Woche Bohrungen statt, die nur bei abgesenktem Wasserpegel durchgeführt werden können. Nach Auskunft eines Unternehmenssprechers bleibt der Zustand noch mindestens diese Woche.
Bild: Geyer

An der Bertoldsheimer Staustufe musste der Wasserpegel gesenkt werden. Jetzt beklagen Fischer ein massives Fischsterben - und erstatten Anzeige.

Brunhilde Bauch traute ihren Augen nicht. Als die Schriftführerin der Koppel-Fischereigemeinschaft aus Marxheim am Donnerstagabend am Bergwasser stand, einem Seitenarm der Donau zwischen Marxheim und Lechsend, offenbarte sich ihr ein Bild, das sie bis dato so noch nicht an dieser Stelle gesehen hat. Wo das Wasser sonst um die 1,50 bis zwei Meter hoch steht, gab es nicht mehr als ein schmales Rinnsal. „Ich war entsetzt“, erzählt sie.

Doch viel schlimmer für sie war das, was unter den zutage gekommenen Wasserpflanzen versteckt lag: verendete Jungfische. „Es müssen Tausende sein“, vermutet Brunhilde Bauch. Josef Hubbauer, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Donaufischer, geht sogar noch weiter und spricht von mutmaßlich hunderttausenden toter Fische.

Fischsterben: Niemand hat mit den Fischern gesprochen

Der Grund für das massenhafte Fischsterben liegt nach Ansicht der Fischer daran, dass der Donaupegel wegen der aktuellen Untersuchungen für die neue Donaubrücke bei Bertoldsheim zu schnell abgesenkt worden sei.

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Wie berichtet, werden seit Mittwoch vergangener Woche im Stausee vor der Donaubrücke Probebohrungen durchgeführt, um den Untergrund und damit die Standhaftigkeit für die Pfeiler bestimmen zu können. Zu diesem Zweck mussten 1,50 Meter Wasser abgelassen werden – was noch mindestens eine Woche lang so bleibt. Für die Notwendigkeit dieser Maßnahme hat Brunhilde Bauch durchaus Verständnis, nicht aber für die Vorgehensweise. Denn wie sie sagt, hätte das Wasser aus dem Stausee „ganz langsam über drei bis vier Tage hinweg“ gesenkt werden müssen, damit alle Fische, Muscheln und anderen Lebewesen genügend Zeit haben zu „flüchten“.

Das Bergwasser bei Marxheim: Wo sonst bis zu zwei Meter hoch das Wasser steht, zieht sich aktuell nur ein dünnes Rinnsal.
Bild: Brunhilde Bauch

Dies sei aber nicht passiert, weil – und das ist der zweite Vorwurf an die Verantwortlichen – niemand mit den Fischern über das Vorhaben gesprochen habe. Auch Bürgermeister Alois Schiegg sei nicht informiert worden. „Hätte man mit uns gesprochen, hätten wir darauf hinweisen können“, sagt die Marxheimerin verärgert.

Brunhilde Bauch: „Die ganze Brut ist vernichtet“

Der Schaden, der durch das unsachgemäße Vorgehen entstanden ist, sei immens. „Jetzt ist Laichzeit, das bedeutet, dass eine ganze Brut vernichtet ist. Das ist ein Schaden über Jahre hinweg“, beklagt Brunhilde Bauch. Tausende von Fischen und Muscheln seien vertrocknet – „das ist Tierquälerei in höchstem Maße“. Als Mitglied der Koppelfischereigemeinschaft, der insgesamt sechs Besitzer angehören, hat sie deshalb gestern Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Maya Gräfin Du Moulin Eckart aus Bertoldsheim, der ebenfalls ein Teil des Stausees gehört, hat es ihr gleichgetan, wie die Polizei Neuburg bestätigt. Die beiden Anzeigen wurden an die Wasserschutzpolizei Beilngries weitergegeben.

Die Absenkung des Donau-Pegels hat Kraftwerksbetreiber Uniper zu verantworten. Ihm liegt ein wasserrechtlicher Bescheid vor, wonach die Donau bis zu 1,50 Meter abgesenkt werden darf. Daran hätte sich das Unternehmen auch gehalten, sagt Pressesprecher Theodoros Reumschüssel auf Nachfrage. In diesem Rahmen sei die Absenkung, die am vergangenen Mittwoch eingeleitet wurde, „absolut behutsam erfolgt“. Gut 26 Stunden habe der Prozess gedauert.

Zur Erinnerung: Nach Ansicht von Brunhilde Bauch wäre ein Zeitraum von bis zu vier Tagen notwendig gewesen.

Dass die Fischfauna unter der jüngsten Maßnahme gelitten habe, bedauert Reumschüssel. „Es tut uns leid, wenn es zu Schäden gekommen ist.“ Außerdem gibt er zu, dass die Kommunikation insbesondere mit den Fischern besser hätte laufen können. „Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen.“

In den Wasserpflanzen haben die Jungfische Schutz vor dem zurückgehenden Wasser gesucht – und am Ende den Tod gefunden.
Bild: Brunhilde Bauch

Weigert: Das Wasserwirtschaftsamt ist zuständig

Auch die Wasserwirtschaftsämter in Ingolstadt und Donauwörth wurden von dem Vorhaben nicht informiert, wie Holger Pharion von der Behörde in Ingolstadt sagt. Erst durch die Anrufe von besorgten Fischern wegen des niedrigen Pegelstandes hätten sie davon erfahren. Was die umstrittene Dauer der Absenkung betrifft, so hat Uniper mit den von ihnen angesetzten 26 Stunden zumindest keinen Verstoß gegen den gültigen wasserrechtlichen Bescheid begangen. Denn in diesem seien keine entsprechenden zeitlichen Vorgaben fixiert, bestätigt Pharion. Seiner Einschätzung nach wäre es ohnehin Aufgabe des Landratsamtes gewesen, als Bauherr der neuen Brücke alle Beteiligten über die Probebohrungen und die damit einhergehende Wasserreduzierung zu informieren.

Das wiederum sieht Landrat Roland Weigert anders. Er sagt, dass seine Behörde alle notwendigen Genehmigungen für die Sondierung des Untergrunds eingeholt habe. Für die Auflagen, die wiederum Uniper als Kraftwerksbetreiber einhalten muss, sei dagegen das Wasserwirtschaftsamt zuständig. Das in diesem Zusammenhang von den Fischern beklagte Fischsterben werde aber nichtsdestotrotz seitens des Landratsamtes überprüft. „Die Untere Naturschutzbehörde ist bereits aktiv geworden.“

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