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Neuburg

26.03.2020

Wegen Corona: Neuburger Künstler bangen um ihre Existenz

Sepp Egerer und Jörg Sachse geben als Stasi-Mitarbeiter Dienstanweisungen, wie sich die Bevölkerung in Corona-Zeiten zu verhalten hat.
Bild: Kerstin Egerer

Plus Sepp Egerer verdient seinen Lebensunterhalt mit Auftritten vor Publikum. Und auch das Neuburger Volkstheater ist auf Eintrittsgelder angewiesen. Doch das Bühnenleben steht still – auch am Welttag des Theaters.

Es gibt viele Verschwörungstheorien über das Coronavirus, aber kennen Sie die schon: Das Virus ist eine Schöpfung von Anhängern der DDR, die die alten Verhältnisse wiederherstellen wollen. Klingt haarsträubend? Ja. Und irgendwie auch witzig. Diese These haben Sepp Egerer und Jörg Sachse aufgestellt. In zehn kurzen YouTube-Videos geben die beiden Schauspieler als Mitarbeiter der Staatssicherheit Dienstanweisungen, wie sich der Bürger verhalten soll. Die Videos seien aus der Not heraus entstanden, wie Egerer erzählt. Denn wie so viele freischaffende Künstler ist auch der Neuburger derzeit arbeitslos, seine Existenz bedroht.

Kultur in Neuburg: Wegen Corona finden keine Veranstaltungen statt

Seit das Coronavirus die Bundesrepublik erreicht hat, finden keine Veranstaltungen mehr statt. Inzwischen gibt es bekanntlich sogar Ausgangsbeschränkungen. Dadurch brach bei Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Bühnenshows vor Publikum bestreiten, plötzlich die Erwerbsgrundlage weg. „Mir fehlt meine Einnahmequelle“, sagt Sepp Egerer – und klingt am Telefon deutlich niedergeschlagener als sonst.

Doch der 47-Jährige trägt’s mit Fassung, sieht das Positive. „Wir gehen jetzt Projekte an, die wir sonst immer auf die lange Bank geschoben haben.“ Wie zum Beispiel YouTube-Videos. Sepp und Kerstin Egerer haben unter dem Titel „Mensch Egerer dich nicht“ einen eigenen Kanal auf der Internetplattform YouTube. Dort wollen sie demnächst für Kinder Fünf-Minuten-Märchen in Form szenischer Lesungen präsentieren, erzählt Sepp Egerer. Bisher hätten sie nie die Zeit gehabt, den Kanal richtig zu pflegen. Das soll sich jetzt ändern. Sodass der Kanal irgendwann, wenn er genug Abonnenten hat, zu einer Einnahmequelle werden kann.

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Ein anderes Projekt, für dessen Umsetzung bislang die Zeit fehlte, ist ein Hörspiel. Kerstin und Sepp Egerer nehmen gerade das Hörspiel zu „Der kleine Zimperlump“ auf, ein Theaterstück, das erst kürzlich im Neuburger Stadttheater Premiere feierte. Obwohl die Produktion noch gar nicht fertig ist, hilft sie den Egerers bereits finanziell.

Denn viele Fans würden die CD bereits bestellen und den Neuburger Künstlern das Geld vorab überweisen. „Es ist schön, dass die Menschen uns vertrauen, dass sie ein tolles Produkt bekommen“, sagt Sepp Egerer. Er hofft, dass die CDs in zwei bis drei Wochen ausgeliefert werden können. Die Hörspielproduktion ist für die Egerers aber nicht nur eine alternative Einnahmequelle, es macht ihnen auch Spaß. „Es war das erste Mal. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein“, verspricht Sepp Egerer.

Die Corona-Pandemie als harte Zeit für freischaffende Künstler

Ja, es sind harte Zeiten für freischaffende Künstler wie die Egerers. Denn auch wenn sie zurzeit nicht auftreten können, müssen sie trotzdem ihre Rechnungen begleichen – etwa den Beitrag zur Künstlersozialkasse und die Miete, so Sepp Egerer. Einen Soforthilfeantrag bei der Staatsregierung habe er schon gestellt, doch Rückmeldung sei keine gekommen. Bleibt die Ungewissheit: Ist der Antrag überhaupt eingegangen? Wird er Unterstützung bekommen? Sepp Egerer weiß es nicht. Und bei allen finanziellen Sorgen, stimmt den Neuburger auch noch etwas anderes traurig: Er vermisst sein Publikum. Über soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Twitter bleibt er mit seinen Fans in Kontakt. Wenn der 47-Jährige dort Kommentare zu seinen Videos liest, baut ihn das wieder ein bisschen auf.

Doch nicht nur Profis, auch Amateurschauspieler trifft die Corona-Krise mitten ins Herz. Das Neuburger Volkstheater, bei dem auch Kerstin und Sepp Egerer mitwirken, hätte heuer zu Ostern eigentlich „Romeo und Julia“ aufgeführt. Nun sind alle Vorstellungstermine abgesagt. Dabei hatte das Volkstheater bereits einiges an Geld in die Inszenierung gesteckt, berichtet Daniela Zimmermann, Vorsitzende des Neuburger Volkstheaters. Der Verein hatte extra eine Trainerin für Bühnenkämpfe engagiert. „Romeo und Julia“ soll nun im Frühjahr 2021 gezeigt werden.

Noch ungewiss ist, was aus der großen Freilichtaufführung von „Don Camillo und seine Herde“ im Sommer wird. Premiere soll am 26. Juni sein. Ob der Termin eingehalten werden kann, hängt vom Verlauf der Pandemie ab. Auch bei diesem Stück sind die Proben momentan unterbrochen. Mit Hilfe kleiner Videos sollen die Schauspieler das, was bereits einstudiert wurde, im Gedächtnis behalten, erzählt die Vorsitzende des Volkstheaters.

Freilichtaufführung von „Don Camillo und seine Herde“ im Sommer ungewiss

Eine Verlegung der Freilichtaufführung sei schwierig, sagt Zimmermann. Überlegungen gibt es aber bereits. Im Gespräch ist ein Zeitraum Ende August, Anfang September 2020 oder erst im Sommer 2021. Sollten beide Stücke des Neuburger Volkstheaters dieses Jahr tatsächlich ausfallen, werde auch die finanzielle Lage des Vereins „angespannt“ sein, wie Daniela Zimmermann sagt. Denn ohne Eintrittsgelder – nur mit Mitgliedsbeiträgen – könne man die Kosten für Miete, Kostüme und Bühnenteile nicht decken.

Wer das Hörspiel „Der kleine Zimperlump“ schon vorab bestellen möchte, kann dies bei den Egerers unter Telefon 08431/4325022 tun. Die Videos von Egerer zum Coronavirus sind auf YouTube unter dem Titel „DDR Corona Dienstanweisung“ zu finden oder über den Kanal „Mensch Egerer dich nicht“.

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