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Eichstätt

21.08.2019

Weihnachtlicher Fluchtversuch aus der Eichstätter Abschiebehaftanstalt

An Heiligabend 2018 gab es ein Feuer im Eichstätter Abschiebegefängnis. Zwei Angeklagte müssen sich jetzt vor dem Landgericht Ingolstadt verantworten.
Bild: Thomas Balbierer

Wollten Häftlinge des Eichstätter Abschiebegefängnisses das Chaos nach einem Brand nutzen, um auszubrechen? Ein Angeklagter gibt vor dem Landgericht Ingolstadt alles zu.

Chaos statt Besinnlichkeit, Blaulicht statt „Stille Nacht“: Am vergangenen Heiligabend war in der Abschiebehaftanstalt in Eichstätt nichts zu spüren von weihnachtlicher Ruhe. Stattdessen rückte gegen 18 Uhr ein Großaufgebot an Rettungskräften an. Polizei, Feuerwehr und Sanitäter wurden alarmiert, weil ein Insasse mit einem Tischbein wild um sich schlug und außerdem in seiner Zelle ein Berg aus Matratzen brannte. Dann versuchte auch noch jemand, über einen Zaun zu flüchten. Seit Mittwoch stehen zwei Männer vor dem Ingolstädter Landgericht. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Matratzen, Kleider und Papier an jenem Abend in Brand gesteckt haben. Das anschließende Chaos, so steht es in der Anklage, wollten sie für die Flucht nutzen. Wollten sie zuvor auch noch die anderen Gefangenen anstacheln? Die Staatsanwaltschaft jedenfalls geht davon aus und so ist in der Anklage auch von „versuchter Gefangenenmeuterei“ die Rede. Doch der Hauptangeklagte sagt nur, dass er die Mitinsassen allesamt über sein Vorhaben informiert hat, „aber ich habe keinen angestiftet“. Ansonsten hat er die gesamten Vorwürfe eingeräumt.

Keiner der anderen Insassen wollte sich im Eichstätter Abschiebegefängnis einer Revolte anschließen

„Für mich war das alles so schlimm“, sagte der 24-Jährige aus Aserbaidschan vor Gericht. Er saß seit rund sechs Wochen in der Abschiebehaft, habe weder Anwalt noch Arzt gehabt, immer wieder sei die Haft verlängert worden, „das hat mich auch aggressiv gemacht“. Er sei in einem „Käfig“ eingesperrt gewesen. Und so fasste er den Plan zur Flucht. Ganz allein, wie er vor Gericht erklärte. Als er anderen Insassen – damals waren es 82 – von dem Vorhaben berichtete, sei er auf taube Ohren gestoßen, keiner wollte sich einer Revolte anschließen. Und so stapelte er im kleinen Bad seiner Zelle die Matratzen übereinander und zündete alles an. Dann stürmte er auf den Gang und zerstörte mit einem Tischbein die Videokamera. Lediglich ein Gerät blieb heil.

Der Schaden, der bei dem Feuer in Eichstätt entstanden ist, beläuft sich auf rund 50.000 Euro

Die Angestellten zogen sich zurück, aus Angst, dass sie selbst zum Opfer – eines möglicherweise aufgestachelten Mobs – werden könnten. Doch auf den Gängen blieb es trotz des Feuers ziemlich unaufgeregt, wie die Filmaufzeichnungen zeigen. Als schließlich die Feuerwehr nach zehn Minuten vor Ort war, zog der Rauch bereits durch den Gang. Doch das Feuer konnte rasch gelöscht werden, aber der Schaden war beträchtlich und summierte sich auf rund 50.000 Euro. Ein Insasse kam nach dem Brand wegen einer Rauchgasvergiftung für einen Tag ins Krankenhaus, ein anderer hatte Kreislaufprobleme erlitten.

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Während einer der Angeklagten alles gestanden hat, ist die Rolle des zweiten noch unklar. Der 36-Jährige aus Tadschikistan war der Zellengenosse des Jüngeren und soll auf einer Videoaufzeichnung als der Mann zu erkennen sein, der zu fliehen versucht. Zu keiner Zeit habe er das Vorhaben unterstützt, auch wenn er informiert gewesen sei, beteuerte er. Vielmehr habe er sogar noch versucht, zu löschen und einen anderen Insassen zu retten.

Beide Angeklagte haben erklärt, dass sie Deutschland möglichst bald verlassen möchten.

Der Prozess wird am Freitag, 23. August, fortgesetzt.

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