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Neuburg-Schrobenhausen

25.11.2019

Welche Bewerber die Freien Wähler in den Kreistag schicken

Bekennende Freie Wähler: Die Kandidaten für den Kreistag. 
Bild: Peter Abspacher

Ganz oben auf der Liste steht Landrat Peter von der Grün – obwohl er gar nicht in das Gremium gewählt werden kann.

Bei Nominierungen für kommunale Listen liegt die Zustimmungsquote der Mitglieder oft bei exakt 100 Prozent. So war es auch bei der Kreisversammlung der Freien Wähler in Langenmosen. Genau 94 von 94 Stimmberechtigen votierten mit Ja. Nach ein paar, gelinde gesagt, Unebenheiten bei den Freien Wählern in Neuburg und um den Kreis-Ehrenvorsitzenden Klaus Brems war das vielleicht nicht unbedingt zu erwarten. Manche hatten zumindest ein paar Enthaltungen für möglich gehalten.

Aber es kam anders, und das passte zu der optimistischen, lockeren Stimmung der Versammlung in Langenmosen. Die Liste der Freien Wähler zur Kreistagswahl im März 2020 mit 60 Kandidaten plus sieben Ersatzleuten stieß auf volle Zustimmung. Die Liste setzt dabei drei Signale: Sie ist weiblicher, jünger und die kleineren, ländlichen Gemeinden sind in der Relation stärker vertreten als etwa die Kreisstadt Neuburg. Wie es Tradition ist bei den Freien.

Freie Wähler sind auf dem Land stärker vertreten

So tauchen allein aus Karlshuld oder Burgheim jeweils sechs Namen auf der Liste auf, aus Rennertshofen und Langenmosen je fünf, vier aus Ehekirchen, drei aus Aresing. Die Stadt Neuburg ist mit neun Namen auf der Liste, inklusive Ersatzleute, präsent. Vergleicht man die Einwohnerzahlen – Neuburg ist gut sechsmal so groß wie etwa Burgheim – dann zeigt sich ein typisches Merkmal der Freien Wähler: Ihre Stärke liegt seit jeher auf dem Land, dort sind sie tiefer verwurzelt als in den Städten.

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Spitzenkandidat ist Peter von der Grün, der erst Anfang des Jahres neu gewählte Landrat. Auf Platz zwei steht sein Amtsvorgänger Roland Weigert, jetzt Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Mitglied des Landtags. Eine Konstellation, die in ganz Bayern Seltenheitswert haben dürfte. Und die erst durch eine Gesetzesänderung möglich geworden ist. Zuvor hätte der amtierende Landrat nicht für den Kreistag kandidieren können, falls nur dieses Gremium neu zu wählen ist, nicht aber der Landrat selbst. Peter von der Grün weiß, dass es darüber Debatten geben könnte, denn als amtierender Landrat kann er gar nicht in den Kreistag gewählt werden. Er ist also reiner „Stimmensammler“ für seine Partei. Auch andernort, etwa bei der CSU und SPD in den Landkreisen Coburg und Regen, gibt es ein vergleichbares Vorgehen. „Also gleiches Recht für alle“, so von der Grün.

Freie Wähler haben im Kreistag bislang 20 Sitze

Bisher sind die Freien Wähler mit 20 Köpfen im Kreistag vertreten, darunter nur zwei Frauen. Das ist eine wenig berauschende Quote von zehn Prozent, „Das kann, das muss mehr werden“, sagte Kreisrätin Anita Kerner (Neuburg), die auf Platz 17 der Bewerberliste steht. Und die Aussichten stehen nicht schlecht: Auf den aussichtsreichsten Plätzen sind diesmal vier Frauen zu finden, angeführt von der Rennnetshofenerin Ulrike Polleichtner (Platz 6), die in ihrer Heimatgemeinde auch als Bürgermeisterkandidatin antritt, gefolgt von Bianca Glöckl (Karlshuld/11), Elisabeth „Sissi“ Schafferhans (Neuburg/15) und Anita Kerner. Der Frauenanteil in der neuen Fraktion könnte sich also ohne Weiteres verdoppeln. Auch eine Verjüngung der FW-Liste ist zu erkennen, in der künftigen Fraktion wird der Altersdurchschnitt schon deshalb sinken, weil Urgesteine wie Karlshulds Bürgermeister Karl Seitle, der frühere Burgheimer Gemeindechef Albin Kaufmann oder auch Benno Baur nicht mehr antreten.

Das ist aber auch eine Herausforderung, was das erklärte Ziel angeht, die 20 Sitze zu halten. Vor allem Seitle, aber auch andere Ältere waren starke Stimmenfänger, sie fehlen künftig. Landrat von der Grün und Kreisvorsitzender Florian Herold ließen anklingen, das die Marke von 20 Kreisräten „durchaus ambitioniert“ sei. Schon wegen der zusätzlichen Konkurrenz von rechts und wohl auch von links sei die Herausforderung größer geworden. Aber die Marke 20 sei erreichbar.

Im Wahlprogramm der Freien Wähler steht auch das Kreiskrankenhaus

Peter von der Grün und sein Vorgänger Roland Weigert sehen eine wichtige Aufgabe für die Freien Wähler. Wenn die Ränder stärker werden, komme es noch mehr als bisher auf die Kraft der Vernunft, auf die pragmatische, bürgernahe Politik der Freien Wähler an. „Da wächst uns Verantwortung zu.“

Ein detailliertes Programm werden die Freien Wähler noch vorlegen. Im Gespräch mit der Neuburger Rundschau nannte Peter von der Grün aber schon vorab ein paar wichtige Punkte: Ausbau und Fortentwicklung der Schullandschaft, wie etwa den Bau der Paul-Winter-Realschule in Neuburg, dann stünden große Investitionen in die Gymnasien Schrobenhausen und Neuburg an. Die Sicherung der Kreiskrankenhauses in Schrobenhausen ist ein zentrales Anliegen, so von der Grün, dazu wird auch ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Karlshuld eine guten Beitrag leisten, sozusagen als Filiale von Schrobenhausen. Der Landrat weiß, dass es nicht einfach wird, das Kreiskrankenhaus als Angebot der wohnortnahen klinischen Versorgung langfristig zu erhalten, „aber ich bin da guten Mutes“.

Haben bei der Nominierungsversammlung der Freien Wähler ihre Stimme abgegeben: (von links) Hans Habermeyer, Bernhard Pfahler, Rennertshofens Ex-Bürgermeister Ernst Gebert, Waldemar Voh und Friedhelm Lahn.
Bild: Peter Abspacher

Für eine bessere Beteiligung der Jugend an der Kreisentwicklung lässt von der Grün bereits Möglichkeiten prüfen, ein „sehr gutes“ Gespräch mit Jugendvertretern hat schon stattgefunden. Ob es künftig ein Jugendparlament auf Kreisebene oder zum Beispiel Themenkonferenzen für junge Leute geben wird, sei noch nicht entschieden. „Wir sind offen für mehrere Optionen“.

Beim ÖPNV will der Landrat weitere Verbesserungen. Einen großen Schritt wie ein Jahresticket für 360 Euro, das alle Schüler, Studenten und Auszubildende umfasst, kann sich von der Grün längerfristig vorstellen. „Aber nur, wenn es dafür sehr starke Förderung durch den Freistaat gibt, wie beim Modellversuch in der Region Nürnberg.“ Allein könnte der Landkreis so etwas niemals stemmen.

Und das sind die Bewerber für ein Kreistagsmandat:

  1. Peter von der Grün (47), Landrat aus Rennertshofen
  2. Roland Weigert (51), Staatssekretär und Kreisrat aus Karlshuld
  3. Florian Herold (40), Personalleiter aus Neuburg
  4. Ludwig Bayer (66), Landwirtschaftsmeister, Bezirks,-, Kreis- und Gemeinderat aus Rennertshofen
  5. Harald Reisner (58), Beamter und Stadtrat aus Schrobenhausen
  6. Ulrike Polleichtner (55), Justizverwaltungsamtfrau und Dritte Bürgermeisterin aus Rennertshofen
  7. Michael Lederer (45), selbstständiger Kaufmann und Vize-Bürgermeister aus Karlshuld
  8. Paul Strixner (59), Landwirt, Kreis- und Gemeinderat aus Ehekirchen
  9. Helmut Roßkopf (59), Gemeindearbeiter, Bürgermeister und Kreisrat aus Berg im Gau
  10. Günter Gamisch (56), Bürgermeister und Kreisrat aus Ehekirchen
  11. Bianca Glöckl (43), selbstständige Kauffrau und Gemeinderätin aus Karlshuld
  12. Heinrich Seißler (59), Bürgermeister und Kreisrat aus Königsmoos
  13. Franz Mehner (52), Zimmerermeister und Kreisrat aus Langenmosen
  14. Rudolf Koppold (62), Rentner, Kreis- und Stadtrat
  15. Elisabeth Schafferhans (62), Kindergartenleiterin aus Neuburg
  16. Roland Harsch (46), Unternehmer, Kreis- und Stadtrat aus Neuburg
  17. Anita Kerner (46), Raumausstatterin und Kreisrätin aus Neuburg
  18. Christian Peters (48), Prokurist aus Burgheim
  19. Andreas Schwinghammer (55), Bankvorstand und Gemeinderat aus Karlskron
  20. Werner Hecht (40), Gärtnermeister und Gemeinderat aus Karlshuld
  21. Alfred Fröhlich (51), Maschinenbaumeister und Vize-Bürgermeister aus Waidhofen
  22. Erich Pradel (53), kaufmännischer Angestellter und Dritter Bürgermeister aus Langenmosen
  23. Johann Habermeyer (56), Diplom-Agraringenieur, Geschäftsführer, Landwirt und Dritter Bürgermeister aus Neuburg
  24. Gerhard Göbel (58), Landwirt und Gemeinderat aus Rennertshofen
  25. Norbert Ziegler (55), Landwirtschaftsmeister aus Königsmoos
  26. Shahram Tabrizi, Oberarzt aus Waidhofen
  27. Peter Martin (25), Schreiner aus Burgheim
  28. Thomas Fürst (42), Schreinermeister Projektleiter und Vize-Bürgermeister aus Weichering
  29. Brigitte Wollesack (59), Kämmererin und Gemeinderätin aus Gachenbach
  30. Georg Hartmann (64), Heizungsbaumeister und Vize-Bürgermeister aus Aresing
  31. Günther Schalk (48), Rechtsanwalt und Stadtrat aus Schrobenhausen
  32. Claudia Heinzmann (57), Rechtsanwältin und Vize-Bürgermeisterin aus Bergheim
  33. Josef Kraus (53), Techniker und Gemeinderat aus Königsmoos
  34. Thomas Bednarz (54), Rechtsanwalt und Vize-Bürgermeister aus Ehekirchen
  35. Martin Artner (44), Werkleiter aus Ehekirchen
  36. Manuela Heckl (43), Verwaltungsleiterin und Dritte Bürgermeisterin aus Rohrenfels
  37. Bernd Miller (51), selbstständiger Unternehmer aus Gachenbach
  38. Bernhard Pfahler (57), Verwaltungsangestellter und Stadtrat aus Neuburg
  39. Andreas Flath (51), Beamter im Justizvollzug und Dritter Bürgermeister aus Burgheim
  40. Klaus Rössler (59), Geschäftsführer und Leader-Manager aus Burgheim
  41. Helmut Meier (55), Bankkaufmann und Gemeinderat aus Burgheim
  42. Thomas Bauch (57), Marketingleiter und Pressesprecher aus Burgheim
  43. Manfred Kneissl (60), Fachkraft für Arbeitssicherheit aus Schrobenhausen
  44. Johann Reisner (59), Bautechniker aus Schrobenhausen
  45. Petra Maier (51), Einzelhandelskauffrau aus Schrobenhausen
  46. Kurt Bachhuber (49), Radio- und Fernsehtechniker und Gemeinderat aus Karlskron
  47. Stefan Appel (47), Augenoptikermeister und Gemeinderat aus Weichering
  48. Albert Streicher (38), Elektromeister, Geschäftsführer und Gemeinderat aus Aresing
  49. Albert Zeller (54), Bankbetriebswirt und Gemeinderat aus Bergheim
  50. Michael Hundseder (37), Maurer- und Betonbaumeister aus Schrobenhausen
  51. Christian Ahle (49), Diplom-Ingenieur und Gemeinderat aus Langenmosen
  52. Kathrin Kratzer (44), Krankenschwester und Gemeinderätin aus Langenmosen
  53. Marianne Mischok-Seißler (30), Ingenieurin der Landwirtschaft aus Königsmoos
  54. Florian Zimmermann (36), Betriebswirt des Handwerks aus Karlskron
  55. Hans-Jürgen Jaretzke (52), Wirtschaftsinformatiker und Gemeinderat aus Waidhofen
  56. Stefan Fäustlin (43), Verwaltungsleiter und Gemeinderat aus Königsmoos
  57. Andreas Zeitlmair (32), Maschinenbauingenieur und Gemeinderat aus Aresing
  58. Reinhard Schläfer (56), technischer Fernmeldehauptsekretär und Gemeinderat aus Karlshuld
  59. Manfred Pelzer (58), selbstständiger Gerüstbauer und Gemeinderat aus Karlshuld
  60. Klaus Babel (57), Krankenkassenangestellter und Stadtrat aus Neuburg.

Ersatz: Petra Knoll (48) aus Langenmosen; Heidrun Weikum aus Neuburg; Anna Leinfelder (30) aus Rennertshofen; Jürgen Tanzer (43) aus Schrobenhausen; Roland Bäurle (37) aus Schrobenhausen.


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