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Neuburg

22.02.2019

Wenn 30.000 Bienen mitten in der Stadt leben

Die Neuburgerin Anita Kerner neben ihrem Bienenstock. Seit Mai 2018 ist sie Hobby-Imkerin und hat die Tierchen in ihrem Garten. In diesem Sommer soll noch ein zweiter Stock dazukommen.
Bild: Fabian Kluge

In Metropolen gibt es den Trend, sich Bienen in der Stadt zu halten. Anita Kerner aus Neuburg ist Hobby-Imkerin. Wie sie zu ihrem Volk gekommen ist.

Wohl kein Tier hat in Bayern in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit erregt wie die Biene. Da wurde das Volksbegehren zur Artenvielfalt mit dem prägnanten Zusatz versehen: „Rettet die Bienen!“ Haben wir das schwarz-gelbe Tierchen doch spätestens seit Biene Maja ins Herz geschlossen. Und so war trotz der Streitereien zwischen Naturschützern und Landwirten schnell ein Tenor zu hören: Jeder kann etwas tun, um die Bienen zu retten.

So wie Anita Kerner aus Neuburg. Seit vergangenem Mai hat sie einen Bienenstock in ihrem Garten in der Grünauer Straße stehen. Gerade in Metropolen ist das städtische Imkern – oder „urban beekeeping“ wie es die Hipster nennen – schwer in Mode. Und auch die Neuburgerin möchte ihre rund 30.000 Brummer nicht mehr missen: „Durch das Summen ist es schon fast ein meditatives Hobby. Außerdem ist der Honig meiner Bienen nicht mit dem aus dem Supermarkt zu vergleichen.“ Denn: Bienen haben einen Radius von 2,5 Kilometern. In Kerners Fall bedeutet das: Die Insekten steuern keine Monokulturen an, sammeln damit ganz unterschiedlichen Blütenstaub.

Bienen in Neuburg: Stadtbienen produzieren 80 Kilo Honig

Zur Hobby-Imkerin wurde die Neuburgerin eher zufällig, wie sie erzählt: „Mein guter Freund Paul Benning hat schon seit Jahren Bienenvölker im Sehensander Wald. Ein Volk war wenig ertragreich und ich fand das Thema schon immer spannend.“ Für einen Imkerkurs hatte Kerner zwar keine Zeit, unter Bennings Anleitung versuchte sie vergangenes Jahr dennoch ihr Glück. Ihre Bienen, wie sie liebevoll sagt, scheinen sich seitdem wohlzufühlen: „Sie haben 80 Kilo Honig produziert, normal sind im Schnitt um die 50 Kilo.“

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Kerzen aus Bienenwachs und ein Glas Honig – und das alles aus dem Garten von Anita Kerner.
Bild: Fabian Kluge

Den Honig schleudert Kerner bei Georg Schäfer in Feldkirchen – ein besonderes Ereignis, erklärt sie: „In dem Raum riecht es nach Bienenwachs und Honig. Und wenn der dann als goldenes Extrakt herausläuft, das ist toll.“ Kein Zweifel, ihre Bienen sind Kerners Leidenschaft. Im Sommer soll noch ein zweiter Bienenstock in ihren Garten kommen. Dann sei aber Schluss. „Um davon leben zu können, bräuchte man 25 Stöcke. Das ist zeitlich nicht möglich.“ Gerade im Sommer müsse sie immer wieder nachsehen, eventuell Drohnen, die männlichen Bienen, entnehmen. Alle drei Wochen wird dann ein Tag lang nur Honig geschleudert.

Hobby-Imkerin: Politik setzt zu oft auf Freiwilligkeit

Schon jetzt summt und wuselt es um Kerners Bienenstock. Aufgrund der warmen Temperaturen sind die Tierchen schon aktiv, kehren zum Teil mit „gelben Höschen“, wie die Neuburgerin den gesammelten Blütenstaub nennt, zurück. Kaum hebt sie den Deckel des Bienenstocks an, ertönt ein tiefes, gleichmäßiges Brummen aus der Vorrichtung. „Es ist ein beruhigendes Hobby. Wenn man hektisch an den Stock herangeht, bekommt man es schmerzhaft zu spüren“, sagt Kerner. Allzu häufig gestochen wird aber niemand aus der Familie, nicht einmal die mutige Hauskatze, die sich auch gerne einmal mitten auf den Bienenstock setzt. „Man sollte halt nicht direkt in der Einflugschneise der Bienen stehen, ansonsten hört man es ganz gut am Summen, ob man lieber Abstand halten sollte“, erklärt die Hobby-Imkerin.

Schon jetzt sind Anita Kerners Bienen munter und unterwegs. Im Hintergrund sieht man eine Biene mit einem „gelben Höschen“.
Bild: Fabian Kluge

Als es um die Politik und das Volksbegehren geht, wird sie kurz ernst. Natürlich habe sie unterschrieben – und doch stört sie etwas: „Ich finde es nicht gut, alles auf die Landwirte zu schieben. Die Politik setzt zu oft auf Freiwilligkeit, aber sie muss einen gesetzlichen Rahmen schaffen.“ Viele Hauseigentümer seien zu faul, würden ihre Vorgärten kiesen oder ständig einen Mähroboter fahrenlassen. Auch die Stadt Neuburg kritisiert sie: „Wenn es hier um Bäume oder Grünflächen geht, werden immer nur Bedenken wegen des Verkehrs oder der Pflege angebracht. Wir müssen anfangen umzudenken.“ Jeder sollte vor der eigenen Haustür beginnen, etwas für Bienen oder Insekten im Allgemeinen zu tun – „und die brauchen keine Laubbläser oder Mähroboter“, betont Kerner.

Neuburger Bienen versorgen Hotel

Gut 100 Kilo Honig wird sie in diesem Jahr voraussichtlich erwirtschaften. Was sie damit macht? „Honigwein wäre zu schade, dafür nimmt man eigentlich zu wässrigen Honig. Und die Verwandtschaft kann ich auch nicht dauernd versorgen“, sagt Kerner und lacht. Das Hotel Acker beliefert sie beispielsweise mit ihrem Honig. Ansonsten gebe es kaum mehr Zucker in ihrem Haushalt. „Ich koche beispielsweise mit Honig. Das ist auch viel gesünder.“

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