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Gietlhausen

10.04.2018

Wenn Käfer den Alarm auslösen

Felix Brundke (links), Alfred Hornung (Mitte) und Steffen Müller an einer der neuen Messstationen im Seminarwald.
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Felix Brundke (links), Alfred Hornung (Mitte) und Steffen Müller an einer der neuen Messstationen im Seminarwald.
Bild: Philipp Kinne

Immer wieder müssen in den heimischen Forsten Fichten entsorgt werden, weil sie von Borkenkäfern befallen wurden. Wie neue Messstationen dagegen helfen sollen.

Er ist nur wenige Millimeter groß, bringt aber meterhohe Bäume zu Fall. Der Borkenkäfer ist längst zur Gefahr für heimische Wälder geworden. Hat er eine Fichte erst einmal befallen, gibt es kaum mehr eine Chance. Der Schädling bohrt sich unter die Rinde und nagt winzige Gänge ins Holz. Nach und nach verliert die Fichte ihre Rinde – das Todesurteil für den Baum. Chemische Mittel gegen den Schädling gibt es zwar, doch sie schaden auch der Natur. Was also tun, um den Borkenkäfer zu bekämpfen?

Neues Alarmsystem im Seminarwald

Zunächst müsse man wissen, wo der Borkenkäfer momentan unterwegs ist, erklärt Steffen Müller Förster des Studienseminars. Und deshalb gibt es im Seminarwald bei Gietlhausen nun spezielle Messstationen. Die beiden schwarzen Plastikkästen stehen in einem sogenannten Käferloch. Dort, wo der Borkenkäfer im vergangenen Jahr etwa 50 Bäume befallen hatte. Das Käferloch mit den Messstationen ist nur eines von etwa 40 im 800 Hektar großen Waldgebiet des Försters. In der Station befindet sich ein Lockstoff, der Borkenkäfer anzieht. Angelockt von diesem Stoff, krabbelt der Borkenkäfer in die Messstation und fällt in einen Behälter. Der wird regelmäßig vom Förster gelehrt. Je nachdem, wie viele Borkenkäfer sich darin befinden, kann dann auf die Population der Schädlinge im Waldgebiet geschlossen werden. Die Ergebnisse trägt der Förster in eine Datenbank ein, mit der die Gefährdungslage in ganz Bayern eingestuft wird. Steigt die Zahl der Borkenkäfer in einem bestimmten Gebiert, kann so schneller reagiert werden. Denn die befallenen Bäume müssen schnellstmöglich aus dem Wald entfernt werden. Andernfalls vermehren sich die Schädlinge unter der Rinde und werden so schnell zur Gefahr für die umliegenden Bäume.

Die Messstationen stehen bayernweit in den Wäldern

Die beiden schwarzen Plastikkästen sind Teil eines bayernweiten Projekts der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Seit 2004 sollen die Messstationen einen kontinuierlichen und flächendeckenden Überblick über die aktuelle Borkenkäfersituation geben. An über 100 Standorten im Freistaat wird die Population der Schädlinge bereits erfasst. Für Felix Brundke, Forstrat des LWF im Bereich Neuburg-Schrobenhausen, ist das Projekt bereits ein Erfolg. Auch durch den Klimawandel habe die Zahl der vom Borkenkäfer befallenen Fichten in den vergangenen Jahren zugenommen. „Die Fichte braucht viel Wasser“, erklärt Brundke. „Durch den Klimawandel werden die Sommer aber immer trockener.“ Das schwächt die Bäume. Sie produzieren weniger Harz und können den gefährlichen Borkenkäfer deshalb nicht mehr abwehren.

Schuld ist auch der Klimawandel

Hunderte Fichten mussten deshalb auch im Seminarwald im vergangenen Sommer gefällt werden. Alfred Hornung Forstbetriebsleiter der Stiftung Studienseminar hofft, dass die neue Messstation die Lage verbessert. Er sagt: „Sie ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Schutz unserer Wälder“. Um das Schädlingsproblem aber endgültig in den Griff zu bekommen, reiche das nicht aus. „Da muss auch die Natur mithelfen.“ Mehr Regen im Sommer und kältere Winter – das wäre gutes Wetter im Kampf gegen den bedrohlichen Schädling.

Info Unter www.borkenkaefer.de, finden Sie die Karte zur Borkenkäfersituation in ganz Bayern. Durch Messstationen wie der bei Gietlhausen kann die Gefährdungslage tagesaktuell aktualisiert werden.

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