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20.06.2009

Wenn Mädchen ein Baby kriegen

Ingolstadt Ein Raunen geht durch den Ausstellungsraum, wenn Christian Zech von seinen alltäglichen Erfahrungen berichtet: "Sie haben noch nie jemanden geküsst oder Händchen gehalten", weiß der Sexualpädagoge von seinen Aufklärungsworkshops in vierten Klassen von Ingolstädter Schulen. Und dennoch kommen aus ihren Reihen nicht selten Aussagen wie diese: "Gangbang ist normaler Sex."

Einige der Gäste bei der Eröffnung zur Ausstellung "Jugendschwangerschaften" in den Räumen von Pro Familia sind da weniger gut informiert. Also erklärt Zech geladenen Gästen wie dem Landrat von Eichstätt, Anton Knapp, der Ingolstädter CSU-Stadträtin Dorothea Soffner und einem Dutzend weiterer Gäste, dass es sich dabei um Gruppensex handelt.

Der Begriff stammt nicht von ungefähr aus dem Jargon der Pornografie. "Spätestens ab der sechsten Klasse kennen alle Youporn", berichtet Zech einem doch sichtlich überraschtem und durchweg erwachsenem Publikum weiter. Das, so ist zu erfahren, sei eine Internetseite, die eine Unzahl von Porno-Videos unentgeltlich zur Verfügung stelle. Eigentlich für Erwachsene gedacht, aber ein Klick auf "enter" genügt, um sich als volljährig auszugeben. In der Ausstellung geht es aber nicht um die fortschreitende Pornografisierung vor allem der jungen und jüngsten Gesellschaft, sondern um Zahlen und Fakten zu Teenager-Schwangerschaften.

Knapp zehn Fälle je 1000 Einwohner

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Die neueste Pro-Familia-Studie bringt überraschende Ergebnisse mit: So ist zum Beispiel seit 2001 deutschlandweit ein Rückgang der Schwangerschaften von unter 18-Jährigen zu verzeichnen. Die Region liegt mit knapp zehn Schwangerschaften pro 1000 Einwohnern leicht über dem Bundesdurchschnitt von acht bis neun Fällen. "Die regionalen Zahlen sind aber keine harten Fakten", betont Evi Tietmann, die Leiterin der Schwangeren-Beratungsstelle. Die leicht überdurchschnittlichen Gesamtzahlen aus den Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Pfaffenhofen und aus Ingolstadt sind telefonisch abgefragte ad-hoc-Daten aus den staatlich geprüften Beratungsstellen.

Bei der bundesweiten Studie wird vor allem der Zusammenhang zwischen sozialem Status und den Teenager-Schwangerschaften deutlich. So ist das Risiko einer Schwangerschaft unter 18 Jahren bei Hauptschülern fünf Mal so hoch wie bei Gymnasiasten.

Da Kinder immer früher intim werden, muss auch die Aufklärung immer früher ansetzen, sagte Tietmann bei ihrer Eröffnungsrede. Denn 90 Prozent der minderjährigen Mädchen werden ungewollt schwanger. Die häufigsten Verhütungspannen sind Fehler beim Gebrauch von Pille oder Kondom oder Unwissenheit. Pro Familia fordert neben mehr Aufklärung auch für die "Pille danach" Rezeptfreiheit, so wie es in vielen europäischen Ländern üblich ist.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung in der Pro-Familia-Beratungsstelle am Holzmarkt 2 hat montags, dienstags und freitags von 9 bis 16 Uhr und mittwochs und donnerstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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