Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Wenn Musiker im Audi Forum Ingolstadt „Bier-Dixie“ zelebrieren

Ingolstadt

17.10.2020

Wenn Musiker im Audi Forum Ingolstadt „Bier-Dixie“ zelebrieren

Martin Auer mit dem South West Oldtime Allstars im Audi Forum Ingolstadt.
Bild: Frank Matthey

Plus Das Neuburger Birdland, die Audi AG und der Bayerische Rundfunk ermöglichen zusammen den Auftritt der "South West Oldtime Allstars" im Audi Forum Ingolstadt. So war das Konzert.

Jazzmusiker darben augenblicklich. In Zeiten wie diesen herrscht immer noch Mangel an ihrem täglichen Brot, den Konzerten. Nur wenige Veranstalter können die geforderten Hygiene-Standards erfüllen oder verfügen über den notwendigen langen Atem, um mental und finanziell halbwegs gesund durch die Krise zu kommen. Deshalb muss es sich für Musiker wie Publikum seit September regelmäßig wie ein kleiner Feiertag anfühlen, wenn das Neuburger Birdland zu Live-Erlebnissen einlädt. Diesmal in Kooperation mit der Audi AG und dem Bayerischen Rundfunk anlässlich des Auftakts zum 10. Birdland Radio Festival, der zum Jubiläum im Audi Forum Ingolstadt über die Bühne ging. Ein eindrucksvoller Abend, wie sich zeigte.

Es sei „unglaublich, ja fast einzigartig“, dass Birdland-Impresario Manfred Rehm derart konsequent und unbeirrt weiter seinen Weg gehe, bricht es aus Martin Auer, dem Kopf der "South West Oldtime Allstars", gegen Ende des Abends heraus. Für Musiker seien derartige Möglichkeiten schlicht überlebensnotwendig, jeder solle derartige Aktivitäten unterstützen, fordert der Trompeter, und das auf Abstand sitzende, ziemlich gelichtete Auditorium quittiert dieses Bekenntnis mit frenetischem Applaus.

Ingolstadt: "Bier-Dixie"-Stücke stehen für eine absolute Revolution im Jazz

Einen Teil der Ovationen hatten sich die Musiker freilich zuvor schon mit ihrem Vortrag verdient, in dem sie eine keineswegs einfache Aufgabe mit immenser Spielfreude und Virtuosität meisterten. Denn Oldtime-Musik, die gerne auch unter dem oberflächlichen Beinamen „Bier-Dixie“ firmiert, besitzt in der Regel keinen allzu hohen künstlerischen Stellenwert, gilt als beliebig und populistisch. Dabei stehen die Stücke, die Louis Armstrong mit seiner „Hot Five“ und „Hot Seven“ zwischen 1925 und 1928 in Chicago einstudierte, auch als absolute Revolution im Jazz und waren zu ihrer Zeit ungefähr so hip wie Punk in den 70ern, Hiphop in den 80ern, Grunge in den 90ern, Techno in den Nuller- und Electro-Pop in den Zehner Jahren.

Genauso wie Armstrong sieht sich auch Martin Auer als Primus inter Pares, dirigiert im Audi Forum das Oktett, indem er akkurat auf die einzelnen Musiker deutet und ihnen ihr jeweiliges Solo zuweist. So entwickelt sich nach einigen durchaus verzeihlichen Startproblemen ein vitales und vor allem hochvirtuoses Wechselspiel zwischen traditionellen Instrumenten wie dem Banjo (Jörg Teichert), der Klarinette (Gary Fuhrmann), dem Sousaphon (Matthew Bookert) oder der Posaune (Felix Fromm; grandios in „Ory’s Creole Trombone“). So klingt diese normalerweise eher gering geschätzte Musik, wenn sie endlich einmal von jungen, hochkarätigen Musikern gespielt wird, die in ihrem realen Künstlerleben auch vor neutönenden Projekten nicht zurückschrecken.

Der Jazz-Boom in Neuburg hält auch Dank Manfred Rehm bis heute an

Für die nötige Erdung sorgen dabei bewährte Kräfte wie der längst zum lebenden Birdland-Inventar gehörende Bassist Thomas Stabenow, der perlend swingende Pianist Thilo Wagner und mit dem Engländer Trevor Richards eine leibhaftige Klammer zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Richards, putzmuntere 74, war Schüler des Schlagzeugers Zutty Singleton, Originalmitglied der „Hot Seven“.

Was die wenigsten wussten: Trevor Richards bestritt während der „Ruhephase“ des Birdlands in den späten 1970er Jahren im Neuburger Stadttheater ein gefeiertes Konzert. Möglicherweise war dies der inoffizielle Startschuss für den bis heute anhaltenden Jazz-Boom in der Ottheinrichstadt. Damals (noch in Privatinitiative mit dem Kulturreferenten und Ehrenbürger Anton Sprenzel) wie heute dafür verantwortlich: Manfred Rehm.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren