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04.06.2009

Wenn die Krähe am Galgen baumelt

Neuburg-Schrobenhausen Es sieht gruselig aus. Eine tote Krähe baumelt mit den Füßen nach oben an einer Holzstange. Zwei dieser grässlichen Galgen stehen derzeit auf einem Feld im Donaumoos. Das Aufhängen der Tiere hat nichts mit Aberglauben zu tun. Vielmehr sind es makabere Vogelscheuchen, die die Krähen von den Feldern verjagen sollen. Ob das Aufknüpfen der toten Vögel die hungrigen Kameraden vertreibt, ist mehr als fraglich. Sicher ist dagegen, dass ein Landwirt sich strafbar macht, wenn er zu diesem Mittel der "Schädlingsabwehr" greift.

Krähen sind zwar laut Gesetz "jagdbare Tiere". Das heißt aber, dass sie - ähnlich wie Rehe - nur von Jägern erlegt werden dürfen. Laut Auskunft der Jagdbehörde im Landratsamt ist es demnach nicht einmal erlaubt, eine tote Krähe an sich zu nehmen, ganz zu schweigen vom Aufhängen. Wer das trotzdem tut, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Nur Jäger dürften auf die schwarzen Gesellen schießen. Das allerdings auch nur, wenn keine Schonzeit ist. Diese erstreckt sich von Mitte März bis Mitte Juli. Doch auch der Waidmann darf nicht so einfach auf die Krähen losballern. Er muss konkrete Gründe vorlegen, warum er zur Flinte greift.

Das Aufknüpfen ist nicht nur strafbar, es bringt vermutlich auch nichts. "Diese Art der Vogelscheuchen gab es schon im Mittelalter", sagt Ulrich Land, Mitarbeiter im Landesverband für Vogelschutz Bayern. Damals habe man auch tote Eulen an Scheunentore genagelt, um den Tod abzuhalten.

Der Tierarzt im Artenschutzreferat ist überzeugt, dass die furchterregenden Vogelscheuchen keine Wirkung zeigen werden. Die Vögel seien zwar richtig clever. Sie können aber nur ein bestimmtes Erlebnis mit dem Signal "Gefahr" verbinden. Angesichts des leblosen Artgenossen müssten sie ja denken, dass sie dort auch baumeln könnten, wenn sie Samen oder Pflänzchen fressen. Und so gescheit sind die Vögel dann vermutlich doch wieder nicht.

Insgesamt sind die Krähen im Landkreis derzeit für die Landwirtschaft kein allzu großes Problem. Das bestätigt auch Heinrich Völkl, hiesiger Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands. Er räumt aber ein, dass es hier und da schon zu Problemen mit den Vögeln gekommen sei. Das Fiese daran: Die Tiere sind sehr schwer zu vertreiben. "Wenn man eine Feldscheuche aufstellt, dann lacht die Krähe nur", sagt Völkl. Bauern ärgern sich besonders, wenn die Krähen Siloplanen zerhacken. Dann ist der Inhalt kaputt. Mittlerweile kaufen viele Landwirte dickere Folien, um die Vögel abzuhalten. Diese kosten dann aber wieder mehr. Die Bauern wehren sich aber auch noch auf eine andere Art. Saatkörner mit Beizmittel verderben den Krähen den Appetit. Und das wirkt wesentlich besser als Krähen-Galgen, die vermutlich nur Spaziergänger in Angst und Schrecken versetzen.

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