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Oberhausen

25.10.2017

„Wenn wir Ihnen etwas zusichern, gilt das“

Die Kieselerde-Tagebauen bei Neuburg-Ried, die den Namen Hildern 1, 2 und 3 tragen, kommen dem geplanten Abbau in Oberhausen größenmäßig nahe. Das Bild stammt aus dem Jahr 2014.

Hoffmann Mineral will Ende 2020 in Oberhausen Kieselerde abbauen. Vier Jahre soll es dauern, bis die Grube wieder verschlossen ist. Was die Anwohner dazu sagen

Der Andrang war enorm. Weit mehr Zuhörer als geplant interessierten sich am Montagabend für die Informationen, die die Firma Hoffmann Mineral zum geplanten Kieselerdeabbau im Oberhausener Sportheim gab. „Damit haben wir nicht gerechnet“, musste auch Bürgermeister Fridolin Gößl zugeben und verlegte die Versammlung kurzerhand vom Gastraum in den Saal. Dort beantwortete Karlheinz Schmidt aus der Geschäftsleitung des Unternehmens zusammen mit Firmenchef Manfred Hoffmann alle Fragen, die die Bürger zu dem Vorhaben hatten. Das Fazit nach dem zweieinhalbstündigen Austausch: Insbesondere bei den Bewohnern der angrenzenden Wohngebiete Straßäcker und Mühlberg bleiben Vorbehalte, denn die Abbaufläche reicht bis 150 Meter an die Häuser heran. Die Gemeinde wird die Bürger auf dem Laufenden halten und – falls Interesse besteht – soll es zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Bürgerversammlung geben.

Im Fokus hat Hoffmann Mineral zwei Abbaugebiete östlich von Oberhausen, die in Sichtweite des B16-Anschlusses liegen: am Höfelhof und am Höfelholz. Das ausgemachte Kieselerdevorkommen liegt am Höfelhof bei rund 82000 Kubikmeter, das bis in eine Tiefe von 25 Meter reicht. Am Höfelholz könnten etwa 140000 Kubikmeter des Rohstoffs gefördert werden; dazu müssen sich die Maschinen bis in eine Tiefe von 40 Meter bohren. Bei den Abbauflächen handelt es sich um recht kleine Areale, wie Karlheinz Schmidt sagte. Die Ausbeute reiche dem Unternehmen gerade mal für zwei Jahre.

Am Flachsberg in Unterhausen hat das Unternehmen weitere Vorkommen ausgemacht. 30000 Kubikmeter Kieselerde könnten hier zutage gefördert werden. Doch der Eigentümer der Fläche hat seine Zustimmung zum Abbau verweigert.

Sofern das Genehmigungsverfahren wie geplant läuft, möchte Hoffmann Mineral Ende 2020 mit dem Abbau beginnen. Dazu muss die entsprechende Fläche erst einmal gerodet werden. Der Abbau selbst soll zwölf bis 18 Monate dauern, danach wird die Grube wieder verschlossen, die Fläche wird rekultiviert und der zuvor gerodete Wald wieder aufgeforstet. Alles in allem sollen die Arbeiten bis zum Verschließen der Grube vier Jahre dauern. „Jeder Abbau und jede Rekultivierung wird wie vereinbart durchgeführt. Wenn wir Ihnen etwas zusichern, dann wissen wir das auch in fünf Jahren noch – und das gilt“, warb Schmidt um das Vertrauen der Bürger.

Normalerweise hätte sich Hoffmann Mineral zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit einem Abbau in Oberhausen beschäftigt. Doch die Diskussion um einen möglichen Nationalpark in den Donauauen machte es notwendig, schnell zu handeln. Denn sollte der Nationalpark kommen, lägen die Kieselerdevorkommen in der Gebietskulisse und ein Abbau wäre nicht mehr zulässig.

Diese Fragen haben die Zuhörer an das Unternehmen gestellt:

Genehmigungsverfahren: Nachdem die Umweltverträglichkeitsvorprüfung für den Höfelhof positiv ausgefallen ist (eine Prüfung für das Höfelholz war nicht notwendig, weil die zu rodende Fläche kleiner als ein Hektar ist), muss das Bergamt nun den Betriebsplan genehmigen. Dazu werden die Träger öffentlicher Belange befragt, außerdem wird eine artenschutzrechtliche Prüfung notwendig.

Betriebszeiten: Die Arbeiten werden montags bis freitags im Ein-Schicht-Betrieb durchgeführt. Um wie viel Uhr der Betrieb morgens startet, kann in Rücksprache mit den Anwohnern vereinbart werden.

Verkehrsaufkommen: Die Kieselerde wird auf einer Halde zwischen den beiden Tagebauten gelagert. Von dort aus wird sie von 30 Lastwagen am Tag ins Werk nach Neuburg transportiert. Die Zufahrt nach Oberhausen wird dadurch nicht behindert. Jedoch kann es an der Einfahrt zur B16 durch die Lastwagen zu vermehrten Stauungen kommen. Gegebenenfalls soll mit der Polizei gesprochen werden, ob die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h reduziert werden kann, um das Einfädeln in die Bundesstraße zu erleichtern.

Immissionsbelastung: Laut Karlheinz Schmidt ist mit keinen nennenswerten Staubbelastungen zu rechnen, da die ausgehobene Kieselerde mit feuchtem Sand zu vergleichen sei. Auch die Lärmbelastung bewege sich innerhalb der gesetzlich zulässigen Grenzen. „Wir arbeiten mit niedrigtourigen Maschinen. Dadurch ist der Lärm geringer als auf einer Baustelle.“ Darüber hinaus würde der Geräuschpegel zunehmend geringer werden, je tiefer sich die Maschinen in die Erde baggern. Zum besseren Schallschutz soll am Höfelholz ein Erdwall in Richtung der Wohnbebauung aufgeschüttet werden.

Eingriff in die Natur: Am Höfelhof müssen 1,5 Hektar Waldfläche gerodet werden, am Höfelholz sind es 900 Quadratmeter. Diese Fläche wird aber wieder mit Eichen aufgeforstet. Die Gruben selbst werden zu zwei Drittel mit dem Abraum wiederverfüllt, der Rest ist Kalkschotter aus Eichstätt. Darüber kommt eine etwa ein Meter dicke Humusschicht, in die Luzerne und Klee gepflanzt werden, die das Erdreich durchwurzeln und den Boden für die Bäume vorbereiten. Dieser Prozess dauert etwa ein bis zwei Jahre. Erst danach können die Eichen eingepflanzt werden.

Sicherheit: Die Abbaufläche wird von einem Wall und von einem 1,80 Meter hohen Zaun umgeben. Eine Schranke auf der Zufahrtsstraße weist daraufhin, dass der Zutritt strengstens verboten ist.

Schäden an Häusern: Der Firma Hoffmann ist nicht bekannt, dass es durch den Abbau von Kieselerde jemals zu Schäden an angrenzenden Häusern gekommen sei – auch nicht, wenn Sprengungen notwendig waren. Diese sind in Oberhausen aber nicht vorgesehen.

Beteiligung der Bürger: Herrin des Verfahrens ist das Bergamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern. Die Gemeinde Oberhausen kann als Träger öffentlicher Belange dazu Stellung nehmen. Private Bürger können ihre Bedenken oder ihr Anliegen dem Bergamt mitteilen. Bürgermeister Fridolin Gößl riet den Zuhörern aber, vor einem schriftlichen Einwand das direkte Gespräch zu suchen – entweder mit der Gemeinde oder mit Hoffmann Mineral. Denn seine Erfahrung ist: „Miteinander reden ist oft leichter.“

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