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Kultur

18.08.2020

Wer läuft wem hinterher?

Titania (Kerstin Egerer) verliebt sich durch einen Kräuterzauber Pucks in Klaus Zettel (Sepp Egerer), Mitglied einer Theatergruppe, der einen Eselskopf trägt, was ihr bis zu „Ende gut, alles gut“ aber ziemlich peinlich ist.
Bild: Brigitte Clemens

Kerstin und Sepp Egerers Sommernachtstraum auf dem Karlsplatz

Wie sehr Neuburger Kultur vermissen, ließ sich daran ablesen, dass lange vor Spielbeginn der Karlsplatz im Halbrund um den Marienbrunnen schon gut – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln – gefüllt war. Als Erste wagten es die Künstler Kerstin und Sepp Egerer, auf einer städtischen Freifläche aufzutreten und waren am Ende von dem langanhaltenden Applaus, den sie lange Zeit nicht mehr zu hören bekommen hatten, richtig überwältigt.

Ordentlich etwas vorgenommen hatten sie sich: einen dreistündigen Shakespeare namens „Sommernachtstraum“ in eine einstündige szenische Lesung zu pressen, da gehört schon Mut und Können dazu. Doch es gelang den beiden, mit aussagekräftigen Requisiten, Namensschildern, helfenden Erklärungen, einprägsamen Gesten, ausdrucksvollen Stimmen und schauspielerischem Talent das Liebesverwirrspiel so transparent zu machen, dass man ihm mühelos folgen konnte.

Neun Personen hatten sie zu verkörpern. Es war kein Verlass darauf, dass die Personen immer vom gleichen Künstler gespielt wurden. Sepp schlüpfte mittels Perücke und hoher Fistelstimme auch schon mal in die Rolle von Helena, Kerstin zeigte überlegene Dominanz als Oberon und auch eine Puppe, die Dritte im Bunde, wechselte durch. Die Schauspieler erzeugten mit Lispeln, verwaschener Sprache – immer gut artikuliert – so manchen Lacher im ernsten Shakespeare-Geschehen. Kerstin meisterte nicht nur die Aufgabe, die amourösen Konfusionen für das Publikum zu entwirren, sondern griff schon auch mal mit fester Hand regieanweisend zu, wenn Sepp die Perücke auf dem Kopf oder die Puck-Ohren vergessen hatte abzulegen, während er sich in Windeseile für seine nächste Rolle vorbereitete.

Die metrischen Schemen shakespearescher Blankverse brachten beide authentisch rüber, ernteten aber mit flapsig eingeworfenen Sprüchen wie „Echt, jetzt?“ oder einem verächtlichen „Weiber!“ Beifall. Die Egerers brachten sich in Gänze in das Sommernachtstraum-Geschehen ein, wenn nötig zickten sie rum, zeigten Clownstalent oder nahmen sich selber, aber auch gegenseitig auf den Arm. Ein vergnüglicher Theaterabend, bei dem Dank des Engagements der Schauspieler am Schluss zusammenkam, was zusammengehörte, und auch die „Kerstin-und-Sepp-Egerer-Stiftung“ noch Unterstützung in Form von klingender Münze im Koffer erfuhr.

Bitte mehr von solchen kulturellen Ereignissen unter freiem Himmel!

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