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Interview

03.01.2019

Widuckel: „Die Automobilindustrie wird eine andere“

Werner Widuckel spricht in seinem Wintergarten in Karlskron davon, was er als Landrat verändern würde.
Bild: Marcel Rother

Werner Widuckel will dem Abwärtstrend der SPD trotzen und Landrat werden. Warum es den Professor in die Politik zieht.

Herr Widuckel, einige sagen, ein Mann wie Sie – einer aus der Wirtschaft – wäre prädestiniert für das Amt des Landrats in einer Boomregion wie unserer. Wie sehen Sie das?

Werner Widuckel: Was ich mit Sicherheit gelernt habe, ist das Führen von großen Organisationen sowie effektives und zielorientiertes Arbeiten. Auf der anderen Seite bin ich mir bewusst, dass eine öffentliche Verwaltung anders funktioniert als ein Unternehmen.

Inwiefern anders?

Widuckel: Allein schon der Grad der rechtlichen Regulierung ist ein ganz anderer. Und es muss sehr viel mehr innerhalb der Organisation abgestimmt werden. Dazu kommt der Fokus der demokratischen Öffentlichkeit, die Erwartungen der Bevölkerung wollen erfüllt werden. Der Anspruch an Transparenz gegenüber den Interessen unterschiedlicher Gruppen ist sicherlich im Landratsamt noch anspruchsvoller, dessen bin ich mir bewusst.

Sie kennen sich sehr gut in der Automobilindustrie aus, haben in führenden Positionen bei VW und Audi gearbeitet. Wie würden Sie dieses Know-how in Ihre Tätigkeit als Landrat einbringen wollen?

Widuckel: Wir haben natürlich in den letzten 20 Jahren hier in der Region eine starke Wachstumsentwicklung durch Audi gehabt und stellen jetzt fest: Die Automobilindustrie ist in einem starken Umbruch. Ich denke, die Richtung dieses Umbruchs, die Ursachen und auch die Auswirkungen sehr gut abschätzen zu können. Darüber hinaus kenne ich eine Menge Ansprechpartner bei Audi und hätte einen relativ direkten Zugang zu Entscheidungsträgern, was von Vorteil sein kann.

Wie sieht es mit der Seite der Beschäftigten aus?

Widuckel: Als langjähriger Personaler und Professor für Personalmanagement habe ich eine klare Vorstellung davon, wie sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Strukturwandel fühlen. Auch, welche Erwartungen und Befürchtungen sie haben, weil natürlich auch klar ist: Mit der Elektromobilität, mit der Digitalisierung wird die Automobilindustrie eine grundlegend andere werden.

Stichwort Digitalisierung: Was meinen Sie, überwiegen die Chancen oder die Risiken?

Widuckel: Ich denke, dass sich Chancen und Risiken sehr unterschiedlich verteilen. Es wird Gewinner geben, etwa den Software- und den IT–Bereich. Durch die höheren Automatisierungsmöglichkeiten in der Digitalisierung werden wir aber auch Antworten finden müssen, wie wir Menschen weiter beschäftigen können, deren Arbeitsplätze wegfallen. Wir werden also Menschen haben, die sich einerseits massiv bedroht fühlen und andererseits offene Stellen – das werden wir versuchen müssen, in Übereinstimmung zu bringen.

Was kann die Politik tun?

Widuckel: Die Arbeitsmarktpolitik und auch die betriebliche Fort- und Weiterbildung werden eine ganz wichtige Rolle spielen, um diese Entwicklung aufzufangen. Vielleicht werden wir auch in der Arbeitszeitpolitik neue Wege suchen müssen, um die Beschäftigung zu halten. Ich glaube aber, insgesamt ist das zu bewältigen, weil wir in den nächsten 15 Jahren sechs Millionen Erwerbspersonen durch den demografischen Wandel verlieren werden. Das darf man nicht vergessen.

Würde dem Landkreis eine weniger starke Fixierung auf die Automobilindustrie gut tun?

Widuckel: Monostrukturen sind immer problematisch. Auf der anderen Seite wäre es die falsche Konsequenz, jetzt weniger Autoindustrie zu fordern – das würde die Region stark schädigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in den vergangenen 20 Jahren von der Wachstumsentwicklung auch enorm profitiert haben. Richtig ist aber auch, dass eine breiter aufgestellte Wirtschaftsstruktur, zum Beispiel in einer Krisensituation, deutlich robuster ist.

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang den Campus in Neuburg?

Widuckel: Der Campus in Neuburg ist für unseren Landkreis etwas Wesentliches. Wir müssen bei der Gestaltung und Weiterentwicklung eine aktive Rolle spielen. Hochschulen holen interessante Menschen in die Region, binden sie hier., machen sie attraktiver und fördern die Kreativität in unterschiedlichste Richtungen. Das gilt nicht nur für Wertschöpfung und wirtschaftliche Aktivitäten, sondern auch für die Gestaltung des Zusammenlebens. 1000 oder 2000 Studierende in Neuburg oder dem Landkreis wären eine Bereicherung und auch ein Gegenwicht zur besagten Monostruktur. Das ist eine große Chance, die wir haben und nutzen müssen.

Sie haben drei Schwerpunktthemen genannt, eines davon ist der Gesundheitsbereich. Was wollen Sie dort anstoßen?

Widuckel: Im Bereich der gesundheitlichen Versorgung will ich das Kreiskrankenhaus in Schrobenhausen erhalten, das ich weder schließen noch privatisieren möchte. Wir können unser Kreiskrankenhaus weiterentwickeln und so erhalten mit einer guten Grundversorgung im Bereich der Notfallmedizin und Inneren Medizin. Zudem stelle ich mir vor, dass wir im Kreiskrankenhaus ein Zentrum für Altersmedizin errichten und Kassenarztsitze im Rahmen des Medizinischen Versorgungszentrums neu besetzen, wenn diese frei werden und keine Nachfolge gefunden wird. Auch die Pflegestruktur muss verbessert werden, wir brauchen Pflegestützpunkte, müssen die ambulante Pflege stärken und Familien massiv unterstützen.

Das zweite Thema ist die Bildung...

Widuckel: Im Bereich der Bildungslandschaft möchte ich angestoßene Entwicklungen zu Ende führen, Stichwort Ringtausch, Neubau der Paul-Winter-Schule und Modernisierung der Dr.-Walter-Asam-Schule. Ein ganz wichtiges Projekt wird zudem die Sanierung des Descartes-Gymnasiums werden. Da werden wir entscheiden müssen, ob das Gymnasium umfassend saniert oder vielleicht sogar neu gebaut werden muss.

Als Drittes nennen Sie den Bereich Natur- und Klimaschutz. Was kann da der Landkreis besser machen?

Widuckel: Wir haben in diesem Sommer alle den Klimawandel deutlich zu spüren bekommen. Wesentlich ist daher ein besserer Schutz für das Donaumoos. Moore haben eine ganz wichtige Funktion zur Speicherung von Klimagasen, denn sie speichern weltweit mehr CO2 als der Regenwald. Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen wollen, müssen wir gemeinsam mit den Gemeinden und der Landwirtschaft eine weitere Zersiedlung ins Moos verhindern, ebenso eine weitere Trockenlegung. Wir brauchen einen Pakt für das Moos.

Weg von den Inhalten, hin zu Ihnen. Sie haben 2010 von der Wirtschaft in die Wissenschaft gewechselt – was würde Sie an einem erneuten Wechsel in die Politik faszinieren?

Widuckel: Die Möglichkeit, zu gestalten. Ich bin jemand, der gerne anpackt, gerne verändert, gerne Dinge verbessert, von denen er meint, dass sie verbessert werden müssen.

Sie sind bereits als Jugendlicher in die SPD eingetreten. Ein Mann mit Ihrer Expertise hätte in anderen Parteien womöglich längst politisch Karriere gemacht. Bereuen Sie manchmal, dass sie sich für das rote Parteibuch entschieden haben?

Widuckel: Entweder, man hat eine Überzeugung, oder man hat keine. Und ich bin aus Überzeugung Sozialdemokrat. Das heißt für mich, für den sozialen Frieden einzutreten und für diejenigen Menschen, denen es nicht so gut geht. Und für den äußeren Frieden: Die SPD ist eine Friedenspartei. Diese beiden Motive haben mich immer stark angetrieben und mich eben schon als Vierzehnjährigen zur SPD gebracht. Dabei bleibt es auch.

Die Umfragewerte der SPD sind derzeit im Keller. Wie sehen Sie Ihre persönlichen Chancen im Kampf um das Amt des Landrats?

Widuckel: Eine Landratswahl ist in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. Die Menschen entscheiden danach, wem sie das Amt zutrauen und wer ihnen sympathisch ist. Ich bin jemand, der mit dem Amt eine hohe Verpflichtung zu guter Arbeit empfindet und gleichzeitig ein offenes Ohr hat. Denn gute Arbeit braucht Teamgeist. Ich glaube, das sind zwei gute Voraussetzungen dafür, gute Wahlchancen zu haben.

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